Der HFV spendete Sportartikel nach Burkina Faso

Ein Spenden-Bericht von Mohamed Issiaka Maiga

Lowgoin FC in HFV-Trikots - Fotos privat

Vor vier Jahren stellte der Hamburger Fußball-Verband seine Ausrüstung von adidas auf die Sportartikelmarke Macron um. Vertragsgemäß spielen unsere Auswahlteams seitdem in Macron und fühlen sich mit dem neuen Partner Peakzone auch sehr wohl. Es stellte sich die Frage: Wohin mit den Sachen von adidas? Darüber wurde beim HFV diskutiert und dann entschieden, die Sachen in eine Region in der Welt zu spenden, in der wir Menschen damit unterstützen können. Federführend auf Seiten des Hamburger Fußball-Verbands bei der ganzen Abwicklung waren Verbandssportlehrer Stephan Kerber und der stv. Geschäftsführer des HFV, Carsten Byernetzki.
So kam es zu der Anfrage an Mohamed Issiaka Maiga, der uns nun nach vier Jahren einen ausführlichen Bericht schickte und anschaulich darstellt, wie schwierig die ganze Organisation war und wieviel Freude die HFV-Sachen in Burkina Faso auslösten.

Ein Spenden-Bericht von Mohamed Issiaka Maiga

Danksagung
Bevor ich mit dem Bericht anfange, möchte ich mich ganz herzlich bei dem ganzen HFV-Team für diese Spende bedanken. An Herrn Byernetzki gilt ein besonderer Dank für seine Verfügbarkeit, sein Verständnis und seine Begleitung des ganzen Projektes.
Diese Spende hat das Leben von Tausenden von Menschen in Burkina Faso beeinflusst. Wenn sich ein Dorf mit mehr als 3000 Menschen über die Spende gefreut hat, ist das für mich eine schöne Rückmeldung und eine gelungene Aktion.
Dipl.-Ing. Mohamed Issiaka Maiga, Ausbildungsbegleiter

Vorgeschichte
Über Plan International wurde ich im Jahr 2018 von Herrn Byernetzki kontaktiert. Der Hamburger Fußball-Verband e. V. hat eine große Menge an Sportklamotten, die er für das Ausland spenden möchte. Außerhalb meiner Arbeit bin ich ehrenamtlich in verschiedenen afrikanischen Vereinen engagiert. Dadurch wurde ich von Kolleginnen kontaktiert, ob ich mir vorstellen kann, die Spende nach Burkina Faso zu verschiffen. Mit großer Freude nahm ich das Angebot an.
Eine Spende dieser Menge ist mit weiteren Kosten verbunden, die meistens schwer zu mobilisieren sind. Ich habe dennoch Erfahrung und nahm die Aktion in Kauf.

Karte von Hamburg – nach Burkina Faso

Organisation und Sicherheitslage in Burkina Faso

Die Sportartikel, hauptsächlich Klamotten, wurden mit Transportern, die dafür bezahlt wurden, abgeholt. Die Spende musste erstmal in einem Keller gelagert werden. Später musste ein weiterer Keller gefunden werden. Normalerweise werden die Spenden mit Containern oder in LKWs nach Burkina Faso transportiert. Dies benötigt erstmal eine Planung. Was für Sportartikel sind in der Spende? Wie werden sie nach Burkina transportiert? Welche Kosten könnten entstehen? Dies müsste mit dem Vereinsvorstand und den Vereinsmitgliedern besprochen werden. Ich als der Vorstandvorsitzende organisierte zu diesem Anlass eine Veranstaltung, um alle darüber zu informieren. Anschließend wurde eine Anzeige geschrieben und allen Vereinsmitgliedern geschickt. Jeder, der einen Kooperationspartner im Heimatland hat, darf sich bewerben. Es sind elf Anmeldungen eingegangen, also wurden elf Kooperationspartner in Burkina Faso gefunden. Das war der erste Schritt für die Weiterleitung der Spende. Da der Verein ganz viele andere Tätigkeiten hat und viel mit Menschen in Notlagen arbeitet, musste die Spende des HFV noch warten. Es gab so viele akute Fälle, sodass die Arbeit mit den Spendensachen mehrmals nach hinten verschoben werden musste. Außerdem sind es wenige Leute, die aktiv mitarbeiten. Die Umsetzung ist dementsprechend anders gelaufen, weil unter anderem die Kosten durch die Pandemie nicht vom Verein übernommen werden konnten.

Kartons mit der Spende in Hamburg kurz vor der Verschiffung

Darüber hinaus hat sich die Sicherheitslage in Burkina sehr verschlechtert und wurde für mich als ehemaliger Offizier eine besondere Last. Seit fast sechs Jahren erlebt Burkina Faso schlimme Terroranschläge. Doch seit 2018 hat sich die Lage drastisch verschlechtert. Zuerst habe ich mit anderen Leuten aus Burkina Faso in ganz Deutschland eine Spendenaktion für die Binnengeflüchteten in Burkina Faso organisiert. Diese Spenden waren nur für Nahrungsmittel gedacht. Mittlerweile sind es mehr als 1,5 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Hauptsächlich sind es Frauen und Kinder.

