Der Vorstand des BSA Harburg. Fotos: BSA Harburg
Mittwoch, 14.07.2021, 09:00 Uhr

Serie: Die Bezirks-Schiedsrichterausschüsse im HFV – der BSA Harburg

„Bunte Mischung aus Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern“

Was machen eigentlich die Schiedsrichter*innen im HFV, wie sind sie organisiert und wie ticken sie? Wir bringen Licht ins Dunkel und stellen nach und nach unsere acht Bezirks-Schiedsrichterausschüsse (BSA) vor. Heute an der Reihe: der südlichste Bezirk des HFV, der BSA Harburg. Wir sprechen mit Obmann André Heinrich über die Besonderheiten seines Bezirks, WhatsApp-Gruppen und legendäre Feiern.


Den BSA am Laufen halten nicht nur die vier Vorstandsmitglieder um Obmann André Heinrich, sondern auch zwei Unterstützer. 

„Im BSA Harburg haben wir bereits unter dem alten Vorstand beschlossen, die Aufgaben, die grundsätzlich und erfahrungsgemäß ja eher mehr, statt weniger werden, auf mehr Schultern zu verteilen, als es unter offiziell vier gewählten Vorstandsmitgliedern möglich ist. So konnten wir auch in diesem Jahr erfolgreich ein Team aus offiziell vier Gewählten und zwei Unterstützern aufstellen“, erzählt André Heinrich.


Das Team des BSA Harburg besteht somit aus Obmann André Heinrich (FSV Harburg-Rönneburg), Lasse Holst (FC Türkiye), Dennis Zwalinna (Harburger TB) und Marko Neuwirth (FSV Harburg-Rönneburg). Unterstützt werden diese vier tatkräftig von Marvin Repke (Harburger TB) und Sören Wilhelm (Grün-Weiß Harburg), die sich hauptsächlich um die Betreuung der Nachwuchsschiedsrichter*innen und die Organisation des Trainings kümmern.

„Eine bunte Mischung im Bezirk“

Furkan Vardar beim DFB Sichtungsturnier (Mitte).

Dass man im Bezirk Harburg eine bunte Mischung aus Schiedsrichtern und Schiedsrichterinnen aus verschiedenen Altersgruppen, Kulturen, Interessen und Talenten habe, berichtet der BSA stolz: „Ob weiblich oder männlich, egal, welche Nationalität – bei uns ist alles dabei. Genau das macht die Aufgabe aber auch so spannend und interessant, weil wir hier natürlich versuchen wollen, so viele individuelle Anforderungen und Bedürfnisse zu berücksichtigen, wie es nur geht“, so Heinrich. Eine der größten Herausforderungen sei es, dabei auf die Interessen der „kleineren“ Vereine genauso einzugehen, wie auf Vereine, die viele Schiedsrichter*innen stellen. Insgesamt 33 Vereine gehören aktuell zum BSA Harburg.

 
Elementarer Bestandteil der Arbeit im Bezirk ist die Lehrarbeit. Mit Dennis Zwalinna kümmert sich ein erfahrener Schiedsrichter mit Erfahrungen aus anderen Landesverbänden, zum Beispiel seiner Zeit als aktiver Schiedsrichter in Lübeck, um die Lehre. „Dies hilft uns, gerade in Zeiten von Corona und damit den leider weiterhin notwendigen, digitalen Veranstaltungen viel Abwechslung in die Themen des Lehrwesens einzubringen“, erzählt Heinrich. Unterstützt wird Zwalinna von Lasse Holst, der als aktueller Schiedsrichter der Regionalliga Nord und A-Junioren Bundesliga noch andere Erfahrungswerte auf NFV- und DFB-Ebene einbringen kann. 

Die Ansetzungen übernimmt André Heinrich zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Obmann. Indem er in den vergangenen Jahren den bisherigen Ansetzer Murat Yilmaz (FC Türkiye) unterstützt hat, konnte er bereits erste Erfahrungen sammeln. „Murat gilt auch weiterhin der Dank für die geleistete Arbeit, genauso wie seinen ehemaligen Vorstandsmitgliedern, Johannes Mayer-Lindenberg (Harburger TB), Marcel Schwarz (FSV Harburg-Rönneburg) und Joscha Tetzlaff (Viktoria Harburg)“, betont André Heinrich.

