„Junge Trainerin des Jahres“ – Preisträgerin Kim Falter im Interview

Kim Falter (lks.) mit Laudatorin und HFV-Verbandstrainerin Magdalena Schiefer – Foto Gettschat

24 Jahre ist sie erst alt, aber beim Hamburger SV macht sie einen großartigen Job als Co-Trainerin der 1. B-Mädchen. Dass sie mit den B-Juniorinnen 2022 den deutschen Meistertitel sicherte, ist für sie die Krönung einer bisher sehr erfolgreichen Trainerinnen-Laufbahn. Mit den HSV-Mädels holte sie 2020 und 2022 die Norddeutsche Staffelmeisterschaft, 2019 die Deutsche Futsal-Meisterschaft, und durfte sich seit 2018 dreimal Pokalsiegerin nennen. Mit ihren Erfolgen als Spielerin könnte diese Liste der gebürtigen Quickbornerin fortgeführt werden. Das große Engagement, Können und Herzblut, das sie in ihrem jungen Alter als Trainerin an den Tag legt, begeisterte auch den HFV.

Am 29. August 2022 wurde Kim Falter beim 14. Jahresempfang des Hamburger Fußball-Verbandes als „Junge Trainerin des Jahres“ ausgezeichnet. Erstmalig wurde dieser Preis vom HFV vergeben. Wir haben bei Kim nachgefragt: Wie tickt sie? Was treibt sie an als Trainerin? Und wie ist es als junge Frau an der Seitenlinie?

Wie bist Du zum Fußball gekommen?

Durch meinen Bruder und die Wohnsiedlung. Da wurde immer Fußball gespielt. Und dann bin ich mit den Jungs der Wohnsiedlung auch in den Verein mitgelaufen.

HFV: Wer war Deine erste*r Trainer*in und welche besondere Erinnerung hast Du an sie bzw. ihn?

Kim Falter: Im Kinderbereich habe ich leider nicht mehr die großen Erinnerungen, aber ich erinnere mich gerne an Jasko Mahmutovic (HSV B). Er hatte einen konkreten Plan und in mir das erste Mal die Neugierde an taktischen Inhalten geweckt. Im Nachhinein wurde auch da der erste Grundstein für mein Trainerin-Dasein gelegt, weil er mich als Kapitänin auch sehr viel mitgenommen hat.

HFV: Was hast Du für Dich in den zurückliegenden Jahren gelernt?

Kim Falter: Zunächst würde ich sagen, dass ich gelernt habe, dass hinter jeder Spielerin ein Mensch mit individuellen Erfahrungen und Bedürfnissen steht. Als Trainerin kommt man nur gemeinsam zum Erfolg. Sich nicht sich selbst in den Vordergrund zu bringen, sondern auch Stärken und Kompetenzen aller Einzelnen, Spielerinnen und dem Staff-Team, zu bündeln. Dementsprechend muss man alle Teammitglieder mitnehmen und auch ihre eigene Identität schaffen lassen. Mir ist es extrem wichtig, dass ich dem Team nicht etwas vorgebe, was es nicht selbst fühlt, sondern dass unsere Ideen gemeinsam kreiert werden. Dafür braucht es eine verbindliche Kommunikation, die auch dann ehrlich und hart ausfallen kann, aber letztendlich fairer und erfolgsversprechender ist.

Mein dritter Lernpunkt ist, dass man selber nicht fehlerfrei ist und auch von anderen Hilfe erbitten kann, und die Selbstreflexion der Trainerin nicht zu kurz kommen darf. Auch wir sind nicht unantastbar.

HFV: Welche Bedeutung hatte die HFV Ausbildung bzw. Trainerin-Ausbildung an Deiner Entwicklung?

