„Wir können noch enger mit den Vereinen zusammenarbeiten“

Der Exot im BSA Pinneberg: Fosite Helgoland

Was machen eigentlich die Schiedsrichter*innen im HFV, wie sind sie organisiert und wie ticken sie? Um Licht ins Dunkel zu bringen, stellen wir hier nach und nach die acht Bezirks-Schiedsrichterausschüsse (BSA) des HFV vor. 

Der nächste in der Reihe ist vor den Toren Hamburgs angesiedelt: der BSA Pinneberg. Aktuell gehören dem BSA Pinneberg 37 Vereine an, alle aus dem Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. 

Dazu zählen: 1. FC Quickborn, FC Elmshorn, Gencler Birligi, Heidgrabener SV, Hetlinger MTV, Holsatia im EMTV, Kickers Halstenbek, Kummerfelder SV, Moorreger SV, Raspo Uetersen, Rellinger FC, SC Ellerau, SC Pinneberg, Spfr. Holm, Spfr. Pinneberg, Spfr. Uetersen, SSV Rantzau, SV Hörnerkirchen, SV HR, SV Lieth, SV Rugenbergen, Tangstedter SV, TBS Pinneberg, TSV Heist, TSV Holm, TSV Seestermühe, TSV Sparrieshoop, TSV Uetersen, TuS Appen, TuS Borstel, TuS Hasloh, TuS Hemdingen, TuS Holstein Quickborn, TV Haseldorf, Union Tornesch, Vfl Pinneberg, Voßloch

Wobei – wenn man es genau nimmt, sind es 38 Vereine, denn mit Fosite Helgoland gehört auch ein Insel-Klub zum Pinneberger Bezirk. „Dieser nimmt jedoch nicht am Spielbetrieb teil. Früher fanden immer Pokalspiele statt und Fosite hatte immer Heimrecht“, erzählt Michael Zibull (Heidgrabener SV), der Obmann des BSA.

Zibulls Beisitzer sind Janik Möller (SV Lieth), Julius Steinhorst (SV Halstenebk/Rellingen) und Andreas Voss (VfL Pinneberg). Dabei übernimmt Andreas Voss seit mehr als 25 Jahren die Aufgaben als Ansetzer – und damit hat er mehr Dienstjahre auf dem Buckel als die anderen drei zusammen! „Voßi“, wie er im BSA genannt wird, hat alle Entwicklungen mitgemacht – von Ansetzungen per Post, über die Einführung des DFBnet, bis hin zur (widerwilligen) Anschaffung eines Smartphones, erzählt Michael Zibull.

Pro Jahr kümmert er sich normalerweise um die Ansetzung von rund 6.000 Spielen, was ungefähr 120 pro Wochenende sind. Davon geht ein Teil an die Vereine, ein großer Teil jedoch auch direkt an die Liga- und Nachwuchsschiedsrichter*innen des BSA Pinneberg. „Um sie direkt zielgerichtet fördern zu können, setzen wir unsere jungen Talente bereits früh direkt über den BSA an“, erklärt Michael Zibull, der als Obmann das Ausweiswesen und die Administration abwickelt. Julius Steinhorst verantwortet die Beobachtungen und Janik Möller übernimmt die Lehrarbeit. Hierzu gehört die Ausbildung neuer Schiedsrichter*innen, was meistens zweimal im Jahr stattfindet, und die Weiterbildung der bestehenden Aktiven auf Lehrveranstaltungen. Janik Möller und Julius Steinhorst führen außerdem den Perspektiv- und Nachwuchskader des BSA und organisieren das Coaching der Talente und die Events.

Aktuell stellt der BSA Pinneberg 364 Schiedsrichter*innen – hauptsächlich männliche. Wie sich die Zahlen nach der Corona-Pandemie entwickeln, kann der BSA noch nicht abschätzen. Das werde auch davon abhängen, wie gut die Obleute ihre Schiedsrichter*innen während und nach der Krise erreichen. „Persönlich gehen wir von etwa 10 Prozent unserer Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen aus, die nach der Corona-Pandemie nicht wieder mit der Schiedsrichterei anfangen“, prognostiziert Zibull, „Wir sind außerdem gespannt, wie die Situation sich bei den Mannschaften zeigt“.

„Leider“, bemerkt Zibull, gebe es nur wenige Frauen. Aktuell kommt man auf zwei junge Frauen, die im Nachwuchskader Frauen- und Jugendspiele pfeifen. Urzsula Wojcik pfeift außerdem in der Frauen-Regionalliga – darauf ist man sehr stolz, erwähnt er. „Grundsätzlich hoffen wir natürlich, dass wir hier in Zukunft noch größeren Zustrom erhalten“, so Zibull weiter. Dabei sei gerade bei den Frauen die Chance auf eine schnelle und erfolgreiche Karriere bei entsprechendem Talent sehr groß.

