Der HSV und der HFV trauern um Jochenfritz Meinke

Jochen Meinke starb am 9. Januar 2022 - Foto Gettschat

Am 9. Januar ist mit Jochenfritz Meinke einer der größten und bedeutendsten HSVer verstorben. Meinke hatte nicht nur als Spieler, sondern auch darüber hinaus den HSV maßgeblich mitgeprägt.

Er galt als „Vater der Meistermannschaft von 1960“ und Uwe Seeler schaute stets zu ihm auf – und begrüßte ihn bis zuletzt mit den immergleichen Worten: „Moin, mein Kapitän!“ Jochenfritz Meinke war das Herzstück des HSV in der Zeit vor Einführung der Bundesliga und ist mit 307 Einsätzen und zehn Toren in der damals erstklassigen Oberliga Nord Rekordhalter des Hamburger SV, seines Vereins. Als angesehener Kapitän führte er die Rothosen fünf Jahre lang aufs Feld und 1960 mit einer nahezu ausnahmslos aus Hamburger Jungs bestehenden Mannschaft zum langersehnten Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Ein für immer unvergessener Triumph.

Jochenfritz „Jochen“ Meinke, der auf dem Fußballplatz den Spitznamen „Jocki“ erhielt und den seine Ehefrau liebevoll „Jogi“ rief, erblickte am 23. Oktober 1930 in Hamburg das Licht der Welt. Seine ersten fußballerischen Schritte erfolgten beim SC Sperber, ehe er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Jugendabteilung des Hamburger SV wechselte. Seit dem 1. Juli 1945 war er mit der Mitgliedsnummer 23930 ganz offiziell mit der Raute verbandelt. Eine Bindung, die ihn nie wieder loslassen sollte.

Sein erstes Spiel bestritt Meinke nur eine Woche nach seinem Vereinseintritt: Am 8. Juli 1945 schlug er mit der 1. Schülermannschaft den Wandsbeker FC mit 2:1. Sein letztes Spiel für die Ligamannschaft seines HSV absolvierte der nimmermüde Mittel- und Außenläufer am 6. Dezember 1965 in einem Freundschaftsspiel gegen den TSV Buchholz (6:2). Dazwischen lagen 400 Pflichtspiele für die Rothosen, in denen Meinke 13-mal Norddeutscher Meister (1950-53, 1955-63), fünfmal norddeutscher Pokalsieger (1953, 1956, 1957, 1959, 1960) und einmal DFB-Pokalsieger (1963) wurde und 1960 mit dem Gewinn des Deutschen Meistertitels seinen größten Triumph feierte.

Doch Meinke war viel mehr als ein herausragender Fußballer. Ein Charaktertyp ohne Star-Allüren, bodenständig, bescheiden, zuverlässig. Einer, der sich nie in den Mittelpunkt stellte, dessen Wort aber dennoch großes Gewicht hatte. Bei Mitspielern, Gegenspielern und Verantwortlichen. Ein Vorbild auf und neben dem Platz. Ein typischer Hanseat. Ein echter Kapitän.

Dem HSV und Hamburg blieb Meinke, wie es seiner Persönlichkeit entsprach, auch nach der aktiven Zeit immer treu. Mit alten Mitspielern aus der Meistermannschaft kickte er zunächst noch regelmäßig, war Ideengeber der HSV-Altliga und gab von 1979 bis 1992 als Leiter des HSV-Leistungszentrums sein Wissen an die Jugend weiter. Im Juli 2020 erhielt er die Goldene Nadel mit Eichenkranz für 75 Jahre HSV-Mitgliedschaft und im Volksparkstadion war er bis zum Schluss ein gern gesehener Gast mit großem HSV-Herzen und großartigem Fußballsachverstand.

Mit Jochenfritz Meinke verstarb am 9. Januar 2022 im Alter von 91 Jahren eine der prägendsten Persönlichkeiten des Hamburger Sport-Vereins. Der gesamte Club trauert mit der Familie, allen Freunden, Weggefährten und Bewunderern um einen ganz großen HSVer. Mach’s gut, Kapitän!

1.9.2008 auf dem HFV-Jahresempfang: Jochen Meinke (Mitte) mit den mittlerweile ebenfalls verstorbenen Udo Horeis (lks.) und Günter Philipp (rechts) – Foto Gettschat

Auch der Hamburger Fußball-Verband trauert um einen treuen Weggefährten, großartigen Menschen, Ratgeber und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Von 1983 bis 1999 war Jochen Meinke im Spielausschuss des HFV tätig. Für seine Verdienste erhielt er die silberne Ehrennadel des HFV und die DFB-Verdienstnadel. Er war stets ein gern gesehener Gast auf den Veranstaltungen des HFV.
Text HSV/HFV

Jochen Meinke mit der damaligen stv. Geschäftsführerin des HFV, Uschi Wendland – Foto HFV-Archiv
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