Kim Falter: Meine Persönlichkeitsentwicklung war sehr groß, auch sehr herausfordernd, aber durch diese habe ich mich extrem weiter entwickeln können.  Vor allem in der B-Lizenz konnte ich auch auf der inhaltlichen Ebene sehr profitieren. Ein weiterer großer Vorteil ist auch die enge Zusammenarbeit mit Lewe Timm und Marwin Bolz, die das Trainerteam unserer 1. Frauen bilden. Beide haben eine HFV-Vergangenheit und verkörpern die HFV-Inhalte, sodass ich also auch außerhalb der Lizenzen mit den entsprechenden Inhalten in Berührung komme.

Deutscher Meister B-Juniorinnen – Foto Felix Schlikis

HFV: Welche schwierigste Situation hast du als Trainerin erlebt?

Kim Falter: Herausfordernd war die Deutsche Futsal-Meisterschaft 2019. Ich war Co-Trainerin und der Cheftrainer hat gefehlt. Ich wurde zu Beginn quasi nicht wahrgenommen und auch vielleicht durch mein junges Alter und mein Geschlecht nicht wirklich ernst genommen. Während des Turnierverlaufs hat sich das dann zunehmend verändert. Aufgrund unserer guten Leistung wurde mir auch zunehmend mehr Aufmerksamkeit zuteil, sodass uns und speziell mir von den anderen Trainer*innen spätestens beim Turniergewinn viel Anerkennung ausgesprochen wurde. An dieser Stelle möchte ich einen großen Dank an mein Team ausrichten, ohne dass ich diese Erfahrung sicherlich nicht hätte machen dürfen.

HFV: Welche Lösung hast Du dafür gefunden?

Es ist stets wichtig, eine Situation anzunehmen, bei sich zu bleiben und weiterzumachen. Und alles andere ergibt sich dann.

HFV: Welche Fähigkeit der Trainerin ist von großer Bedeutung?

Kim Falter: Führungsqualität, Empathie, Kommunikation und fachliches Wissen

HFV: Was ist Deine persönliche Stärke als Trainerin?

Kim Falter: Kommunikation vor allem im direkten Gespräch, Empathie und einen Rahmen für die Spielerinnen zu schaffen, wo sie sich entwickeln, aber auch ihre Grenzen kennenlernen können.

HFV: Wie wichtig ist Dir Teamgeist?

Kim Falter: Sehr wichtig, auch außerhalb des Sports. Das ist ein Wert, den ich hoch anordne, weil ich die Meinung vertrete, dass jede ihren individuellen Beitrag zu einem großen Ganzen einbringen kann. Es ist ein Geben und Nehmen für ein großes Ziel. Außerdem ist es viel schöner, sich zusammen über ein erreichtes Ziel zu freuen.

HFV: Wie wichtig ist dir Spaß und Freude deiner Spielerinnen?

Kim Falter: Auch das ist sehr wichtig, weil nur mit Spaß und Freude die maximale Leistung erzielt werden kann. Und zwar intrinsisch und nicht künstlich aufgebaut. Letztendlich leben wir, um Glück zu empfinden, umso schöner ist es doch, wenn es beim Fußball passiert.

HFV: Wo hattest du am meisten Freude als Trainerin erlebt?

Kim Falter: Wenn Spielerinnen zufrieden und glücklich sind. Wenn ihre persönlichen Ziele erreicht werden. Wenn die Spielerinnen am glücklichsten sind, dann bin auch glücklich.
…und natürlich, auch wenn mein Team das Trainingsspiel gewinnt, trotz mir im Tor.

Freudige Gesichter bei Kim Falters Ausführungen während der Ehrung (v. lks.): HFV-Verbandstrainer Stephan Kerber, Kim Falter, Moderator Carsten Byernetzki und HFV-Verbandstrainerin Magdalena Schiefer – Foto Gettschat

HFV: Was war für Deinen sportlichen Werdegang der entscheidende Impuls?