Meine Heimatkommune grenzt an Niger und Mali an und ist vom Terrorismus sehr betroffen. Von 27 Dörfern sind nur noch fünf bewohnt. Seit 2020 hat der Staat eine Struktur berufen, die es ermöglichen soll, eine Bürgerwehr aufzubauen. Freiwillige Zivilisten sollen nach kurzer Ausbildung durch das Militär ihre Heimat verteidigen dürfen. Ich begleite und berate die Kommunen in meiner Heimatregion seit nun vier Jahren. Seit November 2020 habe ich es in Zusammenarbeit mit Leuten vor Ort in der Kommune geschafft, die freiwillige Bürgerwehr mit Unterstützung der Armee aufzubauen. Auch an Konzepten und weiteren nachhaltigen Maßnahmen beteilige ich mich. Dies hat viel geholfen. Dörfer, die verlassen wurden, sind wieder zu mehr als 90 Prozent bewohnt. Von hier aus koordiniere ich die Sicherheitsmaßnahmen für die Zivilbevölkerung mit den Freiwilligen in Zusammenarbeit mit der Armee und den Kommunen. Alles läuft über das Telefon und per Mails. Ab Juli 2021 war die Struktur stabil genug, so dass ich mich für ein Studium der Sozialen Arbeit anmelden konnte, was ein großer Wunsch von mir war, den ich ewig verschieben musste. Dennoch bin ich täglich mit der Situation konfrontiert. Neben militärischen Lösungen sind soziale Lösungen notwendig. Ich initiierte dementsprechend seit einem Jahr einen Verein (Irganda, noch nicht angemeldet), der im sozialen Bereich sowohl in Deutschland als auch in Burkina Faso tätig sein wird. Sport und Kultur, Bildung, Gesundheit, Nachhaltige Soziale Arbeit, Umwelt: Mit diesem Verein hoffe ich Kooperationspartner*innen zu finden, die diese Bereiche mit unterstützen können.
Die großzügige Spende des Hamburger Fußball-Verbandes konnte auch nur durch diese Struktur ordentlich und kostengünstig in Burkina verteilt werden. Die Mitglieder engagierten sich ehrenamtlich für die Verteilung der Spende und auch dafür, dass sie bei den richtigen Zielgruppen ankommt.
All dies geschah in der pandemischen Lage, die alles erschwert hat.

Vakuumierte Klamotten zum Platzsparen

Vorgehensweise zur Verteilung
Im Januar 2021 wurde der erste Teil der Spende über den Verein Communauté des Burkinabè à Hamburg an elf Partner verteilt und musste innerhalb von sechs Monaten nach Burkina Faso verschifft werden. Wegen der Corona-Krise und anderer Schwierigkeiten hat es doch länger gedauert als geplant.
Von diesem ersten Teil der Spende haben Schulen, Kommunen, Dörfer und Geflüchtete profitiert.
Diese erste Verteilung über den Verein CBH e. V. war mühsam und sehr unsicher, die Spende zu den Zielgruppen ankommen zu lassen. Ich musste die Leute einzeln anrufen und einen gewissen Druck ausüben, um eine Rückmeldung zu bekommen. Am Ende konnte alles klappen. In manchen Regionen konnten wegen der Sicherheitslage leider keine Fotos gemacht werden. Deswegen habe ich die zweite Spende, ca. ein Drittel der Gesamtspende, persönlich mit der Unterstützung des Vereins Irganda Burkina organisiert. Containerkosten von Hamburg bis nach Ghana und von Ghana bis nach Burkina Faso, plus die Verteilung innerhalb von Burkina Faso musste ich aber selbst übernehmen. Mehr als 2200 Euro habe ich aus eigener Tasche bezahlt, damit all dies effizient durchgeführt werden konnte. Es hat sich aber sehr gelohnt. Dazu kamen logistische Unterstützungen von Freund*innen und ehemaligen Kamerad*innen aus dem Militär. Diese Spende wurde besonders an Sportvereine, Dörfer, die vom Terrorismus getroffen sind, Schulen und Fraueninitiativen verteilt.

Begünstigte
Aufgrund der Sicherheitslage in Burkina Faso, war es leider nicht immer möglich, eine Veranstaltung zu organisieren, um die Spende zu übergeben.

