23.03.2021

Ein Jahr Corona im HFV

Was in einem Jahr Pandemie im Hamburger Amateurfußball passiert ist – ein Rückblick.

Wir blicken auf ein turbulentes und herausforderndes Jahr mit Corona im Hamburger Fußball zurück – ein Jubiläum, das wir eigentlich nicht erleben wollten.


Am 11. März 2020 ruft die Welt-Gesundheitsorganisation offiziell eine Pandemie aus. Gleichzeitig hat die Corona-Pandemie erste Folgen für den Fußball in Deutschland, als das Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln zum ersten Geisterspiel der Fußball-Bundesliga-Geschichte wird. Nur zwei Tage später wird das für den 31. März geplante DFB-Länderspiel gegen Italien abgesagt. 

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wird der Spielbetrieb der Bundesliga und der 2. Liga wegen einer Pandemie ausgesetzt. Gleichzeitig empfiehlt der DFB allen Landesverbänden, den Spielbetrieb im Amateurfußball ebenfalls auszusetzen. Corona ist nun auch in Deutschland und in Hamburg angekommen.

Wie alles beginnt: März 2020

Am Freitag, den 13. März. 2020 ist der HFV erstmals gezwungen, auf das Geschehen zu reagieren, und muss den Spielbetrieb in allen Altersklassen in Hamburg zunächst bis einschließlich Dienstag, den 31. März, einstellen. Davon betroffen sind auch Aus- und Fortbildungsveranstaltungen und Auswahlmaßnahmen. An die Vereine wird zum ersten Mal appelliert, auch den Trainingsbetrieb ruhen zu lassen. Am 15. März wird der Sportbetrieb auf allen Hamburger Sportstätten offiziell vom Senat untersagt.


Kurz darauf bringt der Senat mit der „Hamburger Corona Soforthilfe“ ein erstes Sofortprogramm zur finanziellen Unterstützung des Sports auf den Weg. Ein zweites Förderpaket der Stadt gibt es bereits einige Wochen später: Ab dem 6. April können Sporteinrichtungen, -vereine und -verbände über die Investitions- und Förderbank (IFB) neben der Corona-Soforthilfe auch Förderkredite beantragen.

Im April gibt es auch vom HFV finanzielle Hilfe: Im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion ruft der Verband Unternehmen, Privatpersonen und staatliche Institutionen auf, die Vereine und Teams des Amateurfußballs zu unterstützen. Gleichzeitig bringt auch die Stadt ein neues Paket auf den Weg: Ein Nothilfefonds in Höhe von 5 Millionen Euro für den Hamburger Sport steht seit dem 17. April bereit.

Von Präsenz zu Digital: Training und Fortbildung in Corona-Zeiten

B-Lizenz-Lehrgang digital

Schnell wird auf digitale Kanäle gesetzt: Erste Home-Trainingseinheiten und Challenges kommen bereits im März vom DFB. Mit der Videoreihe „Fit mit dem HFV“ entstehen auch beim HFV Corona-konforme Trainingsvideos für das Eigentraining. Dafür drehen die HFV-Verbandssportlehrer Fitnessübungen aus dem Homeoffice. Mit den „Wettspielen“ gibt der HFV ein Format für virtuelle Kleingruppen-Duelle heraus.


Mitte März (16. – 20.03.) ist auch der geplante B-Lizenz-Lehrgang des HFV von Corona betroffen. Kurzerhand findet dieser als erster Lehrgang des HFV digital von zu Hause aus mit Kerzenständer und Bügelbrett statt, anstatt im Seminarraum.
 
Mit der Zeit entstehen immer mehr digitale Inhalte für Training, Ernährung und Co. für die YouTube-, Facebook- und Instagram-Kanäle des HFV. Und auch die Lehrgänge und Fortbildungen finden mehr und mehr virtuell statt.

