Junge Trainerin und Junger Trainer des Jahres 2026 im Interview

Beim HFV-Jahresempfang 2026 wurden Norina Bleick (Hamburger SV) zur Jungen Trainerin des Jahres und Henryk Lixfeld (Altona 93) zum Jungen Trainer des Jahres ausgezeichnet. Im Interview sprechen beide über ihren Weg zum Fußball und ins Traineramt, ihre Ausbildung, Teamführung und die Entwicklung junger Spieler:innen.
HFV: Wie seid ihr zum Fußball gekommen?
Norina Bleick: Über die Schule, da habe ich auf dem Schulhof mit den Jungs gespielt. Freitags habe ich immer im Park gespielt und dann mit acht Jahren angefangen, beim ETV Fußball im Verein zu spielen.
Henryk Lixfeld: Ich bin in den Fußball quasi reingeboren und wurde mit vier Jahren im Verein angemeldet.
HFV: Wer war euer erster Trainer bzw. eure erste Trainerin und welche besondere Erinnerung habt ihr an sie?
Norina Bleick: Meine erste Trainerin war Camilla. Wir haben das Ferienhaus von Camillas Eltern für eine lustige Mannschaftsausfahrt genutzt.
Henryk Lixfeld: Mein erster Trainer bei Altona 93 war Leo. Ich habe ihn als herzlich, väterlich und kindgerecht in Erinnerung.
HFV: Was habt ihr für euch in den zurückliegenden Jahren gelernt?
Norina Bleick: Ich bin selbstkritikfähig geworden und habe viel über Trainingssteuerung und Coaching beim ETV sowie über Teamführung und Spielerinnenführung gelernt.
Henryk Lixfeld: Ich habe Struktur gelernt, Coaching im Training und in Spielen sowie Coaching, das ankommt. Außerdem habe ich einen Blick für Details entwickelt.
HFV: Welche Bedeutung hatte die Trainer*innen-Ausbildung bei HFV für eure Entwicklung?
Norina Bleick: Eine sehr große! Auch weil ich die C- und B-Lizenz dicht aufeinander absolviert habe. Dadurch habe ich ein Gefühl für Training bekommen und Selbstbewusstsein gewonnen.
Henryk Lixfeld: Eine sehr große! Denn in der HFV-Ausbildung sind sehr viele verschiedene Themen integriert.
HFV: Welchen Tipp habt ihr für junge Trainer und Trainerinnen?
Norina Bleick: Keine Scheu davor haben, nach Hilfe zu fragen. Im Moment der Überforderung sollte man im Verein oder bei den Eltern nachfragen. Außerdem sollte man Dinge ausprobieren und die Momente genießen, in denen die Mädchen im Training mit Feuereifer dabei sind.
Henryk Lixfeld: Lernwillig sein und alle Inhalte mitnehmen, die man mitnehmen kann.
HFV: Präferierst ihr ein Spielsystem oder eine Grundordnung?
Norina Bleick: Auf dem 11er-Feld bevorzuge ich ein 4:3:3, flexibel für diverse weitere Grundordnungen.
Henryk Lixfeld: Auf dem 11er-Feld bzw. Großfeld ist meine Präferenz ein 4:1:4:1 und auf dem Kleinfeld ein 1:2:1:3:1.
HFV: Welche Fähigkeit der Trainerin bzw. des Trainers ist von großer Bedeutung?
Noria Bleick: Es gibt viele wichtige Bereiche: Empathie, ein sich ergänzendes Trainerteam, fachliche Kompetenzen und Teamführung.
Henryk Lixfeld: Kontrollierte Emotionen finde ich super wichtig.
HFV: Was sind eure persönliche Stärken als Trainer und Trainerin?
Norina Bleick: Meine Stärke liegt im Eins-zu-Eins mit den Spielerinnen und im inhaltlichen Coaching. Ich bin eine Menschenfängerin, mitreißend und authentisch und brenne selbst für die Sache.
