13.05.2019

2:0 für ein Willkommen - Unterstützung für das Projekt "Spielmacher"

Die DFB-Stiftung Egidius Braun hat mit einer Unterstützung von 25.000 Euro den Fortbestand des Projektes "Spielmacher" gesichert. Die Kraft des Fußballs wird genutzt, um Jugendliche mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund zu integrieren und ihnen den Start ins Berufsleben zu ermöglichen. 

Konzentriert schauen 35 Jugendliche auf die Leinwand. Dort zu sehen sind Szenen aus dem Champions-League-Halbfinal-Rückspiel zwischen Ajax Amsterdam und Tottenham Hotspur. Taktikanalyse steht auf dem Programm. Trainer David Eybächer, der früher für die zweite Mannschaft des FC St. Pauli in der Regionalliga gespielt hat, bespricht die Szenen. Warum ließ Tottenham bei einem Eckball das 0:1 zu? Wurde mit einer Raum- oder Manndeckung verteidigt? Und überhaupt: Was sind eigentlich die Vorteile einer Raumdeckung, was die Vorteile einer Manndeckung? Die Jugendlichen wissen fast immer die richtige Antwort. Danach geht es raus auf den Trainingsplatz. Direkt neben dem berühmtem Millerntor-Stadion, wo der FC St. Pauli seine Heimspiele in der 2. Bundesliga austrägt, wird nach Anweisung der Trainer drauflos gekickt.

Flüchtling Bakro: "Das Projekt hat mir geholfen"

Die Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, die an diesem Training teilnehmen, hatten es im Leben nicht einfach. Viele von ihnen stammen aus Kriegsgebieten und kamen als Flüchtlinge nach Deutschland. Einer von ihnen ist Mohamad Bakro. Er floh 2016 aus Syrien und nimmt seit dem vergangenen Jahr an dem Projekt "Spielmacher" vom NestWerk e.V. teil. "Das Fußballprojekt hat mir geholfen, die Sprache zu lernen und auch in der Schule besser zurechtzukommen", sagt er auf Deutsch und fügt hinzu: "Es ist schön, hier mit anderen Jugendlichen etwas gemeinsam zu machen und Spaß am Fußball zu haben."
Damit das Projekt weiterhin bestehen kann, hat die DFB-Stiftung Egidius Braun dieses nun mit 25.000 Euro unterstützt. "Damit ist der Betrieb für ein Jahr gesichert", sagt Tobias Wrzesinski, der Geschäftsführer der Stiftung. "Wir engagieren uns gerne für Projekte, die zur weitergehenden gesellschaftlichen Integration beitragen. So wie hier: Das Ziel ist es, Jugendlichen über den Fußball Werte zu vermitteln, Arbeit zu verschaffen und Praktika zu ermöglichen."

Dreimal die Woche Taktik und Training

NestWerk e.V. wurde im Jahr 1999 von dem Fernseh-Moderator Reinhold Beckmann und einigen Freunden gegründet. Der Verein bietet Kindern und Jugendlichen in Hamburg kostenfreie sportliche und kulturelle Angebote. Gewaltprävention, Integration und das Erkennen und Nutzen des eigenen Potenzials sind wichtige Bestandteile der jeweiligen pädagogischen Konzepte. "Spielmacher" ist eines dieser Projekte. Gemeinsam mit den Partnern IN VIA Hamburg e.V., Barclaycard Deutschland und dem Bezirksamt Hamburg werden männliche Jugendliche dabei unterstützt, einen Bildungsabschluss zu erreichen und einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden.
An drei Tagen pro Woche kommen die Heranwachsenden für jeweils viereinhalb Stunden zusammen. Es gibt ein gemeinsames Mittagessen, außerdem einen 60-minütigen praxisorientierten sportpädagogischen Workshop und ein 90-minütiges Fußballtraining. Es geht dabei um mehr als nur Tore schießen. Den Jugendlichen werden Schlüsselkompetenzen wie Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermittelt. Daher zählen nicht nur interkulturelle Fußballtrainer, sondern auch Sozialpädagogen und Sportwissenschaftler zu dem Team.

Gehlenborg: "Wir haben dem Fußball viel zu verdanken"

Die DFB-Stiftung Egidius Braun engagiert sich für dieses Projekt im Rahmen der Initiative "2:0 für ein Willkommen", die die Stiftung zusammen mit der Nationalmannschaft und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration realisiert. Der Sinn und Zweck dieser Initiative besteht darin, Fußballprojekte zur Integration von Flüchtlingen zu nutzen.
DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg war bei der Scheckübergabe am Freitagnachmittag in Hamburg vor Ort und erklärte, welchen sozialen Wert der Lieblingssport der Deutschen hat. "Wir haben in diesem Land dem Fußball viel zu verdanken. 1954 haben wir erstmals den Weltmeistertitel errungen. 2006 kamen die Menschen zusammen und haben gemeinsam diese WM gefeiert. Dem Fußball verdanken wir, was ihr alle möchtet: Gemeinschaft, dabei sein, teilhaben", sagte Gehlenborg zu den Jugendlichen und fügte hinzu: "Egidius Braun hat einmal gesagt, Fußball ist mehr als ein 1:0, also mehr als ein Ergebnis. Fußball führt die Menschen zusammen. Das ist der Erfolg, den wir mit unserer Maßnahme '2:0 für ein Willkommen' haben. Wir kümmern uns um diejenigen, die aus Krieg, Not und Elend geflüchtet sind."

Beckmann: "Freue mich über die Unterstützung des DFB"

Beckmann zeigte sich glücklich, dass die DFB-Stiftung Egidius Braun das Projekt "Spielmacher" unterstützt: "Wir machen mit dem NestWerk unterschiedliche Projekte in ganz Hamburg. 'Spielmacher' ist ein wesentliches Projekt davon. Wir haben 2013 in Hamburg-Harburg damit angefangen, weil wir gemerkt haben, dass Jugendliche dort besondere Förderung brauchen. Ich freue mich, nun Unterstützung vom DFB zu bekommen."
Beispiele aus den vergangenen Jahren beweisen den Wert dieses Projektes. Sandra Kloke, die Geschäftsführerin von IN VIA Hamburg e.V., sagte zu den Heranwachsenden: "Ihr spielt hier nicht nur Fußball, sondern bekommt auch eine Anschlussperspektive geboten. Wir garantieren euch, dass ihr Praktikumsplätze und Ausbildungsplätze bekommt." Rund 350 Jugendliche nahmen an dem Projekt bereits teil und begannen daraufhin eine Berufsausbildung. "Es gibt in Hamburg rund 300 Betriebe, die uns unterstützen und Ausbildungsplätze bieten. Wir konnten bislang jeden vermitteln", erzählte Kloke.
Und wer weiß: Vielleicht ist unter den Teilnehmern ja auch jemand, der später Profifußballer wird. Das würde auch DFB-Vizepräsident Gehlenborg freuen, der zu den Jugendlichen sagte: "Allen die daran teilnehmen, wünsche ich erstens, dass ihr verletzungsfrei bleibt, zweitens Bundesligaspieler werdet und drittens: Wie sieht es mit der Nationalmannschaft aus?"
Dem lauten Klatschen war zu vernehmen, dass auch dieser Traum in dem einen oder anderen Jugendlichen lebt.