Kim Falter: Mit den B-Mädchen sind wir sportlich abgestiegen, aber konnten aufgrund der „Nicht-Meldung“ eines anderen Vereins in der Liga bleiben. Das war mit so viel Schmerz verbunden, dass ich mich mit unserem damaligen Cheftrainer zusammengesetzt habe und wir uns Gedanken gemacht haben, an welchen Schrauben wir drehen müssen. Im Anschluss haben wir in allen Bereichen ein neues Level erreicht. Ich bin mir sicher, dass ein gewisser Anteil aus dem jetzigen Erfolg auf diese Zeit zurückzuführen ist. Diese Zeit hat mich persönlich sehr geprägt und mich selbst in meiner Entwicklung vorangebracht.

HFV: Aus welcher Erfahrung hast du am meisten gelernt?

Kim Falter: Aus dem eben genannten Nicht-Abstieg konnte ich sehr viel lernen. Da habe ich mitgenommen, dass man nach Rückschlägen stärker zurückkommen kann. Sicherlich waren aber auch die Erfahrungen aus der deutschen Futsal-Meisterschaft und dem Gütersloher Hallenmaster wichtig, die ich als Co-Trainerin jeweils alleine bestreiten durfte und die mir neue Aspekte und Erkenntnisse gezeigt haben und sogar mit dem maximalen sportlichen Erfolg geendet haben.

HFV: Vor was sollten sich talentierte Spielerinnen am meisten abschotten bzw. schützen, um Erfolg zu haben?

Kim Falter: Vor Menschen, die nicht ehrlich sind und bestimmte Dinge sagen, nur um anderen Menschen zu gefallen. Es ist wichtig, auch mal negative Kritik zu bekommen. Des Weiteren sollen sie sich schützen vor „kurzfristigem“ Denken und Überbelastung. Generell tut jede Spielerin gut daran, bodenständig zu bleiben und sich gegenseitig respektvoll und wertschätzend zu behandeln, weil man immer von jedem Menschen, auch vermeintlich leistungsschwächeren Spielerinnen, profitieren kann.

HFV: Wie können sich Spielerinnen am meisten vor Verletzungen schützen?

Kim Falter: Prävention ist extrem wichtig, im Sinne von Ernährung, Kraftaufbau und physiotherapeutischen Behandlungen.

HFV: Welchen Mehrwert erhält ein Mensch aus ihrer/seiner Tätigkeit als Trainer*in?

Kim Falter: Ein entscheidender Punkt ist die Interaktion mit anderen Menschen, mit denen gemeinsam Dinge kreiert werden. Das kann dem Leben einen Sinn geben.

HFV: Was wäre noch wichtig für die Vereine und den Verband, um bessere Bedingungen für talentierte Trainerinnen zu schaffen?

Kim Falter: Mehr finanzielle Unterstützung, damit der Zeitaufwand auch kompensiert werden kann. Einen offeneren Austausch in der Trainer*innenschaft, damit ein gemeinsames Lernen stattfinden kann. Inhaltliche Stärkung von Trainer*innen, sei es mit Events oder Vereinsbesuchen, damit auch außerhalb von den Lizenzen eine praxisnahe Wissensvermittlung passiert.

HFV: Wie wichtig schätzt du deine Erfahrungen als Spielerin für den Trainerin-Job ein?

Kim Falter: Da ich selbst nicht so hoch gespielt habe und meine Spielerinnen besser sind, als ich es früher selbst war, kann ich nicht alles 1:1 nachvollziehen. Allerdings greife ich permanent auf meine Erfahrung als Spielerin zurück. Die Grundlagen sind die gleichen.

HFV: Welchen Tipp hast Du für junge Trainer*innen?

Kim Falter: Mutig sein, Fehler zu machen und nicht zu streng mit sich selbst umzugehen. Sich jemanden zu suchen, mit dem man auch inhaltliche Fragen klären kann. Sich bewusst zu machen, dass Erfolg ein Prozess ist und dass jede Person mal bei Null angefangen hat und Erfahrungen machen musste.

Danke und guten weiteren Spaß am Coaching wünscht der HFV!

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