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HFV-Themenwoche: Fair Play-Beauftragter Mike Gielow im Gespräch

Mike Gielow ist Fair Play-Beauftragter des HFV und engagiert sich auch in anderen ehrenamtlichen Funktionen im HFV und NFV

Seit mehr als 40 Jahren ist Mike Gielow dem Fußball als Schiedsrichter verbunden. Heute setzt er sich als Fair Play-Beauftragter des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) dafür ein, besonderes sportliches Verhalten sichtbar zu machen und zu würdigen. Dabei ist er mehr als das: Als Mitglied des Verbandsgerichts im HFV sowie im Norddeutschen Fußball-Verband, als Schiedsrichter-Beobachter und -Coach übernimmt er diverse ehrenamtliche Aufgaben.

Im Interview spricht er über die Bedeutung von Fair Play, beeindruckende Beispiele aus dem Amateurfußball und seinen Wunsch, dass Ehrlichkeit und Respekt auf und neben dem Platz noch stärker gelebt werden.

Themenwoche trifft Pride Week

Während unseres Themenschwerpunkts „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“ und im Rahmen der diesjährigen Hamburger Pride Week stellen wir diese Woche verschiedene Bereiche des HFV vor, die weit über das Geschehen auf dem Fußballplatz hinausgehen. Dazu gehört neben Integration, sexueller Vielfalt und Gewaltprävention auch der Bereich Fair Play. Über den digitalen Bildschirm hinaus geht dabei die Out-of-Home- Plakatkampagne „Alle im Spiel – für Vielfalt & Respekt auf und neben dem Platz“, die aktuell an rund 250 Standorten in und um Hamburg zu sehen ist. Zudem setzt der HFV mit der Pride-Flagge an der Geschäftsstelle sowie der Teilnahme am Christopher Street Day am 1. August ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Fußball.

HFV: Du hast als Fair Play-Beauftragter einen guten Einblick in das Verhalten auf und neben dem Platz. Wie hat sich Fair Play in den letzten Jahren entwickelt? 

Mike Gielow: Ich würde sagen, dass das Verhalten tatsächlich fairer wird. Allerdings erhalten wir immer noch relativ wenige Meldungen. Das liegt möglicherweise daran, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass solche Meldungen möglich sind. Deshalb möchte ich bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen: Jeder kann faires Verhalten melden, das er oder sie beobachtet hat. Das kann entweder über den Schiedsrichter geschehen oder ganz einfach per E-Mail an den Hamburger Fußball-Verband. Die Meldungen werden dann an mich weitergeleitet und ich prüfe sie.

HFV: Was bedeutet Fair Play eigentlich für dich?

Mike Gielow: Für mich bedeutet Fairplay, dass es jemandem nicht ausschließlich darum geht, ein Spiel zu gewinnen. Vielmehr geht es darum, die Werte des Sports und den eigentlichen Gedanken des Fußballs zu leben.

Ein Beispiel: Ein Spieler wurde im Strafraum zu Fall gebracht. Der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß. Der Spieler ging jedoch zum Schiedsrichter und erklärte, dass es gar kein Foul gewesen sei, sondern dass er lediglich gestolpert war. Am Ende verlor seine Mannschaft das Spiel sogar mit 1:2. Trotzdem hat dieser Spieler im Sinne der Fairness gehandelt und die Wahrheit gesagt. Als ich später mit ihm sprach, meinte er, dass das für ihn selbstverständlich gewesen sei. Genau solche Aktionen machen den Fairplay-Gedanken aus.

HFV: Was sind konkret deine Aufgaben als Fair Play-Beauftragter?

Mike Gielow: Meine Hauptaufgabe besteht darin, besonders faires Verhalten sichtbar zu machen – und zwar durch die Fair Play-Geste.Vereine, Spielbeteiligte oder idealerweise Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen können über den Spielbericht besonders faires Verhalten von Spielerinnen und Spielern, Trainerinnen und Trainern oder Betreuenden melden. Wenn ich eine solche Meldung erhalte, nehme ich Kontakt zu den betreffenden Personen auf und prüfe, ob eine Fair Play-Ehrung infrage kommt. Für diese Auszeichnungen gibt es verschiedene Formen der Anerkennung, kleine Geschenke – und eine Urkunde des DFB, da die Fair Play-Aktion ursprünglich vom Deutschen Fußball-Bund ins Leben gerufen wurde.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, zum Fair Play-Gewinner oder zur Gewinnerin des Jahres gewählt zu werden. Davon profitiert sogar der Verein, da auch dessen Engagement durch das faire Verhalten der ausgezeichneten Person gewürdigt wird.

HFV: Gibt es neben den Fair Play-Ehrungen weitere Projekte im Bereich Fair Play?

Mike Gielow: Ja, es gibt beispielsweise den Fairness-Preis. Hier bewerten wir anhand einer Tabelle, welche Mannschaften sich während der Saison besonders fair verhalten haben. Dabei werden unter anderem persönliche Strafen erfasst. Die Mannschaft mit den besten Werten in ihrer Staffel gewinnt am Ende den Fairness-Preis.

HFV: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Mike Gielow: Ich würde mir wünschen, dass es noch mehr solcher Fairplay-Aktionen gibt. Auffällig ist leider, dass ich aus den höheren Spielklassen nur sehr wenige Meldungen bekomme. Aus der Oberliga habe ich beispielsweise noch keine Fairplay-Meldung erhalten. Besonders erfreulich ist dagegen, dass viele Meldungen aus dem Jugendbereich kommen. Dort habe ich bereits zahlreiche Spielerinnen und Spieler ausgezeichnet. Das ist mir besonders wichtig, denn junge Menschen sind die Zukunft des Fußballs.

Danke für das Interview!

HFV-Themenwoche „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“

Im Rahmen des Themenschwerpunkts „Soziale und gesellschaftliche Verantwortung“ stellen wir Bereiche des Verbandes vor, die weit über das Geschehen auf dem Fußballplatz hinausgehen. Fußball ist mehr als Spielbetrieb, Tabellen und Titel. Inklusion, sexuelle Vielfalt, Integration, Gewaltprävention und Fair Play sind ebenso fester Bestandteil der Verbandsarbeit und Entwicklung des Hamburger Fußballs. 

Mehr davon? Alle Interviews gibt es im Video auf den HFV-Social-Kanälen auf Instagram und Facebook. Unsere Hamburg-weite Out-of-Home-Plakatkampagne hängt noch bis zum 28.7.2026 an 250 Standorten und am 01.08. sind wir beim Hamburger CSD dabei! Sehen wir uns?