Zahlen, Daten, Corona, und ein Pilotprojekt

Rund 250 Spiele werden pro Monat während einer „normalen“ Saison im BSA Harburg mit Schiedsrichterinnen, Schiedsrichtern und Schiedsrichterassistent*innen besetzt. Über die tatkräftige Unterstützung der Vereinsobleute freut man sich im BSA Harburg sehr, wenn es um die Besetzung von Jugendspielen geht. Wie in den anderen Bezirken kommen auch in Harburg regelmäßig diverse Umbesetzungen aufgrund spontaner Absagen von Schiedsrichter*innen hinzu.


Marko Neuwirth kümmert sich im BSA um die Bereiche Spielberichte, Passwesen, Statistiken. Als aktiver Vereinsobmann bei der FSV Harburg-Rönneburg kennt er also auch die „andere Seite der Medaille“ bestens. „Mit dem digitalen Schiedsrichterausweis, der vom DFB pünktlich zum Saisonwechsel im DFBNet ausgerollt wurde, kommt hier auch schon die erste größere Herausforderung auf uns zu, der wir uns jetzt in den kommenden Wochen aber bestmöglich wappnen werden“, erzählt Heinrich.

Die Ehrenschiedsrichter des BSA Harburg.

Verantwortlich für den Bereich der Schiedsrichterbeobachtungen ist Lasse Holst. Dabei soll individuell auf die Beobachtungsergebnisse und -fortschritte der einzelnen Schiedsrichter*innen eingegangen werden. „Wir wollen den Beobachtungsbereich weiter ausbauen, um noch mehr Schiedsrichter*innen von den Vorteilen, die eine Beobachtung mit sich bringt, profitieren lassen zu können“, erklärt Heinrich.


Die über 30 Vereine des BSA Harburg stellen aktuell etwa 250 Schiedsrichter*innen, wobei der Anteil der männlichen Schiedsrichter deutlich überwiegt. „Nichtsdestotrotz spielt das Geschlecht, ähnlich wie die Herkunft, Kultur oder auch das Alter bei uns im Bezirk keine Rolle“, so Heinrich. Dabei wirke sich die Corona-Pandemie auch im BSA Harburg auf die Anzahl der Schiedsrichter*innen aus. „Verglichen mit den letzten beiden Jahren erwarten wir definitiv Veränderungen in der Zusammensetzung unserer Schiedsrichter*innen“, sagt Heinrich. Dabei hofft man vor allem, dass möglichst schnell wieder ein Anwärterlehrgang stattfinden kann, um neue Schiedsrichter*innen ausbilden zu können. 

Auf ein eigens initiiertes Pilotprojekt ist der BSA besonders stolz – das wurde aus der Not geboren: „In den vergangenen Jahren mussten wir teilweise am eigenen Leib feststellen, dass die Suche nach Schiedsrichterassistent*innen von Jahr zu Jahr schwieriger wird“, berichtet André Heinrich. „Aufgrund dessen haben wir ein Pilotprojekt gestartet, bei dem wir versuchen, die Assistent*innen den Schiedsrichtern direkt anzusetzen, ohne dass der jeweilige Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin sich erst selbst auf die Suche nach Assistenten begeben muss“.

„Freuen uns über jede einzelne Schiedsrichterin“

Für die Fördergruppe stehen regelmäßig Lehrgänge an, hier in Verden 2019.

Wie in anderen Bezirken macht der geringe Frauenanteil auch dem BSA Harburg Sorgen. Dabei möchte man den potenziellen weiblichen Nachwuchs unbedingt ermutigen: „Wir freuen uns über jede einzelne Schiedsrichterin, die sich unserem Bezirk anschließen möchte, und über jede Anwärterin, die wir auf einem unserer zukünftigen Anwärterlehrgänge begrüßen dürfen“, appelliert Heinrich. Dabei verweist er als besonders positives Beispiel auf den zum Harburger Bezirk gehörenden 1. FFC Wilhelmsburg, der ausschließlich im Frauen- und Mädchen-Bereich am Spielbetrieb teilnimmt.


Um den gesamten Schiedsrichter*innen-Nachwuchs zu unterstützen, wurde vor Jahren bereits eine Fördergruppe im BSA Harburg gegründet. „Dort finden alle jungen Schiedsrichter*innen Platz, die sich für ihr Hobby eine besondere Förderung wünschen“, erzählt Heinrich. Die jungen Schiedsrichter*innen lernen dort außerdem, dass eine erfolgreiche Karriere als Schiedsrichter*in auch an Forderungen seitens des Bezirkes oder später auch der Verbandsschiedsrichterausschüsse gebunden ist. „Die Fördergruppe bietet den Schiedsrichter*innen ein gemeinsames Gruppengefühl. Wir führen hier regelmäßig Veranstaltungen verschiedener Art durch“, erklärt er.

