01.06.2015

Sicherheit im Amateurfußball: Interview mit dem HFV-Sicherheitsbeauftragten Volker Sontag

Jussi Romppanen, Koordinator - DFB Masterplan im HFV, sprach mit dem Sicherheitsverantwortlichen des Hamburger Fußball-Verbandes, Volker Sontag.

Der Fußball lebt ja zu einem großen Teil von den Emotionen und der Leidenschaft seiner Anhänger. Wie kann dafür Sorge getragen werden, dass die Sicherheit auf den Sportplätzen gewährleistet wird?
Sontag: Gewalt in der Gesellschaft und auf den Zuschauerrängen ist längst nicht mehr nur ein Problem des deutschen Profifußballs. Verschiedene Vorkommnisse in den letzten Spielzeiten haben wiederholt gezeigt, dass dieses Phänomen auch in den Amateurklassen der Regional- und Landesverbände angekommen ist. Das gilt in Einzelfällen auch für den hamburgischen Fußballsport. Deshalb ist es unabhängig vom Leistungsniveau für alle Beteiligten am Fußballsport wichtig, dass uns der Spaß, die Freude und die Begeisterung für diesen Mannschaftssport quer durch alle Spielklassen erhalten bleibt.
Die Zuständigkeiten für die Sicherheit im Spielbetrieb sind unterschiedlich geregelt. Der DFB und die Regionalverbände sind ausnahmslos für die Sicherheit der Bundesligen 1. – 3. und der Regionalliga zuständig. Der Spielbetrieb von der 5. Liga (Oberliga) bis hin zur Kreisklasse wird im jeweiligen Landesverband organisiert. In diesem Zusammenhang wurde im § 31 der Spielordnung festgeschrieben, dass der jeweilige Heimverein für Ruhe und Ordnung auf dem Platz vor, während und nach dem Spiel verantwortlich ist. Ergänzend hat das HFV-Präsidium „Allgemeine- und Besondere Sicherheitsrichtlinien“ erlassen, die weitergehende Pflichten für die Vereine beinhalten. Für den Spielbetrieb in der Oberliga Hamburg wurde zusätzlich festgelegt, dass die teilnehmenden Vereine ein Sicherheitskonzept für die eigene Sportanlage vorlegen müssen, das u.a. eine Stadionordnung und der Einsatz von Platzordnern enthält. Für die Kennzeichnung der Ordner stellt der HFV in diesem Zusammenhang für jeden Oberligisten unentgeltlich fünf Ordnerwesten zur Verfügung.

Wie sollten die Sicherheitsmaßnahmen bei den Amateurspielen im unteren Bereich aussehen?
Sontag: Da es seitens des Verbandes bewusst keine konkreten Vorgaben zu Sicherheitsmaßnahmen in diesem Bereich gibt, kommt der freiwilligen Gestellung von Platzordnern eine besonders wichtige Rolle zu. Platzordner stehen als freundliche Ansprechpartner für Schiedsrichter, Gastmannschaften, Gästefans und alle Beteiligten am Fußballspiel zur Verfügung. Sie sind ein wichtiges Aushängeschild für jeden Fußballverein. Ihr Erscheinungsbild und Auftreten sind ein Zeichen für die die Qualität eines jeden Vereins und ihr Einsatz maßgebend für die subjektive Sicherheit auf den Fußballplätzen.
Deshalb hat der DFB im Rahmen seiner Amateurfußballkampagne allen Vereinen im HFV neben den sog. Masterplanpaketen zusätzlich jeweils fünf Ordnerwesten in der Erwartung zur Verfügung gestellt, dass diese auch Verwendung finden.

Wir steht es aktuell im HFV um die Ordnerpräsenz auf den Fußballplätzen aus?
Sontag: Selbst bei wohlwollender Betrachtung ist festzustellen, dass die Ordnerpräsenz noch stark ausbaufähig ist. Das liegt sicherlich daran, dass ein professioneller Ordnungsdienst in den unteren Spielklassen nur selten gebraucht wird und dann ggf. mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. Noch schwieriger gestaltet sich die Gewinnung von ehrenamtlichen Helfern, die bereit sind sich als Ordner mit Kennzeichnungspflicht zur Verfügung zu stellen. Das sollte die Verantwortlichen im Verein jedoch nicht davon abhalten, geeignete Sportfreunde zu suchen und sie für diese Tätigkeit zu motovieren.

Welche Eigenschaften sollte ein Ordner mitbringen?
Sontag: Ein ehrenamtlicher Ordner sollte zunächst ein korrektes Äußeres und ein sicheres Auftreten mitbringen. Höflichkeit und Hilfsbereitschaft erleichtern seine Arbeit und sind gleichzeitig eine gute Werbung für den Verein. Ordner sollen keine Ängste provozieren, sondern abbauen und Vertrauen schaffen. Hierzu gehört auch das Neutralitätsgebot. Seine wichtigste Aufgabe ist, als Ansprechpartner zu fungieren und mit Ruhe und Gelassenheit zu helfen.
Zur Erhöhung ihrer Akzeptanz und der Handlungssicherheit ist die Vermittlung einer gewissen Fachkompetenz (Befugnisse, Rechte und Pflichten) wünschenswert. In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine Informationsbroschüre „Leitfaden für Fußballvereine zum Einsatz von Platzordnern“ hinweisen, die im Internet auf der Seite des Bayerischen Fußballverbandes heruntergeladen werden kann. Darüber hinaus stehe ich im Einzelfall auf Anfrage gerne für weitere Informationen unter volker.sontag@freenet.de zur Verfügung.

Haben wir ein Sicherheitsproblem im Amateurfußball?

Sontag: Nein, es bleibt festzustellen, dass es im Hamburger Amateurfußball nur vereinzelt zu Gewaltvorfällen kommt. Diese kritischen Situationen ereignen sich im Regelfall zwischen einzelnen Personen im Zusammenhang mit dem Spielgeschehen oder unter Alkoholeinfluss im Zuschauerbereich. Um hier handlungsfähig zu sein appelliere ich an alle Vereine Platzordner einzusetzen, die dafür Sorge tragen, dass Euphorie nicht in Aggression und Gewalt umschlägt.

Vielen Dank für das Gespräch, Volker!

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