Ein unvermeidbarer Schritt: Saisonabbruch 2019/20

Außerordentlicher Verbandstag des HFV am 22. Juni 2020

Der Ball rollt plötzlich nicht mehr, Ungewissheit ist groß. Wie und ob die Saison fortgesetzt werden kann, erfragt der Verband im Mai bei seinen Vereinen. Das Ergebnis ist eindeutig: 84 Prozent der Vereine, die abgestimmt haben, stimmen für den Abbruch der laufenden Saison 2019/20. Dieser wird auf dem folgenden Außerordentlichen Verbandstag des HFV am 22. Juni 2020 beschlossen, den der HFV mit Genehmigung in Präsenz in der Sporthalle Wandsbek, unter disziplinierter Umsetzung eines Hygienekonzepts, auch vom DFB positiv gewertet, umsetzte. Der Verbandstag wurde erstmalig live über hfv.de übertragen.

 
Gemeinsam mit den anderen 20 Landesverbänden ist der HFV gezwungen, den ursprünglich für den 23. Mai geplanten Finaltag der Amateure zu verlegen. Dass dieser immerhin am 22. August nachgeholt werden kann, ist ein kleiner Lichtblick in einem Sommer, der uns dank geöffneter Cafés, Schwimmbäder und Trainingsplätze aus dem tristen Corona-Alltag holt.

Einen kleinen Lichtblick gibt es derweil: Seit dem 13. Mai ist zumindest der Trainingsbetrieb in Hamburg – mit Einschränkungen – wieder möglich. Aber auch Wettbewerbe des LOTTO-Pokals der Herren, Frauen und A-Junioren, die noch zu Ende gespielt werden sollen, müssen weiter ruhen – mindestens bis zum 31. Juli 2020, beschließt das HFV-Präsidium. Am 24. Juli erteilt die Stadt Hamburg Ausnahmegenehmigungen für die Wiederaufnahme des Trainings und Spielbetriebs im Rahmen des LOTTO-Pokalwettbewerbs 2019/20 für die teilnehmenden Herren-, Frauen und A-Junioren Teams. Viertel- und Halbfinals können somit im Vorfeld des Finaltags am 22. August ausgespielt werden.

Nicht nur in Hamburg ist man abhängig von den Entscheidungen der Politik – die zumindest temporär auch gute Nachrichten verkündet: So beschließt der Senat, dass Sport in Hamburg mit Körperkontakt und ohne Abstand seit dem 1. Juli für Gruppen bis zu 10 Personen wieder erlaubt ist.

Wie geht’s weiter? Der Start in die Saison 2020/21

HFV-Schatzmeister Christian Okun beim Außerordentlichen Verbandstag am 22. Juni 2020

Am 18. September 2020 heißt es: Endlich rollt der Ball auch wieder in Hamburg! Mit der ersten LOTTO-Pokalrunde der Frauen und Männer beginnt die neue Spielzeit. Der Punktspielbetrieb des HFV im Frauen- und Herren-Ligabereich folgt am 25. September. Gleichzeitig starten auch die Jugendmannschaften in eine neue Saison. 


Saisoneröffnungsfeier? Fehlanzeige! Corona und so. Stattdessen kommen die Hygienekonzepte, und die Hoffnung, den Ball damit weiter rollen lassen zu können. Nur vereinzelt gibt es Spielabsagen wegen Corona-Vorfällen.
Dass diese Hoffnung nicht lange währt, zeigt sich wenig später. Als Bund und Länder aufgrund steigender Infektionszahlen am 28. Oktober 2020 einen weiteren Lockdown beschließen, muss sich auch der HFV beugen. Ab dem 2. November ist auch der Hamburger Fußball wieder in einer Corona-Zwangspause. „Auch der Amateursport wird seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten müssen“, erklärt HFV-Präsident Dirk Fischer damals.

Wie es weitergehen kann und welche Sorgen die Vereine aktuell plagen, erörtert das Geschäftsführende Präsidium des HFV am 6. und 10. November in zwei Videokonferenzen mit seinen Vereinen. Auch in den folgenden Videokonferenzen der spielleitenden Ausschüsse des HFV mit seinen Vereinen wird der Wunsch nach Perspektiven und Klarheit für den Spielbetrieb im Dezember wird laut. Doch die Beschlüsse der Kanzlerin und der Länderchefs am 16. November machen jeder Hoffnung erneut einen Strich durch die Rechnung: An Spiel- oder zumindest Trainingsbetrieb ist weiterhin nicht zu denken.
 
