Otto Stange und Pauline Zeidler im Interview

Zwei besondere Talente, zwei beeindruckende noch junge Karrieren: Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) hat in diesem Jahr auf dem HFV-Jahresempfang am 19.09.2025 Pauline Zeidler und Otto Stange (beide HSV) als Jugendspielerin und Jugendspieler des Jahres 2025 ausgezeichnet. Im Interview berichten die beiden Hamburger Nachwuchsspieler*innen von ihren bisherigen Karrieren, prägenden Momente und Erfahrungen.
Pauline Zeidler ist 18 Jahre alt und spielt für die 2. Frauen des HSV in der Regionalliga Nord. Ihr Weg führte sie vom Heimatverein Lemsahler SV über den SV Glashütte, wo sie von 2021 bis 2023 spielte, schließlich zum HSV, wo sie sich zu einer festen Größe im Team entwickelt hat. Genau wie bei Otto Stange, führte auch ihr Weg durch die HFV-Auswahl – dort stand sie 20-mal für Hamburg auf dem Platz.
Mit seinen ebenfalls 18 Jahren hat Otto Stange bereits eine bemerkenswerte Entwicklung genommen – nicht nur HSV-Fans erinnern sich an seine ersten Einsätze bei den Profis und seine ersten Tore in der 2. Liga. Seine ersten Schritte machte Otto beim SC Victoria, ehe es ihn über den Eimsbütteler TV in der U16 zum HSV zog. Dort schaffte er den Sprung aus der zweiten Mannschaft bis in den Profikader, kommt mittlerweile auf 14 Einsätze und zwei Tore in der 2. Bundesliga. Mit dem SV Elversberg greift der gebürtige Hamburger dort auch in der aktuellen Saison an. Auch dem DFB ist sein Name ein Begriff: In den U16- und U18-Nationalteams kommt er bisher auf 24 Einsätze und sechs Tore – und will mit der U19 zur EM nach Wales.

HFV: Hallo Pauline, hallo Otto! Wer war euer erster Trainer bzw. erste Trainerin und wie seid ihr zum Fußball gekommen?
Pauline Zeidler: Ich habe als Kind immer gekickt, aber es gab leider keine Mädchenmannschaft bei uns. Mit vier Jahren habe ich beim Lemsahler SV angefangen, im Verein Fußball zu spielen. Mein erster Trainer Ulf Ahrens hat meine Leidenschaft für den Fußball so richtig geweckt.
Otto Stange: Phil Nabaoui war mein erster Trainer beim SC Victoria Hamburg. Ich habe als Kind viele Hobbies ausprobiert, war beim Fußball zu Beginn sogar eine lange Zeit parallel Torwart. Ich habe einfach aus Spaß gespielt. Lange Zeit liefen Skateboarden und Fußball parallel bei mir.
Wie hat sich eure Spielposition in den vergangenen Jahren entwickelt?
Pauline: Erst war ich in der Verteidigung. Heute spiele ich als zentrale Mittelfeldspielerin auf der sechs oder acht.
Otto: Ich war zwischendurch auch Torwart und sogar beim HSV im Perspektivteam Torhüter. Dann wurde mir der Rat gegeben, mich auf eine Sache zu konzentrieren – und ich habe mich in der U13 darauf fokussiert, Stürmer zu werden. Mittlerweile kann ich auch Außen oder als 10er spielen – ich bin aber vor allem Stürmer. Eine klare 9 bin ich bisher noch nicht – mir gefällt es einfach sehr, den Ball zu berühren und am Spiel teilzunehmen, weshalb ich mich auch gerne fallen lasse, um dann wieder in die Tiefe zu starten.
Was habt ihr in den zurückliegenden Jahren gelernt?
Otto: Geduldig zu sein. Im Fußball geht nicht alles immer so schnell, wie man es selbst möchte. Insbesondere seitdem ich Profi bin, habe ich das gemerkt. Geduld und Arbeit zu kombinieren – das zu lernen ist am wichtigsten! Dabei ist es wichtig, individuell an den Sachen zu arbeiten, an denen es im Moment noch hakt – um die Zeit zu nutzen. Ich habe beispielsweise in der Jugend nicht so viel in meine Körperstabilität investiert. Als ich dann zu den Profis gekommen bin, hat mich ein Mitspieler einmal im Duell komplett weggecheckt – da habe ich gemerkt, dass ich auch körperlich zulegen muss. Vorher hatte ich in diesen Bereich einfach noch nicht so viel investiert.
Pauline: Ich habe gelernt, nie aufzugeben, immer weiterzumachen. Die Ruhe im Spiel zu behalten und Entscheidungen zu treffen.
Welche Bedeutung hatte die HFV-Auswahl an eurer Entwicklung?
Pauline: Die Auswahl hat eine große Bedeutung, vor allem meine damalige Trainerin Magdalena Schiefer. Das war eine wichtige Phase für mich, ich habe immer mit Spaß und Freude agiert. Es war mir immer eine Ehre, für die HFV-Auswahl aufzulaufen.