Henryk Lixfeld: Kontrollierte Emotionen und ein geringes Ego, wodurch ich gegenüber Feedback und Kritik aufgeschlossen bin.
HFV: Wie wichtig ist euch Teamgeist?
Norina Bleick: Sehr wichtig. Ich habe ihn schon als Spielerin als wichtigen Faktor erlebt und lege darauf einen großen Wert.
Henryk Lixfeld: Das ist mir auch sehr wichtig. Neben der individuellen Entwicklung von Spielern sollte man den Teamgedanken vorwegschalten.
HFV: Wie wichtig sind euch Spaß und Freude der Spieler*innen und wie erzeugt ihr sie?
Norina Bleick: Das ist das Wichtigste! Viel geht über Wettkampf und individuelle Erfolgsmomente sowie über gemeinsames Feiern und Jubeln.
Henryk Lixfeld: Für mich auch das Wichtigste! Im semi-ambitionierten Bereich geht es darum, darüber mitzuwachsen – mit viel Miteinander und Wettkampf.
HFV: Was war für euren sportlichen Werdegang der entscheidende Impuls?
Norina Bleick: Nach der B-Lizenz bin ich als Mädchen-Stützpunkttrainerin in Hessen eingestiegen und habe dann wieder die Mädchen trainiert.
Henryk Lixfeld: Das Jungtrainerprogramm von Lewe Timm bei Altona 93 war der entscheidende Impuls für mich.
HFV: Vor was sollten sich talentierte Spielerinnen und Spieler am meisten schützen, um Erfolg zu haben?
Norina Bleick: Ausruhen auf dem Talent ist die Gefahr. Man sollte weiter diszipliniert arbeiten und Vorsicht vor dem Gefühl haben, etwas geschafft zu haben. Beharrlich weiter dranzubleiben, ist wichtig.
HFV: Wie können sich Spieler und Spielerinnen am besten vor Verletzungen schützen?
Norina Bleick: Durch athletische Programme für die Prophylaxe, die man auch konsequent umsetzen und als Routine etablieren sollte. Außerdem sollte man Phasen der Überlastung kommunizieren.
HFV: Welchen Mehrwert erhält man eigentlich aus seiner Tätigkeit als Trainer*in?
Norina Bleick: Sich mit sich selbst zu befassen und sich zu reflektieren – zu lernen. Man entwickelt Resilienz und lernt, Konflikte und Druck zu leben und zu bestehen.
Henryk Lixfeld: Das erlebte Miteinander, der gemeinsame Austausch sowie Spaß, Leidenschaft und Ehrgeiz sind für mich der größte Mehrwert aus meiner Tätigkeit als Trainer.
HFV: Was wäre noch wichtig für die Vereine und den Verband, um bessere Bedingungen für talentierte Trainer*innen zu schaffen?
Norina Bleick: Bessere Bedingungen, finanziell und auch bei der Teilnahme an den Trainerlizenzen zu schaffen.
Henryk Lixfeld: Ansprechpersonen im hauptamtlichen Bereich, die Förderung von Lizenzen sowie Ermutigung und Finanzierung. Dazu gehört auch die Bereitstellung von Material, zum Beispiel variable Tore und Torgrößen im Verein, sowie eine entsprechende Infrastruktur.
HFV: Wie wichtig schätzt ihr eure Erfahrungen als Spieler und Spielerin für den Trainer*innen-Job ein?
Norina Bleick: Wichtig. Theoretisch ist es auch ohne möglich, aber Situationen können besser eingeschätzt werden und man kann das Gefühl für das Spiel bewahren.
Henryk Lixfeld: Sehr viel, und zwar in beide Richtungen gedacht. Die Erfahrungen als Spieler helfen mir bei meiner Arbeit als Trainer, gleichzeitig beeinflusst meine Tätigkeit als Trainer auch meine Sichtweise auf das eigene Spiel.
HFV: Vielen Dank für die Einblicke, weiterhin viel Spaß am Coaching und alles Gute für eure Wege!
Mehr über den Weg der zwei jungen Trainer*innen-Talente gibt es hier.