Im Interview: Junge Trainerin und Junger Trainer des Jahres 2025

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Franca Kleiner bei der Auszeichnung zur Jungen Trainerin des Jahres 2025 mit Kim Koschmieder – Foto Witters

Franca Kleiner und Henning Beeck über ihre Anfänge, Erfahrungen und ihr Mindset als Trainerin und Trainer

Jung, engagiert und voller Leidenschaft für den Fußball – so lassen sich die beiden Preisträger*innen der Auszeichnung „Junge Trainerin des Jahres“ und „Junger Trainer des Jahres“ beschreiben. Auf dem HFV-Jahresempfang am 19. September 2025 wurden sie für ihre vorbildliches Engagement und bisherigen Erfolge als Trainerin und Trainer ausgezeichnet.

Im Interview sprechen Franca Kleiner und Henning Beeck über ihre Anfänge, ihre Motivation und die Herausforderungen im Traineralltag. Außerdem verraten sie, was ihnen am meisten Freude bereitet, welche Erfahrungen prägend waren – und welche Tipps sie anderen jungen Trainerinnen und Trainern mit auf den Weg geben möchten.

Franca Kleiner ist erst 25 Jahre alt, aber schon lange im Frauen- und Mädchenbereich bei Union Tornesch engagiert – sowohl als Spielerin bei den Frauen, mit denen sie 2023 in die Landesliga aufstieg, als auch als Trainerin. Mit Leidenschaft und Energie trainiert sie parallel mehrere Teams, betreute zuletzt die B- und E-Mädchen sowie die Bambini-Junioren. Angefangen mit den Bambinis 2019 – da war sie gerade mal 19 Jahre alt. Inzwischen hat sie zudem erfolgreich ihre B-Lizenz beim HFV absolviert.

Henning Beeck startete seine Trainerlaufbahn 2020 mit 17 Jahren bei Groß Flottbek und wechselte 2022 zu Teutonia 05. Seit zwei Jahren trainiert er dort die 2012er-Junioren, mit denen er in der letzten Saison den Hamburger Meistertitel feiern konnte – ein Höhepunkt seiner noch jungen Trainerkarriere. Seit 2025 gehört er zudem zum Trainerteam am DFB-Stützpunkt Steilshoop.

Franca Kleiner in Action beim Tag des Mädchenfußballs bei Union Tornesch – Foto Privat
Henning Beeck mit seinem Team bei Altona 93 – Foto Privat

HFV: Hallo ihr zwei! Wie seid ihr zum Fußball gekommen?

Henning Beeck: Durch meine Eltern, meine Mutter hat Handball gespielt, mein Vater war Fechter. Als HSV-Fan hatte ich Lust, selbst Fußball zu spielen.
Franca Kleiner: Ich bin über eine Freundin beim Lauftag zum Fußball gekommen, da war ich 10 Jahre alt.

Wer war Eure erste*r Trainer*in und welche besondere Erinnerung habt ihr daran?

Henning: Peter hieß mein erster Trainer bei Groß Flottbek. Er war väterlich, freundlich und aufmunternd.
Franca: Meine erste Trainerin in der Jugend bei Holsatia hieß Elena, sie war LKW-Fahrerin.

Was habt ihr für euch persönlich in den zurückliegenden Jahren gelernt?

Henning: Den Austausch mit anderen Trainern zu verbessern, richtig zu kommunizieren und zu filtern was, von anderen Inhalten mitgenommen werden kann und was zu mir passt.
Franca: Ich habe gelernt, unterschiedliche Dinge ausprobieren, um in der Vermittlung mit den Spieler*innen das Profil erweitern zu können, oder Zugänge zu generieren.

Welche Bedeutung hatte die HFV-Trainer*in-Ausbildung an eurer Entwicklung?

Henning: Einen sehr großen Anteil. Meine Trainerausbildung beim HFV ist ein gewichtiger Teil meiner Fußball-Identität. Es hat mein Denken im Fußball verändert, zum Beispiel den Wert der Spielformen! Außerdem ist mein Anspruch gestiegen, komplexer zu trainieren.
Franca: Ich habe dort sehr viel gelernt: Trainingsinhalte, induktives Lernen, Spielformen – quasi Hamburg Style-Inhalte, fern von statischen Übungen hin zu lebendigen Spielformen.

Welchen Tipp habt ihr für junge Trainer*innen?

