„Ein sehr, sehr schönes Gefühl“ – Die Sportler*innen des Jahres im Interview

Sechs Auszeichnungen, sechs Geschichten und jede Menge große Gefühle: Beim 18. HFV-Jahresempfang im Grand Elysée Hamburg wurden am 25. September die Sportler*innen des Jahres 2026 ausgezeichnet: Thao-Quyen Nguyen, Dominik Kopmann, Franziska Lähn, Jan-Philipp Rose, Erolind Krasniqi und Linnea Taube.
Wir haben mit den Geehrten über den besonderen Moment, ihre Saison und das gesprochen, was ihnen der Fußball bedeutet.
„Die saison war für mich als Trainerin echt hart“
Franziska Lähn wurde als Trainerin des Jahres 2026 ausgezeichnet. Die Auszeichnung kam für sie überraschend – umso größer war die Freude über die Anerkennung.
HFV: Du hast heute eigentlich mit etwas anderem gerechnet. Wie hast du den Moment erlebt, als dein Name aufgerufen wurde?
Franziska Lähn: „Ich habe tatsächlich gar nicht damit gerechnet, dass ich gewinne. Ich habe mich heute total drauf gefreut, meine Weggefährten vom Hamburger SV wiederzusehen, ein bisschen zu erzählen, was aktuell so bei einem los ist, was so in den Teams passiert, wie die Fortschritte sind. Aber, dass ich diese Auszeichnung tatsächlich erhalten darf, ist etwas ganz Besonderes und da freue ich mich sehr drüber.“
Die vergangene Saison war für Lähn dabei nicht nur von sportlichen Erfolgen geprägt. Gerade die schwierigen Momente haben für sie eine besondere Bedeutung bekommen.
HFV: Du bist seit dieser Saison nicht mehr beim HSV. Was bedeutet dir der Preis auch für die letzte Saison?
Franziska Lähn: „Die Saison war nicht einfach und war für mich als Trainerin echt hart, weil wir sicherlich nicht die sportlichen Ziele erreicht haben, die wir erreichen wollten. Ich glaube aber, dass es für mich bisher als Trainerin das wichtigste Jahr war, weil man Step by Step einfach lernen muss, dass es nicht immer laufen kann. Man muss einfach wieder aufzustehen, reflektieren, nach vorne blicken und Dinge besser machen. Und deshalb ist das für mich auch eine Auszeichnung, die gut tut. Ich freue mich einfach drüber!“
Lähn verbindet mit ihrer eigenen Erfahrung zugleich eine Botschaft an die nächste Generation von Trainerinnen. Sie ist auch als Referentin in einer Lizenzausbildung tätig und erlebt dort, dass Frauen in den Lehrgängen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind.
HFV: Was ist deine Botschaft an junge Trainerinnen oder auch junge Frauen, die gerne Trainerin werden möchten?
Franziska Lähn: „Ich habe immer wieder das Gefühl, dass junge Frauen sich nicht trauen. Ich bin auch in einer Lizenzausbildung tätig als Referentin und ich merke das immer wieder. Wir haben echt eine geringe Frauenquote in den Trainerinnen-Lehrgängen und da erhoffe ich mir, dass vor allem auch mehr Sichtbarkeit von Frauen geschaffen wird, indem man mehr Referentinnen hat, und gleichzeitig auch mehr Trainerinnen gewinnt, um den jungen Mädels Vorbilder zu geben.“
„Ein riesengroßer Anteil geht an das Team“
Auch beim Trainer des Jahres war die Freude über die Auszeichnung groß. Jan-Philipp Rose führte den ETSV Hamburg in der vergangenen Saison zur Meisterschaft. Für ihn ist der Preis deshalb auch eng mit seiner Mannschaft verbunden.
HFV: Was bedeutet dir dieser Preis?
Jan-Philipp Rose: „Das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl. Ich habe mich sehr gefreut. Die harte Arbeit, die ich letztes Jahr reingesteckt habe, dass diese dann im Endeffekt belohnt wird, indem so viele für mich abgestimmt haben, darüber habe ich mich sehr gefreut.“
Die Meisterschaft mit dem ETSV war allerdings auch von einem schweren Verlust geprägt. Rose und Spieler des Jahres Erolind Krasniqi widmen ihre Auszeichnungen ihrem während der Saison verstorbenen Kapitän Sebastian Hertner.
HFV: Du bist mit dem ETSV letzte Saison Meister geworden. Wertet diese Auszeichnung als Trainer des Jahres die Saison noch mal mehr auf für dich persönlich?