Eine Übersicht der Verteilung innerhalb von Burkina Faso (Die Farben haben keine besondere Bedeutung)

Die ersten Spenden, also etwas weniger als zwei Drittel der Gesamtspende, wurden an folgenden Orten verteilt:

  • Dorf von Guipa (Dorfmannschaft, Passoré Tema Bokin)
  • Dorf von Kougny (Dorfmannschaft, Provinz von Nayala)
  • Dorf von Tou (Provinz von Nayala)Bani (Dorfmannschaften, Provinz von Seno)
  • Toma (Lowgoin Football Club de Toma, Fußballschule für Jungs, Provinz von Sourou)
  • Dori (Dori FC, Provinz von Seno)
  • Seguenega (Dorfmannschaft, und Schulmannschaft, Provinz von Yatenga)
  • Rega (Geflüchtete)Zogoré (Geflüchtete)
  • Tenkodogo (Kommunal)
  • Koudougou (Kommunal, Provinz von Boulkiemdé)
  • Garango (Dorfmannschaft, Provinz von Boulgou)
  • Ouagadougou (Schulen)
  • Manga (Verein Rêves de femme, Mädchenteams, Provinz von Zoundwéogo)
  • Takaledougou (Dorfmannschaft, Provinz von Comoé)
  • Banfora (Verein : Association pour le développement économique et social des cascades, Region von Cascades)
  • Bobo Dioulasso (Provinz von Houet)


Die zweite Spende
haben vor allem professionelle Vereine und von Terrorismus betroffene Gebiete bekommen.
Im Norden von Burkina Faso haben folgende Dörfer sowohl Anzüge, Bälle als auch Trikots bekommen: Markoye, Tokabangou, Gorom-Gorom und Dambam. Es sind vom Terror sehr getroffene Gebiete. Sowohl Geflüchtete als auch Dorfmannschaften haben von der Spende profitiert. Hier werden Fotos folgen, sobald die Teams Fußball spielen können.
In der Hauptstadt Ouagadougou hat der Verein Union Sportive des Forces Armées (Sportverein der Streitkräfte), der in der 1. Liga spielt, einen Teil der Spende bekommen: Anzüge, Bälle, Trikots… Hier werden sowohl die Frauenmannschaften als auch die Herrenmannschaften unterschiedlicher Kategorien davon profitieren.

Danksagung USFA

Eine weitere Empfängerin ist die Fußballschule in Toma (Lowgoin Football Club de Toma, Fußballschule für Jungs). Diese Schule fördert Kinder und Jugendliche sowohl sportlich als auch schulisch. Dementsprechend hat sie mehrfach von der Gesamtspende profitiert.
Die Schule liegt in der Stadt Toma. Ein internationaler Fußballer zu werden, ohne die Schule abbrechen zu müssen, ist für viele junge Menschen in Burkina Faso kaum vorstellbar. Das Lowgoin Football Club Training Center in Toma hat sich zum Ziel gemacht, diese Situation zu ändern. Der Zollbeamte Jacques Dala hat sich dafür engagiert, ein Zentrum zu gründen, wo die jugendlichen Fußballer ihren Traum verwirklichen und schulisch weiterkommen dürfen: Hier werden Fußball, Schule und Ausbildung in Handwerk und Sprachen (Deutsch und Englisch) vereinbart. Das Zentrum ist als Internat für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren und in Tagesschulen für Kinder unter 12 Jahren geöffnet. Angestrebt wird, aus dem Zentrum ein modernes Vorbild zu machen, sowohl für Jungs als auch für Mädchen.

Hier freut sich ein Team vom Fußballverein Bamoye FC

Die Zweitligisten von Bamoye FC aus Falangoutou haben sich besonders über die Spende gefreut. Dadurch fühlen sie sich für ihre Trainings gut ausgerüstet. Bamoye FC ist zurzeit das einzige Team aus der Sahelregion, das in der zweiten Liga spielt. Die Fußballgeschichte in der Sahelregion wird durch diesen Verein anders geschrieben. Durch Terrorismus ist Fußballspielen in der Sahelregion und auch in vielen anderen Regionen kaum möglich. Damit aber auch diese Menschen den beliebtesten Sport aller Generationen weitertreiben dürfen, ist diese Spende auch eine Aktion gegen Terrorismus.

Der Verein Rêves de Femme, der ein Internat für Mädchen hat, die aus sozialen und familiären Gründen die Schule nicht weiterbesuchen können, hat auch einen Teil der Spende bekommen. Dieses Internat wurde privat von der Vereins-Gründerin Laurence Zoungrana gegründet. Dadurch dürfen diese Mädchen nicht nur weiter zur Schule gehen, sondern auch ganz viele Handwerksberufe erlernen. Besonders haben sich die Mitglieder über die Bälle gefreut, weil sie täglich Probleme mit Bällen haben. Ihre HFV-Trikots und Sportanzüge werden sie nicht nur für das Training, sondern auch für die vielen Fußballspiele benutzen.

Hier wird im Vereinshaus in Manga (BFA) ausgepackt.

Rêves de Femme – symbolischer Empfang der Spende mit der Vorsitzenden des Vereins (links)

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Telefon: 040 / 675 870-0
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