Die Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2025 im Interview

Überraschung und Freude waren groß, als vor rund 400 Gästen beim HFV-Jahresempfang die Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2025 im HFV verkündet wurden. Uns standen sie nach der Preisverleihung Rede und Antwort.
Martin Harnik blickt mit 15 Siegen in 17 Spielen in der Rückrunde der letzten Saison auf eine nahezu makellose Bilanz als Spielertrainer bei der TuS Dassendorf zurück. Nach dem Ausflug ins Traineramt will er sich jetzt wieder auf die Rolle als Spieler konzentrieren. Kim Falter hat eine überaus erfolgreiche Zeit beim HSV hinter sich. Jetzt als DFB-Stützpunktkoordinatorin in Brandenburg unterwegs, krönte die 26-Jährige die Saison 2024/25 mit der Meisterschaft in der Regionalliga Nord mit den 2. HSV-Frauen. Ebenfalls vom HSV und ebenfalls mit einer glänzenden letzten Saison im Gepäck, ist Laura Madeleine Henke. Zusammen mit Trainerin Kim Falter feierte die 22-Jährige die Regionalliga-Meisterschaft der 2. Frauen.
Die siegreiche letzte Saison krönte Altona 93 mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord. Maßgeblichen Anteil hatte Altonas Nummer 7, Bilael-Pascal El-Nemr. Aktuell durch einen Kreuzbandriss ausgebremst, will der 32-Jährige nach Genesung wieder voll angreifen. Jugend-Bundesliga, Herren-Regionalliga: Das sind das Spielfeld von Marvin Repke (Harburger TB). Seit zwei Jahren ist der 25-Jährige im Förderkader des HFV-Verbandsschiedsrichter-Ausschusses (VSA), dieses Jahr folgte Aufstieg als Schiedsrichter in die Herren-Regionalliga. Asli Gök (Altona 93) kann nicht nur gut Fußball spielen, sondern noch besser Fußballspiele leiten. Seit diesem Jahr pfeift die 28-Jährige in der Herren-Landesliga, im Frauenbereich in der Regionalliga und steht außerdem seit dieser Saison als Assistentin in der 2. Frauen-Bundesliga an der Linie.
Sechs ambitionierte Sportlerinnen und Sportler, die noch viel vorhaben – an der Seitenlinie und auf dem Feld. Wir haben nachgefragt, was sie antreibt, wohin ihre Reise gehen soll, und welchen Rat sie jungen Sportlerinnen und Sportlern geben können.


HFV: Herzlichen Glückwunsch zu der Auszeichnung! Was bedeutet euch dieser Preis?
Laura Madeleine Henke: Das ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes! Allein nominiert zu sein, war für mich immer schon ein kleiner Traum. Mein Papa ist etwa vor 15 Jahren Trainer des Jahres geworden, und seitdem ist es für mich etwas Besonderes, hier dabei zu sein. Und dass ich heute hier ausgezeichnet wurde, bedeutet mir daher sehr viel.
Bilael-Pascal El-Nemr: Ich bin wirklich sehr, sehr glücklich darüber, diesen Preis gewonnen zu haben. Ich bin seit vielen Jahren dabei – und dieser Preis hat noch im Trophäenschrank gefehlt. Ich hatte mir das Kreuzband gerissen Ende April im Pokalspiel gegen Vicky. Das war auch noch ein Traum von mir, einmal den Pokal zu gewinnen mit Altona – da sind wir leider im Halbfinale gescheitert. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich, aber jetzt bin ich auf einem guten Wege durch eine super REHA, gute Athletiktrainer und gute Physiotherapeuten. Das Comeback ist greifbar nah.
„Diese Auszeichnung ist eine Wertschätzung für das, was wir auf dem Platz machen“
Marvin Repke: Erstmal viele Dank an alle, die für mich abgestimmt haben! Ohne euch hätte ich das niemals geschafft – dieser Preis ist auch für euch! Ich möchte aber auch meine vier Mitstreiter, die neben mir nominiert waren, erwähnen: Wir sind alle Schiedsrichter des Jahres, auch wenn ich jetzt am Ende den Titel trage! Ich bin unfassbar stolz und glücklich!
Asli Gök: Für mich ist es eine Ehre, überhaupt nominiert worden zu sein. Diese Auszeichnung ist eine Wertschätzung für das, was wir auf dem Platz machen. Ich habe mich mega drüber gefreut!