Von Regionalliga und Champions League: Die Schiedsrichter*innen des BSA Harburg

Als Schiedsrichterassistent in der 1. Bundesliga stellt Sascha Thielert sein Talent seit vielen Jahren auf DFB-Ebene erfolgreich unter Beweis. „Wenn ich an bekannte Gesichter im BSA Harburg denke, fällt mir in erster Linie und aufgrund aller Aktualität selbstredend Sascha Thielert vom TSV Buchholz 08 ein“, überlegt Heinrich. „Völlig unverhofft und durch einen glücklichen Zufall“, erinnert er sich, hatte dieser am 11.12.2019 sogar einen Auftritt auf der ganz großen Fußballbühne beim Champions-League-Spiel zwischen den FC Brügge und Real Madrid (1:3).


In der Region Norddeutschland fällt beim BSA Harburg vor allem der Name Murat Yilmaz (FC Türkiye). „Mehr als 10 Jahre war Murat Yilmaz überregional aktiv, sowohl als Schiedsrichter in der Regionalliga, als auch als Schiedsrichterassistent in der 3. Liga“, erzählt Heinrich. Auch im Vorstand des BSA Harburg hat sich Yilmaz viele Jahre um die Ansetzungen der Schiedsrichter*innen gekümmert. Inzwischen hat er die Seite gewechselt und ist heute als Integrationsbeauftragter des HFV neben seinem Ehrenamt als Aktivensprecher der VSA-Schiedsrichter*innen aktiv.

Johannes Mayer-Lindenberg beim Fanfest des HSV 2008, hier HSV gegen Egenbüttel 2.

Thielert und Yilmaz: Zwei bekannte Gesichter unter vielen ambitionierten und engagierten Schiedsrichter*innen. Angefangen bei den ehemaligen Regionalligaschiedsrichter*innen, aktuellen Regionalligaschiedsrichtern oder früheren Assistenten auf DFB-Ebene. „Und dennoch haben sie alle etwas gemeinsam“, so Heinrich. „Sie alle engagieren sich trotz ihrer Zugehörigkeit in nationalen Verbänden weiterhin aktiv im BSA Harburg, wofür wir stets dankbar sind“.
Regelmäßig in der A-Junioren Bundesliga, der höchsten Spielklasse im Juniorenbereich, unterwegs ist Lasse Holst. Seit der Saison 2020/21 pfeift er auch in der Regionalliga Nord. Auch Furkan Vardar von Rot-Weiß Wilhelmsburg ist in der Junioren-Bundesliga unterwegs, allerdings bei den B-Junioren. Als Assistent begleitet er Lasse Holst bei seinen Spielen in der Regionalliga.


Auch Marcel Schwarze konnte bereits seit den frühen 2000er Jahren bei vielen bekannten Schiedsrichtern als Assistent mitwirken. Dazu zählen unter anderem Thorsten Schriever, Norbert Grudzinski, Peter Gagelmann, Babak Rafati oder Patrick Ittrich, erzählt Heinrich. Schwarze selbst war auch überregional als Schiedsrichter im Einsatz.
Ein Testspiel der besonderen Art fand für Johannes Mayer-Lindenberg (Harburger TB) am 26.01.2008 beim Fanfest des Hamburger SV in der damaligen HSH Nordbank Arena (heutiges Volksparkstadion) statt, erinnert sich der Obmann: „Bei der Partie zwischen dem damaligen Bundesligisten HSV und dem SC Egenbüttel (damals Landesliga) konnten sich in der von Huub Stevens trainierten HSV-Mannschaft unter anderem Rafael van der Vaart, Änis Ben-Hatira, David Jarolim und Ivica Olic unter den Torschützen einreihen. Auch diese Herausforderung stellte Johannes – wie heute noch die Partien der Oberliga Hamburg – dank seiner Souveränität und Erfahrung vor keine größeren Herausforderungen“.

Training & Spaß für alle

Sascha Thielert bei seinem Champions League-Einsatz.

Ob alter Hase oder junges Talent: Für alle Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen bietet der BSA außerdem ein wöchentliches Training an – eigentlich, denn wegen Corona war dies bis zuletzt ausgesetzt. Anlaufpunkt unter „normalen“ Bedingungen ist dann die Sporthalle Kerschensteinerstraße (im Sommer) oder der Turnhalle im Hans-Dewitz-Ring (im Winter) im Bezirk Harburg. Für die warmen Sommermonate werde außerdem geplant, das Training nach draußen auf einen der Sportplätze im Bezirk Harburg zu verlegen.
Geleitet wird das Training von Marvin Repke zusammen mit Sören Wilhelm. „Beide sind für ihr junges Alter sehr engagierte Schiedsrichter, was sich auch in ihrer aktuell unterstützenden Tätigkeit im Bezirk widerspiegelt“, freut sich Heinrich. Das Training solle zukünftig auch dafür genutzt werden, gezielt einzelne Bereiche der Schiedsrichterei zu vertiefen wie das Auftreten und Verhalten eines Schiedsrichterassistenten bei verschiedenen Spielsituationen, erklärt Heinrich. 


