Mato Mitrovics Hamburger Dienstleistungsunternehmen hat unter anderem Winterdienst im Angebot, Hausmeisterservice, Gartenpflege, Parkhausreinigung – Mediation aber noch nicht. Dabei wäre der Chef dafür prädestiniert. Mitrovic kann vermitteln, Kompromisse eingehen und beharrt nicht stur auf seinem Recht. Das stellt der Trainer und 1. Vorsitzende des FC Bergedorf 85 jedes Wochenende am Spielfeldrand unter Beweis. „Wenn man etwas vermeiden kann, dann mache ich das“, sagt Mitrovic.
Im Regionalliga-Spiel seiner Frauen-Mannschaft gegen SV Wüsting-Altmoorhausen vermied Mitrovic vor allem Diskussionen mit der Schiedsrichterin. „So etwas gibt es bei mir nicht, das ist für mich ein rotes Tuch“, sagt Mitrovic, der aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein stammt. Seit 15 Jahren ist er Fußball-Trainer, er könne sich aber an keine Auseinandersetzung mit einem Schiedsrichter erinnern. Die Spielleiter sind für ihn Respektspersonen, die mit ihren Entscheidungen nicht immer richtig liegen. Aber Fingerspitzengefühl gehört für Mitrovic nicht nur zur nötigen Grundausstattung des Schiedsrichters, sondern auch zu der des Trainers.
So hatte Schiedsrichterin Sarah Willms gegen Wüsting-Altmoorhausen den Bergedorfern einen Elfmeter verweigert. Aufgebracht protestierten die Spielerinnen. Aber Mitrovic pfiff sie zurück und wirkte deeskalierend. „Ruhe, alles okay, akzeptiert die Entscheidung“, habe er gerufen, erinnert sich Mitrovic. Natürlich sei das ein Elfmeter für seine Mannschaft gewesen, „ganz klar“. Aber, sagt Mitrovic: „Ich hätte in dieser Situation auch nicht gepfiffen.“ Sein Team lag schließlich komfortabel mit 5:0 in Vorsprung. Auch als seine Spielerinnen nach einer Notbremse die Rote Karte für die Übeltäterin forderten, wirkte Mitrovic mäßigend. „Ich habe der Schiedsrichterin gesagt, Gelbe Karte, Freistoß und gut ist. Sie ist doch nur ausgerutscht und unglücklich in meine Spielerin hineingefallen.“ In drei weiteren Situationen, als jeweils Spielerinnen aus Wüsting verletzt am Boden lagen, hielt er selbst bei erfolgversprechenden Angriffen die ballführende Spielerin an, den Ball für eine Unterbrechung ins Aus zu spielen.
Mitrovic verhinderte einen Strafstoß und einen Platzverweis für die gegnerische Mannschaft – mit dieser Aktion schaffte es der Unternehmer unter die fünf Bundessieger der DFB-Aktion „Fair ist mehr“. Fairplay fordere er von jedem in seinem Verein. „Das erwarte ich von unseren Jugendspielern, unseren Trainern, von allen“, sagt Mitrovic. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer vereinsinternen Strafe rechnen. „Einmal kann das passieren, beim zweiten Mal muss sich derjenige einen anderen Verein suchen“, sagt Mitrovic. Dank seiner Vermittlung ist es soweit noch nicht gekommen.