Jan-Philipp Rose: „Ja, auf jeden Fall. Es war keine einfache Saison. Ich glaube, Erolind Krasniqi hat es vorhin auch schon gesagt, dass wir die Titel als Spieler des Jahres und Trainer des Jahres auf jeden Fall unserem verstorbenen Kapitän Sebastian Hertner widmen, weil er einen großen Teil dazu beigetragen hat. Er war Teil meines Trainerteams und ihm gebührt ein sehr, sehr hoher Anteil, dass wir Meister geworden sind – und auch daran, dass wir beide jetzt hier die Preise entgegennehmen dürfen.“
HFV: Welchen Anteil trägt dein Team an dieser Auszeichnung?
Jan-Philipp Rose: „Ein riesengroßer Anteil geht an das Team. Ohne das Team wäre das alles nicht möglich gewesen. Daher bedanke ich mich auch bei meinem Team. Es waren alles tolle Jungs, die haben alle super performt, auch in schwierigen Zeiten, in der Rückrunde, wo es nicht einfach war. Alle haben zusammengehalten und das macht einfach ein Team aus und das war einfach ein sehr, sehr schönes Gefühl, dass wir Meister werden konnten und so eine tolle Erfolgssaison spielen konnten.“
Bei den beiden Schiedsrichter*innen des Jahres standen ebenfalls nicht nur die persönliche Auszeichnung, sondern auch die Gemeinschaft und die eigene Entwicklung im Mittelpunkt.
„ich habe nur am Körper gezittert“
Thao-Quyen Nguyen vom Walddörfer SV konnte die Wahl zur Schiedsrichterin des Jahres für sich entscheiden. Der Moment der Verkündung war für sie entsprechend emotional.
HFV: Als dein Name aufgerufen wurde, was ging dir als allererstes durch den Kopf?
Thao-Quyen Nguyen: „Ich war schon überwältigt von der Nominierung, aber dass ich die Wahl dann gewonnen habe, konnte ich gar nicht glauben und ich habe eigentlich die ganze Zeit nur am Körper gezittert, als ich da hochgegangen bin. Also ein schönes Gefühl, aber auch ungewohnt.“
Die Auszeichnung versteht Nguyen als Anerkennung für ihre bisherige Arbeit – gleichzeitig ist sie für sie kein Schlusspunkt.
HFV: Siehst du den Preis als eine Bestätigung dafür, was du bisher alles geleistet hast?
Thao-Quyen Nguyen: „Es ist eine große Bestätigung für die harte Arbeit, die ich geleistet habe, wie viel Arbeit ich reingesteckt habe. Aber auch unabhängig von der Nominierung bin ich sehr motiviert, noch mehr an meiner körperlichen Fitness, aber auch an meiner Leistung zu feilen und immer, immer besser zu werden. Das ist das oberste Ziel, unabhängig von der Nominierung.“
Gerade jungen Mädchen und Frauen möchte sie Mut machen, den Schritt in die Schiedsrichterei zu wagen.
HFV: Was magst du jungen Mädchen und Frauen ausrichten, die überlegen Schiedsrichterin zu werden?
Thao-Quyen Nguyen: „Ich habe es auf der Bühne schon gesagt: Traut euch, macht es einfach, ihr könnt nur gewinnen. Ihr entwickelt euch persönlich enorm weiter. Findet den Spaß daran – und auch an unserer Gemeinschaft, lernt neue Leute kennen und die Freude am Sport!“
„Die Schiedsrichterei bedeutet mir wirklich sehr viel“
Auch Dominik Kopmann von Eintracht Norderstedt empfand die Auszeichnung als besondere Wertschätzung. Gleichzeitig sieht er sich dabei nicht nur als Einzelperson, sondern als Repräsentant der Hamburger Schiedsrichterei.
HFV: Wie war dein Gefühl, als dein Name aufgerufen wurde?
Dominik Kopmann: „Es ist ein sehr, sehr schönes Gefühl. Es ist eine große Wertschätzung – auch dass anerkannt wird, was ich über die Jahre geleistet habe. Schlussendlich ist für mich aber auch wichtig, dass ich die Hamburger Schiedsrichterei repräsentiere. Deswegen war es mir auch total wichtig, die Kommunikation mit uns anzusprechen und zu thematisieren, weil ich glaube, dass das etwas ist, woran wir alle noch zu arbeiten haben – vielleicht auch wir als Schiedsrichter auf der einen oder anderen Ebene. Trotzdem fühlt sich der Preis für mich sehr wertvoll an.“
HFV: Was bedeutet dir die Schiedsrichterei und was möchtest du jungen Menschen mit auf den Weg geben?
