06.11.2019

“Ich glaube, dass sich in Fußball-Deutschland nicht wirklich was getan hat”

Jan-Philipp Kalla vom FC St. Pauli über schwule Profis

Fußball-Profi Jan-Philipp Kalla vom FC St. Pauli war als Ehrengast anwesend Fotos: Startschuss

Eines der größten deutschen Freizeitturniere für schwule Fußballer, das “StartschussMasters” ist am Wochenende mit einem Sieg des dänischen Teams “PAN Fodbold” aus Kopenhagen zu Ende gegangen. 

Wie der veranstaltende Verein “Startschuss SLSV Hamburg” mitteilte, nahmen insgesamt 15 Teams aus vier europäischen Ländern teil (Deutschland, Niederlande, Dänemark, Schweden). Im Finale am Samstag setzte sich PAN Fodbold aus Kopenhagen mit 5:4 nach Siebenmeterschießen gegen Quadratekicker Mannheim durch. Die Plätze drei und vier belegten die beiden Teams der Hamburger Gastgeber.

"Es bleibt an uns, Flagge zu zeigen"

Turnierorganisator Alexander v. Beyme (ganz links), Schirmherr Farid Müller (2.v.l.), Jan-Philipp Kalla (ganz rechts) mit den Turniersiegern

Fußball-Profi Jan-Philipp Kalla vom FC St. Pauli rief als Ehrengast der Siegerehrung im Hamburger Rathaus dazu auf, gegen Homophobie und Sexismus einzutreten. “Hochgerechnet habe ich in meinem Leben mit mehr als 300 Männern Fußball gespielt. Keinen davon habe ich nach seiner sexuellen Orientierung gefragt", sagte Kalla, "für mich macht das keinen Unterschied. Ich spiele nicht anders mit oder gegen jemanden Fußball, wenn ich weiß, ob er hetero- oder homosexuell ist. Mir hat sich aber auch noch nie jemand anvertraut.” Mit Blick auf die Tatsache, dass sich bisher in Deutschland kein aktiver Profi geoutet hat, sagte der 33-Jährige: "Ich glaube, dass sich in Fußball-Deutschland nicht wirklich was getan hat. Es bleibt also weiterhin an uns, sich laut zu machen und Flagge zu zeigen." Passend zum Anlass trug Kalla ein T-Shirt mit dem St.-Pauli-Totenkopf in Regenbogen-Farben auf der Vorderseite sowie der Aufschrift "Lieb doch wen du willst" auf dem Rücken.


Die vollständige Rede von Jan-Philipp Kalla

Turnier zum 14. Mal

Der schwul-lesbische Sportverein Startschuss veranstaltete das Turnier bereits zum 14. Mal. Es richtet sich hauptsächlich an Sportvereine für Homosexuelle, es nehmen aber aus Solidarität immer wieder andere Teams wie in diesem Jahr der Hamburger Kreisligist SC Osterbek teil. Schirmherr ist der Bürgerschaftsabgeordnete Farid Müller. Startschuss bietet in Hamburg nicht nur Fußball an, sondern mehr als 15 weitere Sportarten. Über 750 Mitglieder sind dort nach Vereinsangaben aktiv.


Wie Kopenhagen den entscheidenden Siebenmeter versenkt und den Sieg feiert