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HFV-Themenwoche: Inklusion im Fokus

André Riebe ist ehrenamtlicher Inklusionsbeauftragter des HFV

Allen Menschen die Möglichkeit zu geben, dazuzugehören, mitzugestalten und Fußball gemeinsam zu erleben – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen. Das ist Inklusion. Wie sieht Inklusionsarbeit im Hamburger Fußballverband aus und welche Herausforderungen gibt es noch?

Themenwoche trifft Pride Week

Während unseres Themenschwerpunkts „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“ und im Rahmen der diesjährigen Hamburger Pride Week stellen wir diese Woche verschiedene Bereiche des HFV vor, die weit über das Geschehen auf dem Fußballplatz hinausgehen. Dazu gehört neben Integration, sexueller Vielfalt und Gewaltprävention auch der Bereich Fair Play. Über den digitalen Bildschirm hinaus geht dabei die Out-of-Home-Plakatkampagne „Alle im Spiel – für Vielfalt & Respekt auf und neben dem Platz“, die aktuell an rund 250 Standorten in und um Hamburg zu sehen ist. Zudem setzt der HFV mit der Pride-Flagge an der Geschäftsstelle sowie der Teilnahme am Christopher Street Day am 1. August ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Fußball.

„Ich bin Botschafter, wenn man so will. Ich vermittle einzelne Personen, berate sie, begleite sie dahingehend, dass sie in Vereine kommen, wo inklusive Angebote stattfinden“, beschreibt André Riebe seine Aufgabe. André Riebe lebt mit einer Sehbeeinträchtigung und übernimmt seit 2019 Verantwortung im HFV als ehrenamtlicher Inklusionsbeauftragter – zusammen mit Yorrick Heimsath, der als dualer Student den Bereich hauptamtlich betreut. Gleichzeitig berät Riebe Vereine bei Veränderungsprozessen und unterstützt sie dabei, inklusive Angebote aufzubauen oder weiterzuentwickeln.

Der einzelne Mensch steht im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht immer der einzelne Mensch. Ziel ist es, Menschen den Zugang zum Fußball zu ermöglichen, unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen. Dabei geht es längst nicht nur darum, auf dem Platz aktiv zu sein. Teilhabe bedeutet für Riebe auch, in Vereinsstrukturen eingebunden zu werden, Verantwortung zu übernehmen und mitgestalten zu können.

Dieses Verständnis von Teilhabe teilt auch Yorrick Heimsath. Für ihn bedeutet Inklusion nicht nur die Möglichkeit, Fußball zu spielen. Vielmehr sollen Menschen mit Beeinträchtigungen die gleichen Chancen erhalten, sich in allen Bereichen des Vereinslebens einzubringen. Dazu gehören neben der Rolle als Spielerin oder Spieler auch Tätigkeiten als Trainerin oder Trainer sowie weitere Funktionen im Verein. Ziel ist es, dass Menschen unabhängig von körperlichen, geistigen oder sozialen Voraussetzungen aktiv am Vereinsleben teilnehmen und ihre Interessen einbringen können.

„Inklusion oder Teilhabe im Fußballsport lässt sich so beschreiben, dass alle mitmachen dürfen, dass alle mitbestimmen können und dazugehören und sich so fühlen, dass sie ein Teil vom Ganzen sind“, sagt Riebe. Dazu gehörten für ihn ebenso „Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Chancengleichheit“.

Unterstützt wird diese Arbeit von Yorrick Heimsath. Seine Aufgabe sieht er vor allem darin, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen: „Als Inklusionsbeauftragter geht es vor allem darum, die Rahmenbedingungen zu schaffen für Menschen mit Beeinträchtigung, so dass sie auch aktiv, selbstbestimmt am Fußball teilnehmen können.“

Yorrick Heimsath ist hauptamtlich für den Bereich Inklusion im HFV zuständig

Inklusive Angebote im Hamburger Fußball

Die Vielfalt der inklusiven Fußballangebote in Hamburg ist dabei größer, als sich vermuten lässt. André Riebe nennt unter anderem den Amputiertenfußball, Blindenfußball, Gehörlosenfußball sowie verschiedene Formen des Rollstuhlfußballs. Hinzu kommt der Walking Football, den er als „die inklusivste Variante“ beschreibt. Lediglich der CP-Fußball für Menschen mit Cerebralparese ist bislang noch nicht in Hamburg vertreten.

