10. ODDSET-Talk zum Thema Tradition im Fußball

„Ein angenehmes Beiwerk“
10. ODDSET-Talk zum Thema Tradition im Fußball
Unter der Überschrift „Tradition – nur noch für Träumer“ lud der Hamburger Fußball-Verband (HFV) am 23. März 2015 zur zehnten Auflage seiner Gesprächsrunde ODDSET-Talk. Im Fokus des Abends stand der schleichende Untergang der Hamburger Traditionsclubs – sowohl im Profi als auch im Amateurfußball: Wie viel Wahrheit steckt hinter den Thesen „Für Tradition gibt’s keinen Cent“ und „Millionen ziehen die Tradition nach unten“?
In der Opus-Lounge, der Bar im Hotel Le Meridien, begrüßten die Moderatoren Dieter Matz (Sportredakteur Hamburger Abendblatt) und Carsten Byernetzki (HFV-Pressesprecher) erwiesene Fachleute: Thomas von Heesen (HSV-Idol, ehemaliger Spieler und Trainer), Lotto King Karl (Musiker, HSVer und BUer) und Reenald Koch (Präsident Eintracht Norderstedt und ehemaliger Präsident FC St. Pauli).

10. ODDSET-Talk (v. lks.): Lotto King Karl, Dieter Matz, Thomas von Heesen, Carsten Byernetzki und Reenald Koch – Foto HFV

Weitere Fotos vom 10. ODDSET-Talk gibt es in der Bildergalerie auf hfv.de

„Im professionellen Bereich sind Fußballvereine Wirtschaftsunternehmen, die auch so geführt werden müssen“, unterstrich von Heesen gleich zu Beginn des Talks. Gleichwohl waren sich die Teilnehmer einig, dass Tradition per se einen Mehrwert für einen Club darstelle. Lotto King Karl: „Tradition ist Teil der Marke, die der Verein darstellt.“ Welche Bedeutung ihr beikomme, merke man an der Zuschauerstimmung, wenn sich zwei Traditionsclubs gegenüberstehen. Zentrale Aufgabe der Vereinsführungen sei es laut von Heesen, die Tradition in die Zukunft zu übertragen ohne dabei sportlichen Misserfolg zu haben.
Positiver sportlicher Ertrag sei ohnehin das A und O, wie Koch unterstrich: „Mit dem Erfolg der ersten Mannschaft steht und fällt alles. Wenn die Performance stimmt, kommt der Rest auch. Tradition ist dabei ein angenehmes Beiwerk.“

„Hamburg ist eine Stadt, die Fußball wirklich mag!“
Nach einem kurzen Exkurs über die Wettbewerbsfähigkeit der Fußball-Bundesliga im internationalen Vergleich und von Heesens Anführung, dass Vereinspräsenz im Ausland unheimlich wichtig sei, rückte die Lage der beiden Hamburger Profiklubs HSV und St. Pauli in den Mittelpunkt. Während die „Rothosen“ aktuell in der ersten Liga gegen den Abstieg kämpfen, tut die Millerntor-Elf selbiges in Liga zwei. Ein Doppelabstieg wäre laut Koch ein „Trauerspiel für diese Stadt“. Mit Blick auf den guten Zuschauerzuspruch der beiden Teams konstatierte Lotto King Karl: „Hamburg ist eine Stadt, die Fußball wirklich mag! Hamburg ist heiß auf Fußball!“
Dass dem so ist, weiß Dirk Fischer vielleicht am besten. Der HFV-Präsident, der im Plenum saß, hob die kritische Lage hervor. Angesprochen auf das Szenario eines Doppelabstieges, wählte Fischer klare Worte: „Wir beten jeden Tag, dass uns das erspart bleibt. Aber die Lage ist für beide Vereine ganz, ganz kritisch.“

„Regionalliga sehe ich überhaupt nicht!“
Die Debatte um Tradition ist nicht nur im Profifußball existent, sondern auch im Amateurlager. Altona 93, SC Victoria, HSV Barmbek-Uhlenhorst, Bergedorf 85 und Co – zahlreiche Vereine blicken auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück, finden aber den Weg in den bezahlten Fußball seit Jahren nicht zurück. Die hohen Verbandauflagen, die bei einem Aufstieg greifen, seien dabei ein wesentlicher Faktor. Mit Blick auf die geforderten Vorrausetzungen wie das Vorhandensein von Flutlicht, Parkplätzen, Rasenheizung und einem Sicherheitskonzept sagte Koch: „Der Sprung von der Ober- zur Regionalliga ist gewaltig.“ Von Heesen: „Die Vereinsführung muss überlegen: was will ich und was kann ich mir leisten. Das kann ein großes Risiko sein. Nachhaltiger Erfolg ist dabei der wichtigste.“

Spricht man über Hamburger Traditionsvereine, darf der Name SC Concordia nicht fehlen. 2013 fusionierte der Verein mit dem Turn- und Sportverein Wandsbek-Jenfeld von 1881 e.V. zum Wandsbeker TSV Concordia von 1881 – eine Entwicklung, die in der Öffentlichkeit mit viel Wehmut aufgenommen wurde. Peter Menssing (1. Vorsitzender WTSV Concordia), der unter den geladenen Publikumsgästen weilte, hob die wirtschaftliche Notwendigkeit des Zusammenschlusses hervor und dass dabei die „Marke Concordia“ bewusst erhalten bleiben sollte. Angesprochen auf die Zukunft der ersten Herrenmannschaft nannte Menssing die Oberliga als Ziel. „Regionalliga sehe ich überhaupt nicht!“
Dirk Becker

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