30.04.2019

Schiedsrichter-Anwärter-Lehrgang im BSA Walddörfer, April 2019

Die Sache mit den Wolken...

Freitag, 28.4., 17h im Vereinsheim des TSC Wellingsbüttel, der Raum ist zum Bersten gefüllt mit 34 Anwärtern. Große Anspannung, was erwartet mich bis Sonntag, schaffe ich die Prüfung?
Christian Henkel und Andreas Schallwig treten vor die Anwärter, für Andreas ist es der erste Lehrgang, deshalb unterstützt ihn Christian. Christian und Andreas erzählen von sich, von Pokalendspielen vor ziemlich großer Kulisse, von E-Junioren-Spielen mit etwas weniger Zuschauern und von Schiri-Erfahrungen aus den USA. Sie wollen von uns wissen, warum wir Schiris werden wollen.

Klar, ich will es besser machen als der Schiri letzte Woche, will das Spiel aus einer anderen Perspektive sehen, ja und vielleicht auch mein Taschengeld ein bisschen aufbessern, sagen einige.

Am Freitag geht’s im Schnelldurchlauf durch die ganzen Regeln, Abseits, aktive Spieler, Spielstrafen, persönliche Strafen, Strafstoß. Puuhh, wenn das so in dem Tempo so weiter geht…Christian sagt, dass wir morgen alles noch ausführlicher besprechen, heute gibt es nur einen Überblick. Christian zeigt uns auch lustige Bilder von einem Schiri, der zwei gelbe Karten auf einmal zeigt und einem anderen mit einem Zylinder auf dem Kopf, so liefen die Schiris wohl früher auf’s Feld…
Ok, erster Tag geschafft, war intensiv, aber interessant. Morgen um 9.00h geht es weiter.

Vorher gibt es ein Frühstück, mit Kaffee und frischen Brötchen, lecker! 9.00h, Samstag, Regel 13 ist dran, wir reden über den Freistoß. Christian holt Riesenpapier aus seiner Tasche, setzt sich auf den Boden und fängt an, mit bunten Filzern irgendwas mit Wolken darauf zu malen. Aus einem Vorteil kann kein Nachteil werden, ist der Ball ordnungsgemäß im Spiel, ja, dann keine Wiederholung, nein, dann immer Wiederholung, steht darauf. Er klebt sie an die Fenster, sodass wir diese Merksätze immer vor Augen haben. Christian malt ein zweites Poster, noch mehr Wolken…
Am Mittag sind wir durch mit allen Regeln. Jetzt machen wir nur noch Übungen in Gruppenarbeit. Andreas kommt vorbei als wir einem Übungsbogen bearbeiten, er sieht, dass wir mit der Aufgabe Freistoß aus dem eigenen Strafraum nicht weiterkommen. Wir besprechen das mit ihm und er zeigt auf das rechte Wolkenposter ‘Ist der Ball ordnungsgemäß im Spiel, ja, nein?’ Wir sagen Nein, der Ball ist ja nicht aus dem Strafraum herausgespielt worden. „Also”, sagt er, „was bedeutet das, wenn der Mitspieler den Ball dann im Strafraum berührt?” Na, Wiederholung. Richtig. Jetzt haben wir es verstanden.
Der Nachmittag geht schnell vorbei, Christian sagt immer, wenn wir was nicht wissen: „Also, lass uns das mal aufdröseln. Ball im Spiel, ja oder nein?” Ja, Abstoß war korrekt.… „Ok, Spielstrafe möglich?”, fragt er. Ja und bei Körperkontakt immer direkter Freistoß. „Ihr müsst das immer mit Logik lösen”, empfiehlt Christian, „nicht einfach raten, entwickelt das Schritt für Schritt und dann wird die Entscheidung ganz einfach.” Stimmt, macht Sinn, jetzt habe ich das verstanden, das mit den Wolken. Feierabend, jetzt gibt es noch ein paar Aufgaben für zuhause… zum Aufdröseln.

10h, Sonntagmorgen, „Heute morgen gibt es nur noch ein paar Übungen“, sagen Andreas und Christian, „nichts Neues, das verwirrt euch nur.“ Wir besprechen die Hausaufgaben und dann ist es schon 11.45h, Andreas und Christian schicken uns raus an die frische Luft, damit der Kopf frei ist für die Prüfung.
12 Uhr, Werner Tank kommt mit den Prüfungsbögen, erzählt was von A, B und C und dass es nichts bringt, vom Nachbarn abzuschreiben…auf dem Feld sind wir auch ganz allein, keiner da, der uns die Entscheidung abnimmt…
12.30h Schluss, abgeben, ich habe alles geschafft, sogar noch Zeit gehabt, alles noch einmal in Ruhe durchzulesen, sieht gut aus.
13.10h Werner Tank wird noch kurz verabschiedet, das war seine letzte Prüfung. Die Ergebnisse kommen: 33 von 34 Anwärtern haben bestanden, davon 3 Mädchen. 14 Teilnehmer haben sogar 100% richtig und bekommen eine Münze der WM 2006 zur künftigen Seitenwahl. Einer nach dem anderen wird aufgerufen, bestanden, Urkunde, Beifall.
Es herrscht eine tolle Atmosphäre im Raum, alle sind erleichtert und froh. Andreas erzählt uns noch, welche nächste Schritte auf uns zukommen. Jetzt bin ich Schiri, es kann losgehen. Ich freu mich riesig und bin auch stolz auf mich, dass ich das alles geschafft habe. Schien alles so schwer am Freitag…. Aber das ist ja schon 2 Tage her.

Aus dem Tagebuch eines Teilnehmers, anonymisiert von Andreas Schallwig