Neben konkreten Sportangeboten organisieren die Inklusionsbeauftragten des HFV außerdem Netzwerktreffen und weitere Veranstaltungen im Bereich Inklusion. „Der HFV veranstaltet Inklusionsveranstaltungen für Menschen mit Beeinträchtigung, wie zum Beispiel Netzwerktreffen, wo Menschen mit Beeinträchtigung zusammenkommen können, sich austauschen können, aber auch an alternativen Fußballangeboten teilnehmen können“, erklärt Heimsath. Darüber hinaus unterstützt der Verband Vereine dabei, eigene Inklusionsangebote sichtbarer zu machen.

Veränderungen nur in kleinen Schritten

Trotz positiver Entwicklungen sehen beide Inklusionsbeauftragten weiterhin Herausforderungen. „Veränderungen finden nur in sehr kleinen Schritten statt, weil sehr viele Barrieren noch gegeben sind, um weite Fortschritte machen zu können“, sagt Riebe. Deshalb orientiere sich die Arbeit des HFV unter anderem am Landesaktionsplan für Inklusion und Sport und dessen Umsetzung.

Ein wichtiger Bestandteil von André Riebes Arbeit ist die persönliche Beratung. Viele Menschen hätten zunächst Berührungsängste oder seien unsicher, ob ein Angebot überhaupt zu ihnen passe. Genau dort setzt Riebe an und ermutigt Betroffene und Nicht-Betroffene, neue Erfahrungen zu machen. „Man muss es erleben und einmal dabei gewesen sein, um es selbst zu fühlen.“ Für ihn steht dabei vor allem das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. „Es geht immer um das Zusammenspiel miteinander, das Wir-Gefühl und das Wohlfühlen miteinander.“

Inklusive Angebote könnten dabei auch ganz praktische Chancen für Vereine schaffen. Riebe sieht beispielsweise Potenzial darin, neue Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu schaffen und Berührungsängste abzubauen. Gerade dort, wo Vereine mit Wartelisten arbeiten müssen, könnten inklusive Mannschaftsangebote zusätzliche Perspektiven – und Plätze – eröffnen.

Barrierefreie Infrastruktur als große Herausforderung

Inklusion beschränkt sich dabei nicht nur auf Sportangebote. Auch Barrierefreiheit in der Infrastruktur und Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Die Handlungsfelder reichen von inklusiven Angeboten und Wettbewerben über Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zur inklusiven Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Noch immer gibt es viele Bereiche, in denen Hürden abgebaut werden müssen. Als Beispiel nennt Riebe Alarmsysteme auf Sportanlagen: „Ein akustisches Signal ist aber nicht inklusiv, sondern zum Beispiel für taubblinde Personen ein Problem.“

Was beide antreibt, ist ein gemeinsames Ziel: ein Fußball, an dem alle Menschen gleichermaßen teilhaben können. Heimsath wünscht sich für die Zukunft, dass „sowohl in der Gesellschaft als auch im Fußball alle Menschen die gleichen Chancen haben“ und Menschen „ohne Vorurteile gesehen werden“. Riebe ergänzt: „Mehr betroffene Menschen sollen das Vertrauen haben, für sich selbst den Schritt zu gehen, ein inklusives Angebot auszuprobieren.“ Denn echte Inklusion bedeutet für beide, dass Menschen dazugehören, mitbestimmen und Fußball als Gemeinschaft erleben können – unabhängig von ihren Voraussetzungen.

HFV-Themenwoche „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“

Im Rahmen der Themenwoche „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“ stellen wir Bereiche des Verbandes vor, die weit über das Geschehen auf dem Fußballplatz hinausgehen. Fußball ist mehr als Spielbetrieb, Tabellen und Titel. Inklusion, sexuelle Vielfalt, Integration, Gewaltprävention und Fair Play sind ebenso fester Bestandteil der Verbandsarbeit und Entwicklung des Hamburger Fußballs. 

Mehr davon? Alle Interviews gibt es im Video auf den HFV-Social-Kanälen auf Instagram und Facebook. Unsere Hamburg-weite Out-of-Home-Plakatkampagne hängt noch bis zum 28.7.2026 an 250 Standorten und am 01.08. sind wir beim Hamburger CSD dabei! Sehen wir uns?