Kim Falter: Ich habe mir vorher gar nicht viele Gedanken dazu gemacht. Aber dieser Rahmen, das ist schon sehr besonders, weil es eine persönliche Ehrung ist. Als Trainerin ist mir wichtig, dass die Spielerinnen und das Team im Zentrum stehen – deshalb habe ich mich sehr über die Nominierung gefreut, mir aber keine großen Chancen ausgerechnet. Jetzt bin ich sehr positiv überrascht!
Martin Harnik: Vielen Dank! Ich habe überhaupt nicht mit diesem Preis gerechnet, denn ich bin Spieler. Ich war Spielertrainer für ein halbes Jahr – und das wirklich erfolgreich. Wir haben mit der Mannschaft und dem Trainerteam eine unglaubliche Rückrunde hingelegt, womit keiner gerechnet hat, selbst im eigenen Verein nicht. Dementsprechend freue ich mich sehr über diesen Titel. Wer weiß, was in den nächsten Jahren noch kommt, aber heute habe ich damit noch nicht gerechnet.


Ihr habt diesen Preis nicht ohne Grund gewonnen. Auf welche Leistungen in der letzten Saison bzw. in den letzten Jahren seid ihr besonders stolz?
Laura Madeleine Henke: Ich bin sehr stolz auf die Entwicklung der gesamten Mannschaft. Als ich in die U20 gekommen bin, haben wir noch Oberliga gespielt. Dass wir den Aufstieg damals geschafft haben, und dann ein paar Jahre später Meister in der Regionalliga Nord geworden sind, darauf bin ich sehr stolz.
Bilael-Pascal El-Nemr: Ich habe meine ersten Schritte in der Jugend des SC Condor gemacht. Von da aus ging es dann über mehrere Stationen in den Hamburger Herrenfußball. Ich widme den Preis meinen Eltern, meinen Geschwistern, meinen Freunden und allen Leuten, die mich in den letzten Jahren begleitet haben, und vor allem auch meinem Verein, Altona 93, eigentlich allen Spielern, die mit mir zusammengespielt haben, und auch Andi Bergmann.
Marvin Repke: Ich war im Januar noch verletzt, wurde operiert an der Bandscheibe und es sah für mich sehr, sehr schlecht aus. Ich bin zurückgekommen dank eines fantastischen Physiotherapeuten, der mich in dieser Zeit begleitet hat. Kevin, vielen Dank an dich! Ohne dich würde ich hier nicht stehen! An was ich in dieser Zeit immer zurückgedacht habe in dieser Zeit, die mental sehr schwer für mich war, war das U19-Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, das ich pfeifen durfte – Borussia Mönchengladbach gegen TSG Hoffenheim. Das war mein Highlight und darauf wollte ich zurück arbeiten. Am Ende der Saison bin ich jetzt in die Regionalliga aufgestiegen und habe quasi trotz der Verletzung mein Ziel erreichen können.
Asli Gök: Ich bin seit mehreren Jahren Schiedsrichterin. Aber vor drei Jahren habe ich mich entschieden, den Schritt zu gehen, viel darein zu investieren. Das ist der Tatsache geschuldet, dass wir eine tolle Gemeinschaft sind und wir uns gegenseitig unterstützen, immer füreinander da sind – das ist das Größte, was die Schiedsrichterei ausmacht. Mein persönliches Highlight war das Pokalfinale letztes Jahr. Das ist ein unvergesslicher Moment, an den ich mich immer gerne erinnere.
„Wir haben sehr viel investiert, viele gute Entscheidungen getroffen“
Kim Falter: Ich habe viel gemacht in den letzten Jahren. Vor ein paar Jahren haben wir uns beim HSV gesagt, dass es nicht geht, das der HSV nicht auf der Karte ist, dass junge Spielerinnen immer noch weg wechseln müssen. Das war ich zusammen mit Marvin Bolz, Katharina Schimpf, alle die zuständig waren, alle Betreuer, alle Physios, die mehr als nötig gemacht haben, und noch einige mehr. Das wollten wir ändern und den HSV wieder auf die Karte setzen. Da haben wir sehr viel investiert, viele gute Entscheidungen getroffen, viele gute Spielerinnen ausgebildet. Wir sind dann zum Glück auch aufgestiegen und haben den HSV – sowohl im weiblichen als auch im männlichen Bereich – wieder auf die Karte gesetzt.