Mit dem Nachwuchs war der BSA vor Corona sehr zufrieden, was vor allem an dem hohen Engagement der Vereine liege. „Deshalb konnten uns immer wieder hoffnungsvolle Talente vorgestellt werden. So können wir in jedem Jahr viele wichtige Spiele mit jungen, ambitionierten Schiedsrichtern besetzen und sie eng betreuen und coachen, was uns sehr wichtig ist“, erklärt Michael Zibull. Der Zusammenhalt untereinander und die Kommunikation mit den jungen Schiedsrichter*innen sieht der BSA Pinneberg als wichtigen Faktor dafür, dass er in den letzten Jahren viele Unparteiische in den VSA melden konnte. Trotzdem gibt man sich selbstkritisch, denn grundsätzlich gehe natürlich immer noch mehr! „Wir können noch enger mit den Vereinen zusammenarbeiten, um junge Leute, die Bock auf dieses Ehrenamt haben, noch früher abzuholen und in die richtige Richtung zu entwickeln. Denn hier ist ja absehbar, dass es eher weniger, als mehr Interessierte geben wird“, erklärt Michael Zibull.

Aktuell hat der BSA ein aktives Pinneberger Gespann in der Regionalliga: Kevin Rosin von der SV Lieth pfeift hier bereits in der fünften Saison, aktuell an den Seitenlinien unterstützt von den Beisitzern Janik Möller und Julius Steinhorst. Urszula Wojcik, die in der Frauen-Regionalliga pfeift, wird hier regelmäßig von erfahrenen Kolleg*innen aus dem BSA an der Linie unterstützt.

Mit Andre Rosin, Arvid Maiwald und Robert Waigant hat der BSA Pinneberg zudem drei Schiedsrichter in der Landesliga; und mit Kai Rademacher, Lennart Lehmann und Timo Rehder drei Schiedsrichter im Nachwuchskader des VSA. „Viele der Kollegen haben in kurzer Zeit eine steile Karriere hingelegt“, erzählt Michael Zibull, „Wir sind sehr gespannt, wo die Reise hingeht“.

Wie vielen anderen Akteuren anderen hat die Corona-Pandemie auch dem BSA Pinneberg einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mehrfach im Jahr kommen dort normalerweise die Liga- und Nachwuchsschiedsrichter*innen zu gemeinsamen Lehrabenden oder Lehrgängen zusammen. Das gesellige Miteinander und das Teilen von Erfahrungen stehen dort im Vordergrund – eigentlich, denn das fehlt momentan natürlich. Um den Lerneffekt zu steigern, werden meistens Videos von eigenen Spielen der BSA-Schiedsrichter*innen genutzt, berichtet Michael Zibull. Außerdem gibt es zu Beginn des Jahres normalerweise einen gemeinsamen Qualifizierungs-Lehrgang mit dem BSA Alster, um die eigenen Talente auf den Schritt in den VSA vorzubereiten.

„Während der Corona-Zeit haben wir das Angebot deutlich reduziert. Denn in Zeiten, in denen die Schiedsrichter nicht auf den Platz können, war die Nachfrage nicht gegeben“, erklärt Zibull. Alle paar Monate bieten sie nun einen Austausch per Videokonferenz an mit gemeinsamer Analyse einiger spannender Szenen aus der Bundesliga.

Ein gemeinsames Training für die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter im BSA Pinneberg gibt es – wie in anderen Bezirken üblich – nicht, stattdessen gilt es, sich eigenständig fitzuhalten. Das sei der großen Fläche des Bezirkes geschuldet, erklärt Zibull. „Da würden Aufwand und Nutzen nicht immer im Verhältnis stehen. Deshalb verlassen wir uns auf die Eigenverantwortung unserer Schiedsrichter, fit auf dem Platz zu stehen“.

An gemeinsamen Aktivitäten mangelt es den Pinnebergern trotzdem nicht: Mit dem Nachwuchs gibt es normalerweise regelmäßig Veranstaltungen, bei denen der Spaß im Vordergrund steht. „Zuletzt waren wir gemeinsam Kegeln und Essen, was zum Kennenlernen optimal war“, erzählt Zibull, „Hier konnte man entspannt hinterher noch eine gemeinsame Videoanalyse eines Spiels einschieben, ohne, dass der Abend zu formal war“. Mit den Beobachtern wurde auch schon mal beim Krimi-Dinner in der Speicherstadt gerätselt oder beim Koch-Event die kulinarische Landkarte erweitert. 
Gemeinsame Grillabende am Saisonende gehören genauso dazu wie ein Weihnachtsbuffet in der letzten Sitzung im Dezember, zu dem die Obleute und Liga-Schiedsrichter*innen eingeladen sind. Naheliegend also, dass man auch im BSA Pinneberg dem Zeitpunkt entgegensehnt, ab dem das alles wieder möglich ist.
[Text: Jana Münnig]

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