Danke für 21 Jahre Ehrenamt für den HFV!

Begrüßung beim Tag der Qualifizierung 2

Seit 1999 wirkte Frank Richter ehrenamtlich im Präsidium des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV). Zum Ende des Jahres 2020 legte er sein Amt nieder. Grund genug, Danke zu sagen für eine lange ehrenamtliche Zeit für den Fußball in Hamburg und mit Frank Richter über seine 21 Jahre für den HFV zu sprechen.
Das Interview führten Jana Münnig und Carsten Byernetzki

HFV: Wie lange warst du insgesamt beim HFV und in welcher Funktion/ welchen Funktionen?
Frank Richter: Ich war seit Oktober 1999 im HFV aktiv. Zunächst wurde ich Beisitzer im Präsidium. Im Auftrag des Präsidiums habe ich dann die Verantwortung für den Bereich Qualifizierung übernommen und die Gründung eines eigenen Verbands-Lehrausschusses (VLA) vorbereitet, der schließlich auf dem Verbandstag 2001 durch Satzungsänderung geschaffen wurde. Von Juni 2001 bis Dezember 2020 war ich dann Vorsitzender des VLA und Mitglied des Präsidiums.
HFV: Wie bist du damals zum HFV gekommen und was hast du vorher gemacht?

Frank Richter: Ich war seit 1993 1.Vorsitzender des Bostelbeker SV und habe auf Verbandstagen Anträge eingebracht und begründet. Ich wurde von Friedel Gütt im Oktober 1999 angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, als Nachfolger von Peter Kelling, der Vizepräsident wurde, die Beisitzerfunktion im Präsidium des HFV zu übernehmen.

HFV: Warum hast du jetzt aufgehört?

Frank Richter: Ich bin im Juni 2019 nach der Bezirksversammlungswahl zum Vorsitzenden der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg gewählt worden. Diese Funktion ist sehr zeitaufwendig und es gab häufige Überschneidungen mit Terminen im HFV. So habe ich mich schweren Herzens entschieden, mich auf die Funktion als Fraktionsvorsitzender zu konzentrieren.

HFV: Was ist deine Verbindung zum Fußball?
Frank Richter: Ich spiele selbst seit 1971 Fußball, bin – auch aktuell – viele Jahre im Kinder- und Jugendfußball als Trainer für den Bostelbeker SV tätig und war auch von 1993 bis 2007 1. Vorsitzender meines Vereins gewesen. Aktuell bin ich dort auch Ehrenvorsitzender. Ich habe also eine lebenslange Verbindung zum Fußball mit verschiedensten Aufgaben und Perspektiven.
HFV: Für was (z.B. Verein) schlägt dein Fußball-Herz besonders und warum?
Frank Richter: Natürlich für meinen Heimverein Bostelbeker SV, bei dem ich mittlerweile 50 Jahre Mitglied bin. Aber auch für den HSV seit ich im Volksparkstadion als Jugendlicher 1980 den 5:1 Sieg über Real Madrid in der Kurve miterleben durfte. Und ungewöhnlicherweise auch für den FC St. Pauli. Ich war während meiner Studienzeit häufiger am Millerntor, um die Mannschaft mit Trainer Helmut Schulte zu sehen und die unvergleichliche Stimmung im Stadion hat unglaublich Spaß gemacht.

HFV: Was hat dir an deiner Arbeit beim HFV besonders Spaß gemacht?
Frank Richter: Besonders war für mich die Aufbauarbeit in der Qualifizierung, die der VLA ab 2001 geleistet hat. Die Aufgabe, Aus- und Fortbildung an die Basis vor allem im Kinder- und Jugendbereich zu bringen, die Zahl der qualifizierten Trainerinnen und Trainer zu erhöhen und damit auch die Qualität im Kinder- und Jugendfußball deutlich zu steigern, war sicherlich die reizvollste Aufgabe. Denn dazu mussten Konzepte entwickelt werden, die es zuvor noch nicht gab. Selbst der DFB hat sich erst ab 2003 für diesen Bereich verstärkt interessiert und seine Qualifizierungsoffensive gestartet. Und auch auf dieser Ebene war der Meinungs- und Erfahrungsaustausch sehr bereichernd. Ein weiterer Punkt, der mir immer wichtig war, ist die Gewaltpräventionsarbeit als Teil einer aktiven gesellschaftlichen Arbeit mit Jugendlichen, die auffällig geworden sind. Wir waren – neben Berlin – der erste Landesverband, der mit dem Coolnesstag jugendlichen Spielern, die wegen Gewaltvorfällen langfristige Sperren erhalten haben, eine Chance gegeben hat, sich wieder zu rehabilitieren. Auf diese Gewaltpräventionsarbeit, die wir vom VLA aus organisiert haben, bin ich auch stolz.

HFV: Was wirst du besonders vermissen/ was wird dir besonders in Erinnerung bleiben?

Frank Richter: Vermissen werde ich definitiv den VLA mit allen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die letzten 19 Jahre. Mit Peter Sander verbindet mich seit 2001 eine gemeinsame Geschichte, da wir seinerzeit die Gründungsmitglieder des VLA waren. Und auch mit Willy Wilkens, der seit 2004 unser Gewaltpräventionsteam leitet und der den Coolnesstag entwickelt hat, verbindet mich die lange gemeinsame Arbeit. Aber auch die Arbeit im Präsidium werde ich sicher vermissen. Ich habe dort über die Jahre tolle Leute mit sehr viel Engagement für den Fußball kennengelernt, mit denen es auch zwischenmenschlich gut harmonierte. Auch da werden mir wegweisende Entscheidungen wie der Umzug in die Sportschule nach Jenfeld in Erinnerung bleiben.

HFV: Gibt es eine besondere Anekdote aus deiner Zeit beim HFV, die du uns erzählen würdest?
Frank Richter: Bemerkenswert fand ich die Souveränität, mit der das Präsidium mich 2005 im Vorfeld der WM 2006 zum Delegierten für den DFB-Bundestag gemacht hatte, obwohl ich klar und deutlich gesagt hatte, dass ich nicht für die Doppelspitzenlösung an der DFB-Spitze mit Gerhard Meyer-Vorfelder und Theo Zwanziger stimmen werde. Habe ich dann auch als einziger aus der „norddeutschen Ecke“ des Saales nicht getan. Das ist bei all den Bemühungen, die es vor DFB-Bundestagen immer gibt, einheitliche Voten zu erreichen, keine Selbstverständlichkeit. Das fand ich damals vor allem von Friedel Gütt sehr souverän.

HFV: Was siehst Du als die größten Herausforderungen für die Zukunft des Hamburger Fußball-Verbandes?

Frank Richter: Unmittelbar sicherlich die Überwindung der Folgen der Corona-Pandemie. Nach einer längeren Zeit, in der Spiel- und Trainingsbetrieb ausgesetzt waren, besteht die Herausforderung sicher darin, das Interesse am Amateurfußball vor allem im Kinder- und Jugendbereich auf dem vorherigen Level zu halten oder wieder dahin zu bringen. Langfristig wird es m.E. eine der wichtigsten Aufgaben des HFV sein, die Gleichstellung voranzubringen und mehr Frauen zu motivieren und zu fördern, damit sie sich in der Verbands- und/oder Vereinsarbeit – sei es als Trainerinnen oder ehren- oder hauptamtliche Mitarbeiterinnen – engagieren. Strukturell dürfte die Neugestaltung der HFV Sportschule eine große Herausforderung werden.

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