Dominik Kopmann: „Die Schiedsrichterei bedeutet mir mittlerweile wirklich sehr viel. Ich habe viele Freunde gewonnen, also mein Freundeskreis besteht, glaube ich, zu 70, 80 Prozent mittlerweile aus Schiedsrichtern. Von daher bin ich da auch sehr stolz drauf. Ich kann eigentlich nur jedem mitgeben, dieses Hobby auszuprobieren. Man lernt für sich selbst, man lernt fürs Leben, man lernt den Umgang mit Menschen. Auch die eigene Persönlichkeit entwickelt sich weiter. Deswegen finde ich das auf jeden Fall ein total wunderbares Hobby und kann es nur jedem weiterempfehlen.“
Dass individuelle Auszeichnungen und Mannschaftserfolg eng zusammengehören, betonten auch die beiden Spieler des Jahres. Erolind Krasniqi blickt auf eine außergewöhnliche Saison mit dem ETSV Hamburg zurück. Die Mannschaft wurde Meister, Jan-Philipp Rose zum Trainer des Jahres – und Krasniqi selbst zum Spieler des Jahres gewählt.
„alles, was mit diesem Jahr zu tun hatte, werde ich nie vergessen“
HFV: Wie hast du die Verkündung erlebt?
Erolind Krasniqi: „Ich bin froh, dass ich es gewonnen habe. Wenn man so viele Tore geschossen hat, hat man es auch verdient. Ein bisschen überraschend war es trotzdem, weil du halt nicht weißt, wie die Abstimmung läuft. Ich habe nur einmal was auf Social Media geteilt, dann nie wieder. Und am Ende ist es eine Abstimmung. Ich glaube aber, jeder von den Nominierten hat es verdient.“
Die Saison mit dem ETSV war für Krasniqi ohnehin eine ganz besondere. Die Meisterschaft sei dabei das Ergebnis einer gemeinsamen Reise gewesen – mit positiven und negativen Erfahrungen.
HFV: Inwiefern wertet diese Auszeichnung diese Saison mit dem ETSV auf?
Erolind Krasniqi: „Wenn man da vorne auf der Bühne steht, ist es nochmal etwas ganz anderes, als wenn man jetzt vor der Kamera steht oder irgendwo sitzt. Das war für mich auch nochmal etwas Neues. Ich wollte auf der Bühne eigentlich noch viel mehr sagen. ETSV, einfach die Geschichte, alles, was mit diesem Jahr zu tun hatte, werde ich nie vergessen. Der gesamte Verein, wie die Saison verlaufen ist, von Tag 1 bis Tag 365, wo wir dann die Meisterschaft geholt haben, war etwas ganz, ganz Besonderes. Man hatte positive und negative Erfahrungen, Höhen und Tiefen. Und gerade in den Tiefen haben wir als Mannschaft wirklich zueinander gefunden. Und das ist das, worauf ich stolz bin, weil wir als Mannschaft Großes geleistet haben.“
„das Ding zu holen, ist schon krass“
Bei Linnea Taube war die Spannung kurz vor der Verkündung besonders groß. Die Spielerin des FC St. Pauli hatte zunächst nicht mit dem Sieg gerechnet – bis die Videos der Nominierten liefen.
HFV: Wie war der Moment der Verkündung für dich?
Linnea Taube: „Ich war den ganzen Tag relativ cool. Ich habe auch ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass ich es werde. Und dann kurz bevor es losging und die Videos von uns liefen, hat auf einmal mein Herz super, super doll angefangen zu schlagen. Und ich dachte, okay krass, die haben gerade wirklich meinen Namen aufgerufen. Und dann habe ich mich natürlich riesig gefreut – also für mich und fürs Team, denn es ist auch ein Kollektivding. Man kann nur gut aussehen, wenn das Team funktioniert. Dementsprechend waren es krasse Emotionen.“
Taubes Weg zur Auszeichnung zeigt, wie schnell sich eine Fußballgeschichte entwickeln kann. Vor ein paar Jahren wechselte sie zum FC St. Pauli aus Schleswig-Holstein. Nun steht sie als Spielerin des Jahres im Hamburger Fußball im Mittelpunkt.
HFV: Was bedeutet dir der Preis?
Linnea Taube: „Vor drei Jahren bin ich zu St. Pauli gewechselt, war vorher in der Oberliga Schleswig-Holstein. Und ich hätte niemals gedacht, dass ich für die Spielerin des Jahres in Schleswig-Holstein nominiert werden würde – und jetzt für Hamburg das Ding zu holen, ist schon krass. Das hätte ich schlichtweg nicht erwartet.“