Otto: Ich habe bei der Auswahl viel Selbstvertrauen bekommen und fand die Zeit extrem gut. Durch die Auswahl bin ich nach dem U15-Turnier in Duisburg auch in die Nationalmannschaft gekommen. Ich habe beim HFV viel Spielfreude gehabt und es genossen zu spielen. Das Selbstvertrauen und die Spielfreude haben mir auch beim HSV sehr geholfen – insbesondere durch das freie Fußballspielen ohne groß nachzudenken.
An welche Momente mit der HFV-Auswahl erinnert ihr euch besonders gerne zurück?
Otto: Auf jeden Fall an den Ländervergleich der U15-Junioren in Duisburg. Insbesondere mit dem Team war es extrem lustig – und die Spiele waren sehr gut. Auch der Vergleich mit Westfalen hat mir gut gefallen. Die Gegner waren alle etwas größer und stärker als wir – es war das erste Mal, dass ich mich mit richtig guten NLZ-Spielern messen konnte. Diese Herausforderung hat mir sehr gefallen.
Welchen Tipp habt ihr für Nachwuchsspieler und -spielerinnen, welche Techniken im Top-Segment von Bedeutung sind?
Pauline: Der erste Kontakt, Präzision beim Passen und Torschüsse.
Otto: Das Allerwichtigste ist immer, den Spaß am Fußball zu behalten. Wenn der Punkt kommt, dass es keinen Spaß mehr macht, ist das nicht so gut. Man benötigt immer Lust aufs Training und Freude daran zu haben, Dinge extra zu machen. Die Stärken, die man hat, sollte man noch weiter ausprägen, als Argument für den Trainer, mich unbedingt aufzustellen.
Was sind eure persönlichen Stärken im Spiel?
Pauline: Zweikampfführung, der Wille, den Ball gewinnen zu wollen, und der Zug vorwärts in der Umschaltbewegung.
Otto: Ich bin zielstrebig zum Tor. Auch mein „Schlangendribbling“ und meine Abschlussstärke mit beiden Füßen sind meine X-Faktoren.
Wie wichtig ist euch Teamgeist?
Pauline: Zusammenhalt und Teamgeist sind mir sehr wichtig, denn nur so funktionieren Teams.
Otto: Ohne das Team funktioniert im Fußball gar nichts. Es ist extrem wichtig, dass man sich auf seine Mitspieler im Team verlassen kann.
Was war für Euren sportlichen Werdegang der entscheidende Impuls?
Otto: Das ist eine gute Frage. Ich würde zwei Momente hervorheben: Als in der U15 ein Freund von mir zum HSV gewechselt – da dachte ich mir, da muss ich auch unbedingt hin. Im Nachhinein sagen mir manche Trainer, dass ich ab diesem Zeitpunkt etwas mehr Gas gegeben habe. Ein anderer Moment hat etwas mit der Auswahl zu tun: Im Winter in der U15 hatte ich beim HFV-Training meine Schienbeinschoner vergessen anzuziehen. Da es in dem Training nicht meine erste „Aktion“ war, hat mich der Trainer nach Hause geschickt. Wir waren kurz vor dem Vergleich mit Berlin – das Timing war sehr ungünstig für mich. Ich durfte den Vergleich glücklicherweise am Ende doch noch spielen. Dieser Moment hat mir sehr geholfen, mich zukünftig besser zu strukturieren.
Pauline: 2022 hatte ich einen Kreuzbandriss, da ist viel bei mir zerbrochen. Doch die Anfrage des HSV und die Unterstützung, die ich in dieser schwierigen Zeit erfahren habe, hat mich sehr motiviert und geprägt.

schoss Otto Stange zwei Tore – Foto HSV

Du hattest in deiner Jugendzeit mit Verletzungen zu kämpfen, Pauline. Was hat dir geholfen diese Zeit gut zu überstehen?
Pauline: Vor allem meine Familie und Freunde. Ich habe in diesen Phasen sehr gute Begleitung erfahren. Aber auch ein positives Mindset, mich nicht runterziehen zu lassen, hat mir sehr geholfen.
Vor was sollten sich talentierte Spielerinnen und Spieler am meisten schützen, um Erfolg zu haben?
Pauline: Man sollte den Kopf ausschalten, die Risikovermeidung zur Seite legen und das spielen, was man kann!
Otto: Mir hilft meine Klarheit dabei, mich auf mein Ziel zu fokussieren. Ich habe in den letzten Jahren immer mehr gemerkt, wie wichtig Schlaf und Erholung ist – das bedeutet auch, dass ich eben nicht wie andere aus meinem Freundeskreis aus Jugendtagen Feiern gehen kann. Dafür ist mir der Fußball zu wichtig.
Was habt ihr am Umgang mit euch von Seiten der Trainer*innen am meisten schätzen gelernt?
Otto: Für mich war es sehr gut, dass mir in der Jugend nicht so viel gesagt wurde, was ich auf dem Platz machen sollte. Diese Freiheit hat mir dabei geholfen zu merken, wann es besser ist, ins Dribbling zu gehen und wann nicht. Das hat mir geholfen, meine Freude zu behalten und viel Spaß zu entwickeln auf dem Platz.
Pauline: Meine Trainer waren immer eine konstante Unterstützung, sie haben den Menschen hinter der Spielerin gesehen und mich als Spielerin verbessert.

beim HFV-Jahresempfang als Jugendspielerin des Jahres 2025 an Pauline Zeidler – Foto Witters
Mit welchen Stärken wird ein talentierter Spieler oder eine talentierte Spielerin heute Spieler bzw. Spielerin in der 2. Bundesliga, Bundesliga oder U-Nationalmannschaft?
Otto: Du musst etwas Besonderes haben, woran der Trainer die Fantasie bekommt, das fördern zu wollen. Dafür braucht man eine Eigenschaft, die besonders herausragt – einen besonderen X-Faktor.
Pauline: Am wichtigsten sind aus meiner Sicht mentale Stärke und die Präsenz auf dem Platz. Es ist wichtig, als Führungsspielerin mit den eigenen Qualitäten auffallend zu agieren.
Was ist dein nächstes Ziel?
Otto: Ich möchte so viele Pflichtspielminuten im Profibereich sammeln, wie es geht – und dabei so viele Tore schießen und Vorlagen geben, wie möglich. Außerdem steht mit dem DFB die Qualifikation für die U19-EM in Wales an – da möchte ich auch das Maximum mit der Mannschaft erreichen.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für eure Zukunft wünscht der HFV!