Finanzielle Hilfen gibt es Mitte Dezember 2020 erneut von der Stadt: Der Senat stellt weitere direkte Zuschüsse in Höhe von 1 Million Euro für den Sport bereit. So geht das Corona-Jahr 2020 in Hamburg ohne klare Perspektive für den Amateurfußball und mit einem Inzidenzwert von 133,3 zu Ende.

Ernüchternder Start in 2021: Kein Ende in Sicht – außer das Saisonende

Verbandstag digital am 4. März 2021

Im Januar 2021 ändert sich nicht viel – außer, dass der HFV sich als erster Landesverband am 7. Januar entscheidet, ein Ultimatum zu stellen: Sollten die Inzidenzwerte eine Öffnung der Sport-Anlagen im Bereich des HFV ab dem 13. Februar 2021 zulassen, könnten die Meisterschaft in einer einfachen Hinrunde und der Pokalwettbewerb (LOTTO- und Holsten-Pokal) durchgeführt werden. Andernfalls drohe erneut der Saisonabbruch.


Über die Pläne dieses Offenen Briefs von HFV-Präsident Dirk Fischer gemeinsam zu beraten, lädt der HFV seine Vereine am 22. Januar erneut zu einer Videokonferenz ein. Ergebnis: Viel Zustimmung für die HFV-Pläne.

Die nicht sinkenden Inzidenzen und die davonlaufende Zeit veranlassen den HFV als ersten Fußball-Landesverband des DFB den Spielbetrieb der Saison 2020/21 auf einem Außerordentlichen Verbandstag am 4. März – dieses Mal digital statt in Präsenz – offiziell abzubrechen. 91,4 % der HFV-Vereine stimmten dafür. Ohne Wertung, ohne Auf- und Absteiger, ohne Pokalrunden – so geht eine Saison im HFV zu Ende, die noch nicht einmal richtig angefangen hatte. Lediglich die Pokalrunden im LOTTO- und Holsten-Pokal sollen in den kommenden Monaten noch ihre sportlichen Sieger*innen finden.

Ungewisse Zukunft: Perspektiven für den Amateurfußball?

HFV-Präsident beim Außerordentlichen Verbandstag am 4. März 2021. Fotos: Gettschat

Bereits im Februar fordert der HFV zudem Perspektiven für seine Sportvereine und Mitglieder und plädiert vor allem dafür, die Kinder endlich wieder auf den Platz zu lassen. „Es ist einfach schwer erklärbar, dass Kinder morgens zusammen in der Schule sitzen, nachmittags aber nicht zusammen Sport treiben dürfen“, bemängeln HFV-Präsident Dirk Fischer und HFV-Schatzmeister Christian Okun.


Erst am 8. März 2021 ist es soweit: Die Lockerungen, die Bund und Länder beschließen, gelten endlich auch für den Sport. So dürfen seitdem immerhin Kinder bis 14 Jahren in Gruppen bis zu 20 Spieler*innen wieder trainieren – auch in Hamburg. Ein Lichtblick immerhin für die Kleinen nach vier Monaten Zwangspause.
 
Das gute Gefühl ist jedoch nur von kurzer Dauer: Als am 19. März der Inzidenzwert in Hamburg zum dritten Tag in Folge die 100-er-Marke überschreitet, zieht der Senat die „Notbremse“ und nimmt einige Lockerungen zurück. Erfreulicherweise ist der Sport davon kaum betroffen. Dennoch: die Gruppengröße im Kindertraining im Freien halbiert sich am dem 20. März auf zehn. Wie es weitergeht? Zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Auch nach einem Jahr mit COVID-19 – ein Jubiläum, das wir nie erleben wollten.

Wir sagen DANKE!

Als diese Aktion des HFV am 25. März 2020 lief, ahnte keiner, wie lange Corona unseren Fußballsport beeinflusst.

Danke an alle, die da draußen gerade noch alles am Laufen halten! Danke an jede*n, der*die gerade seinen/ihren Teil dazu beiträgt, diese Situation zu überstehen. Und danke auch an die, die jetzt drinbleiben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und damit sich selbst und vor allem die Risikogruppen schützen.