Martin Harnik: Ich bin letzten Saison als Trainer ins kalte Wasser geworfen worden, hatte keine Ahnung, was mich erwartet und wie ich das meistern werde. Dabei hatte ich großartige Unterstützung – allen voran mein Co-Trainer, vor allem Naddel, der auch vorher schon Co-Trainer war und dann plötzlich mehr oder weniger mein Co-Trainer wurde. Das war für ihn und für alle besonders. Auch alle um mich herum wurden ins kalte Wasser geworfen: Meine Mitspieler waren auf einmal auch meine Spieler und umgekehrt war ich als Kapitän auf einmal auch Trainer. Das war für uns alle neu und ich denke, dass wir es gut hinbekommen haben als Team. Am Ende des Tages ist für mich der Schlüssel Kommunikation, also über Dinge zu reden. Fehler werden auf dem Platz und daneben gemacht – darüber muss gesprochen werden, Lösungen gefunden werden. Und dann entwickelt man auch einen gemeinsamen Spirit, gemeinsamen Weg. Den haben wir gefunden und sind ihn kompromisslos gegangen – das war vielleicht ein Schlüssel des Erfolgs. Die Frage, ob ich Trainer werden will, kam schon öfter, und ich habe sie immer mit „nein, auf keinen Fall“ beantwortet. Und dann kam diese Situation – es war eher ein Hilferuf des Vereins, der gesagt hat „Hanno, wir haben keinen anderen, bitte mach du es“. Und unter diesen Voraussetzungen habe ich es probiert. Und es war für mich auch eine unglaublich lehrreiche Zeit, eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Nicht nicht nur durch die neue Perspektive für mich im Fußball, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Das Thema Menschenführung ist heutzutage sehr wichtig – da hat mir dieses halbe Jahr persönlich auch sehr viel gebracht.
Wann und warum habt ihr als Schiedsrichter*in, Trainer*in oder Spieler*in angefangen?
Laura Madeleine Henke: Durch meinen Papa. Der war bei uns im Dorf in Curslack-Neuengamme schon lange Fußballtrainer, wodurch ich schon im Kinderwagen immer mit auf dem Sportplatz gewesen bin. Ich hatte, glaube ich, gar keine andere Wahl – das wurde mir schon mit in die Wiege gelegt.
Bilael-Pascal El-Nemr: Ich bin auch über meinen Vater zum Fußballspielen gekommen. Ich war früher nicht so der Sportbegeisterte, sondern eher der, der mit Chips vorm Fernseher saß und sich Karate Tiger angeguckt hat. Mein Vater war und ist leidenschaftlicher Fußballer und ich glaube, diese Leidenschaft ist dann irgendwann übergesprungen auf mich.
Marvin Repke: Ich bin zur Schiedsrichterei gekommen, als mein damaliger Jugendtrainer in der Mannschaft gefragt hat, wer Lust hat, seinen Schein zu machen. Seine Argumentation: Ihr könnt kostenlos in die Stadien in ganz Deutschland gehen – natürlich auch HSV, FC St. Pauli, zwei große Vereine hier in Hamburg. Das war damals als 15-jähriger Junge für mich sehr lukrativ, der jedes Wochenende ins Stadion wollte.
Asli Gök: Ich habe in der E-Jugend bei Altona 93 angefangen, Fußball zu spielen. Mit 14 Jahren kann man den Schiedsrichterschein machen, da kamen dann meine Betreuerin und der Schiedsrichter-Obmann von Altona auf mich zu. Ich habe mir am Anfang nicht viel dabei gedacht – dachte, ich probiere es mal aus. Seitdem bin ich drin und ich bereue bisher keine Sekunde.
„Seit der Pampers-Liga war ich Feuer und Flamme für den Fußball“
Kim Falter: Ich habe selbst beim HSV gespielt und war dann mit 17, 18 Jahren in einer REHA-Schleife gefangen. Parallel bin ich in die Trainer-Schiene gerutscht und dort bin ich nie weggekommen. Nach einem halben Jahr bin ich dann von der U15 in die U17-Bundeliga-Mannschaft hochgezogen worden. Irgendwann stellte sich für mich die Frage, wie ich beides unter einen Hut bekomme. Da habe ich mich für die Trainer-Schiene entschieden. In den letzten Jahren habe ich viel im U17-Bereich gearbeitet, zuletzt im U20-Bereich.
