27.03.2019

„What football expects“

6 Hamburger Schiedsrichter beim B2-Länderturnier 2019

VSA-Nachwuchs-SR mit Lehrgangsleitung - Foto Gettschat

So lautete die von Norbert Grudzinski erläuterte Phrase zur Beurteilung bestimmter Spielszenen als vom 22. – 24. März 2019 der Norddeutsche Fußballverband wie gewohnt zum B2-Länderturnier der norddeutschen Verbände nach Hamburg lud. Das Turnier fand auf der Sportanlage Königskinderweg des TuS Germania Schnelsen statt. Beherbergt wurden sowohl die Mannschaften als auch die Schiedsrichter im Hotel Graf Zeppelin in der Frohmestraße in Schnelsen.

Nachdem die Schiedsrichter am frühen Freitagmittag ihre Zimmer bezogen, fiel der Startschuss zum Turnier durch die offizielle Begrüßung von Lutz Arp (NFV) und Dirk Rathke seitens der Gastgeber aus Hamburg. Eine kurze interne Absprache sowie die von den Schiedsrichtern mit Spannung herbeigesehnte Bekanntgabe der Gespanne erfolgte, dann ging es auch schon los. Pünktlich trafen die Schiedsrichter aus dem Nachwuchskader des Verbandsschiedsrichterausschuss am Königskinderweg ein, um sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. Trotz schlechtem Wetter der vergangenen Tage war der Naturrasen bespielbar und einem spannenden Turnier stand nichts mehr im Wege.

Die ersten beiden Partien des Turniers waren umkämpft, blieben jedoch insgesamt fair. Sowohl Hamburg und Schleswig-Holstein als auch Niedersachsen und Bremen trennten sich unentschieden. Der Turniersieger würde damit also erst am letzten Spieltag ermittelt. Für die jungen Schiedsrichter lag die Herausforderung darin, eine Linie für die restlichen Spiele vorzugeben. Gerade bei den persönlichen Strafen wurde von beiden Gespannen eine unterschiedliche Konsequenz an den Tag gelegt, was anschließend auch durch die Beobachter angemerkt wurde. Mithilfe der Videoanalyse am Abend konnten wertvolle Hinweise vermittelt werden. „Fehler macht jeder, das gehört zum Schiedsrichterdasein dazu. Wichtig ist, dass die jungen Schiedsrichter daraus lernen“, wie Nachwuchskader-Chef Andreas Bandt klarstellte. Auch müsse man sich bei bestimmten Einzelszenen schlichtweg vor Augen führen, was der Betrachter eines Spiels in diesen Situationen erwartet, so DFB-Schiedsrichter Norbert Grudzinski. Das, was der Fußball erwartet. Auch die Schiedsrichter blickten optimistisch auf die nächsten beiden Spieltage. „Wir haben heute an einem abwechslungsreichen Tag durch die Kombination aus Spielleitung und gezielter Analyse den Grundstein für weitere, erfolgreiche Spielleitungen gelegt.“, so Schiedsrichter Patrick Hiebert. Nach einem entspannten Ausklingen des Abends, ging es rechtzeitig auf die Zimmer, um am nächsten Tag fit durchstarten zu können.

Am Samstag startete der Tag nach dem gemeinsamen Frühstück mit einer weiteren Analyse des Vortages. Gerade für das Ahnden von taktischen Fouls konnten exemplarische Szenen herausgearbeitet werden, die sich die Schiedsrichter in Zukunft bei der Bewertung im Spiel vor Augen führen können. Des Weiteren wurden Videoszenen (u.a. aus der Bundesliga) zur Bewertung von kappen Abseitsstellungen gezeigt und gemeinsam besprochen. Anschließend stand die obligatorische Regelarbeit auf der Tagesordnung, die von allen Lehrgangsteilnehmern bestanden wurde. Nach einer kleinen Mittagspause reisten die Schiedsrichter zu den nächsten Spielleitungen. Die Paarungen verliefen abermals fair. Die Vorgaben des Vortages wurden durchgesetzt, sodass der Zuschauer eine einheitliche Linie zu sehen bekam. Für die hauptsächlich in der Bezirksliga tätigen jungen Schiedsrichter war vor allem das Tempo der Spiele und der unüberwindbare Wille der Akteure auf dem Platz beeindruckend. „Die Spieler ließen sich selbst von einem klaren Foulspiel nicht stoppen und standen sofort wieder auf, um weiterzuspielen. Das kennen wir von den Spielen im Herrenbereich nicht in diesem Ausmaß“, berichtete Rasmus Renner nach seiner Spielleitung. Genau das sei jedoch gewünscht gewesen, schließlich wolle der eine oder andere selbst in den nächsten Jahren als Schiedsrichter oder Assistent in den schnellen Junioren-Bundesligen aktiv sein, erklärte der VSA-Vorsitzende Christian Soltow. Nach der Abreise von der Sportanlage und dem leckeren Abendessen, folgte wie gewohnt die für alle aufschlussreiche Analyse der Partien des Tages. Einige Teilnehmer sahen sich dabei zum ersten Mal selbst beim Pfeifen, was bei dem einen oder anderen durchaus ein Schmunzeln hinsichtlich ungewohnter Attitüden und Gesten hervorreif. Der Tag endete mit informellen Gesprächen im gemütlichen Beisammensitzen in der Gaststätte.

Am Sonntag lud der NFV zum letzten Aufgalopp. Das erste Spiel wurde bereits um 10 Uhr angepfiffen, sodass die Schiedsrichter im Morgentau den Platz betraten. Die Spiele verliefen weiterhin umkämpft und engagiert. Schließlich wollten sich alle Beteiligten von ihrer besten Seite präsentieren. Am Ende setzte sich die Auswahlmannschaft aus Bremen gegen das Team aus Schleswig-Holstein durch und sicherte sich damit verdient den Turniersieg. Die Schiedsrichter waren nach den letzten Spielleitungen kein Thema und konnten beruhigt zur letzten Analyseeinheit aufbrechen. Die Beobachter sahen Fortschritte in den angesprochenen Bereichen Laufwege und persönliche Strafen und gaben den Teilnehmern weitere wertvolle Tipps mit auf den Weg. In der Abschlussrunde wurden die guten, engagierten Spielleitungen sowie die stets positive und angenehme Stimmung in der Gruppe hervorgehoben. Pünktlich um 16 Uhr endete das diesjährige B2-Länderturnier für die Hamburger Schiedsrichter.

An dieser Stelle gilt der Dank Andreas Bandt, Christian Soltow und Norbert Grudzinski, die den Lehrgang durchführten. Unter den Teilnehmern herrschte Konsens, dass jeder individuell für sich etwas gelernt hat, was er für seine nächsten Spielleitungen mitnehmen kann. Selbst wenn bei einer kniffligen Situation alle Entscheidungsmechanismen versagen, reicht es vielleicht, sich zu fragen, was der gesamte Sportplatz nun sehen will. „What football expects“ eben.
Arvid Maiwald, Moorreger SV

Aus dem Nachwuchskader des VSA nahmen teil: Maximilian Rublik, Patrick Hiebert, Federico Krause Torres, Rasmus Renner, Gerhard Ludolph und Arvid Maiwald.