Keine Generalabsage für das kommende Wochenende - Heiko Arlt über die Beweggründe

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Der Hamburger Fußball-Verband hat entschieden für das kommende Wochenende keine Generalabsage für den Feldspielbetrieb auszusprechen. Hierzu haben wir mit Heiko Arlt (Teamleiter Spielbetrieb im HFV) ein Interview geführt, indem er die Beweggründe für die Entscheidung erklärt.

hfv.de: Heiko, draußen sind Temperaturen um den Gefrierpunkt. Warum gibt es keine Generalabsage für Feldspiele? 
Heiko Arlt: Allein die Temperaturen sind nicht entscheidend dafür, ob Spiele stattfinden können. Im Vergleich zum letzten Wochenende liegt deutlich weniger Schnee auf den Plätzen, sodass viele Sportanlagen wieder bespielbar sind. Am Wochenende 22./23.11.25 hatten wir ähnliche Temperaturen, und dennoch konnten mehr als 60 % der Spiele durchgeführt werden. 

In der Begründung der letzten Woche stand, dass der Ausfall aufgrund der mangelnden Trainingsmöglichkeit erfolgt ist. Was ist nun anders? 
Da der Schnee größtenteils geschmolzen ist, konnten viele Mannschaften in dieser Woche den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. 

Dennoch sind die Plätze teilweise sehr hart und gefroren, ist das nicht genauso ein Grund für eine Absage? 
Wenn durch die Platzbeschaffenheit eine Gefahr für Spielerinnen und Spieler besteht und/oder der Spielbetrieb nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden kann, ist das selbstverständlich ein Grund für eine Absage. Da die Bedingungen je nach Sportanlage und Tageszeit jedoch sehr unterschiedlich sein können, trifft dies nicht überall in gleicher Weise zu. Für uns ergibt eine Generalabsage nur dann Sinn, wenn erkennbar ist, dass der größte Anteil der Spiele voraussichtlich ausfallen wird. Dies sehen wir aktuell nicht als zwangsweise gegeben. 
 
Wie kann eine Absage eines Pflichtspiels erfolgen, wenn der Platz unbespielbar ist? 
Die Absage erfolgt im DFBnet, indem in der Ergebniseingabe „Ausfall” eingetragen wird. Dadurch wird sofort eine Benachrichtigung an alle Beteiligten versendet. 

Ein Ausfall kann aus zwei Gründen erfolgen: 

  1. Schutz der Platzdecke 
    Besteht die Gefahr, dass der Platz durch eine Nutzung beschädigt wird, entscheiden die Eigentümer der Anlage – also Städte, Gemeinden oder Bezirksämter – über die Bespielbarkeit. Diese Befugnis kann auch an Platzwart*innen delegiert sein. Bei vereinseigenen Anlagen entscheiden die neutralen Platzobleute. 
  1. Gefahr für die Aktiven oder mangelnde Durchführbarkeit 
    Wenn der Platz für die Spieler*innen zu gefährlich ist und/oder ein regulärer Spielbetrieb nicht möglich erscheint, trifft allein der Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin die Entscheidung. 
    Sollten an einem Tag mehrere Spiele auf derselben Anlage stattfinden, muss nicht jeder angesetzte Schiedsrichter bzw. jede angesetzte Schiedsrichterin einzeln entscheiden. Auf Wunsch des Heimvereins kann der Schiedsrichter bzw. die Schiedsrichterin des spielklassenhöchsten Spiels die Sportanlage vor dem ersten angesetzten Spiel – oder bereits am Vorabend – prüfen und alle Spiele für den jeweiligen Kalendertag absagen. 

Was ist mit Mannschaften, die noch immer nicht trainieren können, weil der Platz zu sehr gefroren ist? 
Das ist natürlich ungünstig. Durch alternative Trainingsmöglichkeiten – etwa in Soccer-Hallen – lässt sich das auch leider nur bedingt auffangen. Dennoch empfehlen wir natürlich, sich durch alternative Sportmöglichkeiten fit zu halten.  

Auch wenn das für das kommende Wochenende keine Abhilfe mehr schafft, können zukünftige Spiele auf Antrag verlegt werden, wenn eine Mannschaft der Meinung ist, nicht ausreichend trainieren zu können. Dafür ist jedoch die Einigung mit dem Gegner auf einen neuen Termin notwendig. 
 
Ist das nicht Wettbewerbsverzerrung, wenn eine Mannschaft spielen muss, die noch nicht trainieren konnte? 
Auf den ersten Blick könnte man diesen Eindruck gewinnen. Allerdings sollten wir bei allem sportlichen Ehrgeiz immer noch bedenken, dass wir uns im Amateurfußball befinden und der allgemeine Auftrag der Vereine ist es, Menschen Sport zu ermöglichen. Es lässt sich kaum verlässlich messen, ob eine Trainingseinheit mehr oder weniger wirklich einen spürbaren Wettbewerbsvorteil darstellt. Dazu möchte ich auch darauf hinweisen, dass es trotz vieler Kunstrasenplätze immer noch Vereine gibt, die ausschließlich Rasen- und/oder Grandplätze besitzen und bei langanhaltenden Regenperioden können diese gegenüber den Vereinen mit Kunstrasen zusätzlich für diese Zeit ebenfalls nicht trainieren und müssen Pflichtspiele bestreiten. Es gibt immer Situationen, in denen einzelne Mannschaften keine Trainingsmöglichkeit haben – dies kann aus organisatorischer Sicht aber nie dazu führen, dass wir deswegen alle Spiele absagen. 
 
Warum können nicht einfach alle Spiele verschoben werden? 
Diese Frage lässt sich am besten mit einer Gegenfrage beantworten: Wie weit sollen wir die Spiele schieben? 
 
Das Spieljahr hat einen klar festgelegten Rahmen. In einigen Spielklassen müssen wir bestimmte Termine einhalten, da auf überregionaler Ebene weitere Wettbewerbe folgen. Es gibt also nur einen begrenzten Zeitraum für die Spiele. 
 
Hinzu kommt: Die Wetterprognosen der nächsten Wochen geben uns keine Garantie, dass wir den Schnee für dieses Spieljahr hinter uns haben. Was passiert, wenn im Februar oder März erneut Schneefälle auftreten? Da niemand von uns in die Zukunft sehen kann, müssen wir jede Möglichkeit nutzen, Spiele wie geplant durchzuführen. 

Vielen Dank Heiko!