Besucht sei das Training „mal mehr und mal weniger gut“, erzählt er – wovon das abhängt? „Von den Witterungsbedingungen und dem allgemeinen Gemütszustand unserer Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen“. Belohnungen oder Strafen gebe es für die erfahreneren Hasen im BSA nicht – für die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter der Fördergruppe sei ein zweimaliger Trainingsbesuch pro Monat allerdings Pflicht, um von den Förderungen als Nachwuchsschiedsrichter*in profitieren zu können. Daneben stehe natürlich aber auch der Spaß im Vordergrund, zum Beispiel bei gemeinsamen Veranstaltungen, wie Kartfahren in Bispingen oder einem Wochenendlehrgang samt Besuch eines Bundesligaspiels. 

100 Jahre BSA Harburg

Apropos Spaß: Vor zwei Jahren feierte der BSA Harburg sein 100-jähriges Jubiläum mit seinen Schiedsrichtern und Schiedsrichterinnen und vielen Gästen aus dem Hamburger Schiedsrichterbereich. „Das war ein hervorragendes Fest im Landhaus Jägerhof“, erinnert sich Heinrich. Vor allem einem mag der Abend in guter Erinnerung geblieben sein: Manfred von Soosten (FSV Harburg-Rönneburg). „Wir nahmen die Veranstaltung als Anlass, um einen unserer größten Schiedsrichter im Bezirk, Manfred „Manni“ von Soosten in die Riege unserer Ehrenschiedsrichter aufzunehmen“, erzählt Heinrich. „Zusammen mit Günther „Paule“ Falk (Bostelbeker SV), Jürgen Borbet (SV Grün-Weiss Harburg) und Erhard Titze (FSV Harburg-Rönneburg)“.

Von Lehrabenden und legendären Weihnachtsfeiern

Lehrabende gehören natürlich auch zum monatlichen Repertoire des BSA – eigentlich. So auch zweimal jährlich ein Anwärterlehrgang für neue Schiedsrichter*innen und regelmäßige Beobachterlehrgänge und Patenschulungen. In der Sommerpause steht zudem normalerweise ein Sommerlehrgang für Liga- und Fördergruppen-Schiedsrichter*innen auf dem Programm. „In den vergangenen Jahren konnten wir hierfür beispielsweise das Gewaltpräventionsteam des Hamburger Fußballverbands für einen Gastvortrag gewinnen“, berichtet Heinrich.
Corona hat auch im Bezirk Harburg alles ins Digitale verlagert: Sämtliche Lehrgänge, Lehrabende oder Obleute-Sitzungen finden seit der Pandemie als Online-Konferenzen statt – „Wobei wir natürlich sehnlichst auf den Tag hoffen, an dem wir unsere Schiedsrichter*innen endlich wieder zur ersten Präsenzveranstaltung nach Corona begrüßen dürfen“, betont Heinrich.

Jedes Spiel ein Selfie: Ein Foto das zum Ritual geworden ist.

Die „legendäre Weihnachtsfeier, unsere Grilltreffen im Sommer, die Ehrungen im BSA Harburg, verschiedene Präsenzveranstaltungen, Lehrgänge, Ausflüge mit der Fördergruppe, Besuche von Bundesligaspielen, das gemeinsame Beobachten von unseren Schiedsrichtern, und, und, und“ – André Heinrichs Liste ist lang. All das vermissen die Mitglieder des BSA Harburg gerade schmerzlich. 


Ein Grund, mal in noch so banalen und kleinen Erinnerungen an „normale“ Zeiten zu schwelgen: „Vor einigen Jahren haben ein paar unserer Schiedsrichter damit begonnen, in unseren WhatsApp-Gruppen immer wieder Selfies von ihren Gespannen vor den Spielen mit den anderen Schiedsrichtern zu teilen. Daraus hat sich mittlerweile eine solche Dynamik ergeben, dass man sich an einem normalen Spielbetrieb am Wochenende manchmal vor lauter Bildern nicht mehr retten kann“, erzählt Heinrich und freut sich wahrscheinlich umso mehr, wenn ihn diese Flut an Bildern endlich wieder erreicht.