Henning: Sei offen für Neues, genieße was du machst, mit voller Leidenschaft, mit sehr viel Spaß, auf der Suche nach Neuem.
Franca: Hab keine Berührungsängste! Es ist sehr wertvoll, Fortbildungen zu machen, zum Beispiel den Einstieg als Junior Coach oder die Basisausbildung. Nimm alles mit, du triffst tolle Teilnehmer in den Lehrgängen!

Welche Fähigkeit einer Trainerin bzw. eines Trainers ist von großer Bedeutung?

Henning: Es ist wichtig, ein Gespür für die ganze Gruppe zu haben, um Identifikation zu schaffen. Dazu muss man die Profile der Spielerinnen und Spieler kennen – sportlich wie menschlich). Auch Empathie ist wichtig.
Franca: Für mich ist Empathie besonders wichtig: Schau auf die Spieler*innen, wie ihr Alltag in der Schule war, was sie bewegt. Man muss flexibel sein und auch mal vom Plan abweichen können.

Was ist eure persönliche Stärke als Trainer bzw. Trainerin?

Henning: Beobachten und kontrollierte Emotionen.
Franca: Selbst gerne mit drin zu sein, mitspielend auf neue Coaching Wörter und Momente zu kommen.

Wie wichtig ist euch Teamgeist?

Henning: Für mich ist Teamgeist sehr wichtig. Es schafft Identifikation und sorgt dafür, dass die Spieler*innen gerne kommen.
Franca: Es ist auf jedem Fall wichtig, um über die Teamleistung Spiele zu gewinnen.  Außersportliche Aktivitäten und Erlebnisse fördern den Teamgeist enorm.

Wie wichtig ist euch der Spaß eurer Spieler*innen?

Henning: Sehr wichtig, denn er hält uns am Fußball. Durch Wettbewerbe um Punkte versuche ich, den Spaßfaktor zu erhöhen.
Franca: Spaß ist ein wichtiger Faktor. Um Einsatz zu zeigen, muss man Spaß für den Sport mitbringen.

Was war für euren sportlichen Werdegang der entscheidende Impuls?

Henning: Das FSJ bei Teutonia im Jahr 2022. Die Personen im Verein, die Teams und die Berührung mit leistungsorientiertem Fußball haben mir den entscheidenden Impuls gegeben.
Franca: Im Verein für die anderen da zu sein, hat mich stark in diese Richtung geprägt.

Welchen Mehrwert gibt euch die Tätigkeit als Trainer bzw. Trainerin?

Henning: Da gibt es vieles: Man lernt, Verantwortung zu leben, und Menschen ein Begleiter zu sein, menschlich und sportlich. Dabei muss man sich der Einflussnahme bewusst sein, und die richtigen Entscheidungen treffen.

Henning Beeck mit der Meisterschale der
2012er-Junioren – Foto Privat


Franca: Trainerin zu sein, bringt einem selbst Spaß und Energie durch die Mitfreude und die gemeinsamen Erlebnisse. Man trifft viele coole Leute über das Netzwerk.

Franca Kleiner – Foto Privat

Vor was sollten sich talentierte Spieler*innen am meisten schützen, um Erfolg zu haben, Franca?

Franca: Die Spieler*innen sollten auf sich selbst schauen, was Einfluss auf die Meinungsbildung hat, sich selbst die Frage stellen, welches Umfeld man benötigt.

Was wäre noch wichtig für die Vereine und den Verband, um bessere Bedingungen für talentierte Trainer*innen zu schaffen?

Henning: Unterstützung bei Trainer-Lizenzen für die Vereine, auch in finanzieller Hinsicht.
Franca: Entwicklungschancen sind wichtig – was für Mannschaften trainiert man? Es wäre super, es zu ermöglichen, von erfahrenen Trainer*innen zu lernen und zu hospitieren.

Wie können sich Spieler*innen am besten vor Verletzungen schützen, Franca?

Franca: Durch Prävention: Man sollte Kraft trainieren, mentale Stärke trainieren und fokussiert bleiben bis zum Ende der Einheit.

Wie wichtig schätzt ihr eure Erfahrungen als Spieler bzw. Spielerin für den Trainer*in-Job ein?

Henning: Auch wichtig, es erleichtert die Selbstreflektion und die Fähigkeit, sich in die Spielerperspektive eindenken zu können.
Franca: Selbst Spielerin zu sein, hilft enorm, einzuschätzen was auf dem Platz stattfindet. Es gibt ein Verständnis dafür, wie es ist auf dem Platz zu agieren oder am Rand stehend das Spiel wahrzunehmen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß am Coaching!