Martin Harnik: Mit meinen großen Brüdern hat alles angefangen. Die haben Fußball gespielt und ich war der Kleine, der immer mitmusste. Da habe ich schnell Gefallen dran gefunden. Seit der Pampers-Liga war ich Feuer und Flamme für den Fußball und heute bin ich 38 Jahre alt – das heißt, seit 34. 5 Jahren prägt dieser Sport mein Leben.


Gibt es etwas, das ihr jungen Menschen mit auf den Weg geben möchtet – egal, ob Trainer*in, Spieler*in oder Schiedsrichter*in?
Laura Madeleine Henke: Man sollte immer selbstbewusst spielen und immer Bock aufs Spielen haben. Auch in schwierigen Phasen, wenn es mal ein bisschen zäh ist, einfach durchbeißen. Man sollte immer Bock auf Training haben. Und wenn man eine gute Mannschaft hat, sollte man daran festhalten und wertschätzen, was man hat. Glaub an dein Ziel, sei ehrgeizig und gib Gas!
Bilael-Pascal El-Nemr: Ich würde jedem raten, nehmt ein bisschen Geld in die Hand und tut was für euren Körper, für eure Gesundheit. Denn man schafft es nur, wenn man hart arbeitet – und dazu zählt nicht, jede Woche vier, fünfmal zum Fußballtraining zu gehen. Dazu zählt noch viel, viel mehr. Ich habe es leider zu spät gemerkt; viele Freunde von mir haben es früh gemerkt und haben es in den höchsten, professionellen Bereich geschafft. Das ist mein Tipp.
Marvin Repke: Fangt an mit der Schiedsrichterei! Ihr lernt für euer Leben unglaublich viel dazu! Ihr lernt, mit Spielern umzugehen, ihr lernt, selbstbewusst zu sein, Entscheidungen zu treffen. Das sind Komponenten, die für das gesamte Leben wichtig sind, im späteren Beruf oder auch im Studium.
„Man muss sich einfach nur trauen und über den eigenen Schatten springen“
Asli Gök: Ich versuche mein Bestes zu geben, soweit als Schiedsrichterin zu kommen, wie ich kann. Ich kann es wirklich jedem ans Herz legen, Schiedsrichterin zu werden. Man muss sich einfach nur trauen und über den eigenen Schatten springen. Ich habe echt lange gebraucht, um den Schritt zu machen. Aber man muss sich einfach nur trauen!
Kim Falter: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass jemand einen Tipp von mir haben möchte. Ich habe immer mit dem Herz hinter allen Dingen gestanden, die ich getan habe. Mir ist es sehr wichtig, dass ich hinter einer Entscheidung stehe, die ich treffe – auf und neben dem Platz. Deshalb würde ich allen empfehlen, tu das, wohinter du stehen kannst – und das mit einhundert Prozent Herz und Leidenschaft. Ich glaube – unabhängig von Alter, Geschlecht und anderen Faktoren – Qualität setzt sich am Ende immer durch. Wenn du gut bist, in dem, was du tust, dann wird deine Chance kommen. Auch wenn sie vielleicht in diesem Moment nicht kommt und du eine Extrarunde drehen musst, wird die Chance trotzdem kommen.
Martin Harnik: Für mich ist der Schlüssel Kommunikation. Nehmt euch die Zeit, sprecht mit jedem Spieler, vor allem mit denen, die gerade nicht die erste Wahl sind. Bietet ihnen Perspektiven, zeigt ihnen den Weg, wie sie an Spieler XY vorbeikommen. Lasst euch auf die Menschen ein, es ist immer leichter, Spieler zu verstehen, wenn man weiß, was außerhalb des Platzes in ihnen vorgeht. Wenn man diese Puzzlestücke zusammenfügt, hat man ein ganz gutes Gesamtbild. Empathie ist auch wichtig. Klar, dafür braucht man ein gewisses Talent, aber es ist auch eine Sache, die man ein Stück weit erlernen kann. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen. Jeder macht Fehler und auch ein Trainer darf Fehler machen, sofern er damit richtig umgeht.
Vielen Dank für das Interview!