30.10.2021

Dirk Fischer – Eine Ära geht zu Ende

Dirk Fischer zum Ehrenpräsidenten des Hamburger Fußball-Verbandes ernannt

Gratulation zur Ehrenpräsidentschaft durch den neuen HFV-Präsidenten Christian Okun – Fotos Gettschat

Es waren emotionale Momente auf dem außerordentlichen Verbandstag des HFV am 29.10.2021 im Grand Hotel Elysée. Nach 14 Jahren gab Dirk Fischer sein Amt als Präsident des Hamburger Fußball-Verbandes ab. 


Die Ernennung zum Ehrenpräsidenten wurde mit großem Beifall bestätigt. Die Gastredner Finanzsenator Dr. Andreas Dressel, der 1. Vizepräsident Amateure des DFB Dr. Rainer Koch und der Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes Ralph-Uwe Schaffert lobten das lange Wirken des scheidenden HFV-Präsidenten. 

Dr. Rainer Koch und Dirk Fischer – 14 Jahre Präsident des HFV

Zahlreiche Weggefährten und Weggefährtinnen hatten zum Abschied von Dirk Fischer schriftlich oder per Video eine Grußbotschaft verfasst und den Mann gewürdigt, der die letzten Jahre die Geschicke des HFV gelenkt und den HFV geprägt hat. Diese 14 Jahre rückblickend in Worte zu fassen, ist kaum möglich. Dies ist der Versuch in Kurzform das Wirken von Dirk Fischer für den Hamburger Fußball-Verband zu würdigen. 






Wahl zum Präsidenten 2007

Gratulation vom damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger (lks.) und Vorgänger Dr. Friedel Gütt nach der Neuwahl am 1. November 2007

Die Wahl zum HFV-Präsidenten als Nachfolger von Dr. Friedel Gütt erfolgte am 1. November 2007. Zu der Zeit war Dirk Fischer noch Bundestagsabgeordneter (1980 – 2017) und ständig am Pendeln zwischen Hamburg und Berlin. Bis 2007 war Fischer Landesvorsitzender der CDU Hamburg (1974 – 2007). Dieses Amt gab er vor der Wahl zum HFV-Präsidenten ab. Sportpolitisch engagiert war er schon lange: Als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (1970 – 1981) war er u.a. Vorsitzender des Sportausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft (1974 – 1981). Und er war Mitglied im Sportausschuss des Bundestages von 1980 – 1998.


Dirk Fischer kann als „positiv Fußball-Verrückter“ beschrieben werden. Seit der Jugend war er aktiver Spieler, zunächst bei Strand 08, wo er auch als Schiedsrichter tätig war. Mit über 500 Spielen ist er Rekordspieler des FC Bundestag. Er ist HSV-Fan und Mitglied und ebenso Mitglied bei Union Berlin

Herzensangelegenheit

Dirk Fischer (2. v. rechts) im Hamburger Rathaus bei de Unterzeichnung des Sportfördervertrages 2016 – Foto Gettschat

Das Präsidentenamt im HFV war für ihn immer eine Herzensangelegenheit. Fischer brachte von Anfang an sein Netzwerk aus der Politik uneigennützig für den HFV ein und hat dem HFV viele Türen geöffnet. Beim Verhandeln mit der Stadt über die Sportförderverträge konnte Dirk Fischer durch seine langjährige Erfahrung in der Politik seine Erfahrungen für den Verband einbringen.

 
Dirk Fischer hat in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit und Marketing die Notwendigkeiten für den HFV frühzeitig erkannt und sich dafür eingesetzt, eine neue Stelle zu schaffen. Mittlerweile haben alle Landesverbände des DFB in diesen Positionen „aufgerüstet“. In seiner Amtszeit wurden die Sponsoring-Einnahmen zu Gunsten wichtiger Projekte und der HFV-Vereine auf ca. Euro 350.000,- pro Jahr erhöht. 

Der HFV-Jahresempfang

Dirk Fischer bei seiner Eröffnungsrede beim 13. Jahresempfang des HFV im Hotel Elysée

Der HFV-Jahresempfang ist Dirk Fischers Idee gewesen, und dass dieser immer noch vollständig durch Partner und Sponsoren finanziert wird, ist ein großer Verdienst von Dirk Fischer, der sich nie zu schade war, für den HFV selbst um Gelder bei den Partnern zu bitten. Der HFV-Jahresempfang hat sich seit 2008 als die gesellschaftliche Veranstaltung des Hamburger Fußballs und Höhepunkt des Hamburger Amateurfußballs etabliert. Er ist die Plattform, um die große soziale und integrative Kraft des Fußballs sowie das große ehrenamtliche Engagement vieler Menschen in den HFV-Vereinen zu präsentieren und gebührend zu würdigen.


Wichtige Themen für ihn waren immer Integration, Kinderfußball, der Schutz der Schiedsrichter*innen und Fairplay. Besonders lag ihm das Projekt Kicking Girls am Herzen. Dirk Fischers hartnäckigem Bemühen ist es zu verdanken, dass das Projekt auch nach der Anfangsförderung des DFB und der Laureus-Stiftung fortgeführt wurde und mittlerweile von der Stadt Hamburg und einigen Partnern gefördert wird.

83 Vereinsdialoge

Dirk Fischer bei einer seiner 83 Ballnetzübergaben nach einem Vereinsdialog (hier bei TuS Berne 2017) – Foto HFV

Bis heute war und ist Dirk Fischer Änderungen und Innovationen im Fußball gegenüber immer aufgeschlossen. Besonderes Augenmerk legte er immer auf die Bedürfnisse der Vereine. Gewünschte Änderungen wurden möglichst aufgenommen. Neuen Entwicklungen gegenüber war er offen und förderte neue Angebote. Das beste Beispiel ist Futsal: Futsal wurde im HFV von Anfang an gefördert – mit dem Ergebnis, dass die ersten Deutschen Meisterschaften durch den Hamburger Verein (jetzt HSV-Panthers) errungen wurden.


Dirk Fischer war über Jahre immer ein berechenbarer und verlässlicher Präsident, der immer den Kontakt zu seinen Vereinen suchte. Beispiel: Seitdem es nach dem 1. Amateurkongress 2011 in Kassel die Vereinsdialoge gibt, hat Dirk Fischer an allen 83 Vereinsdialogen teilgenommen, weil es ihm immer wichtig war, als Präsident Flagge zu zeigen. Auch HFV-Veranstaltungen und Sitzungen, an denen der Präsident nicht teilnehmen konnte, sind an einer Hand abzuzählen.

„Tschüs heißt in Hamburg auf Wiedersehen!“

Der Fußball als Mannschaftssport hat Dirk Fischer geprägt. Er versteht sich bis heute in seiner Amtsführung als Teamplayer auf Augenhöhe. Als herausragendes Persönlichkeitsmerkmal bestätigen viele Mitstreiter*innen seine absolute Zuverlässigkeit. Wenn Dirk Fischer etwas sagt, dann gilt das! Auch mit 77 ist Dirk Fischer fit, spielt regelmäßig Tennis, macht jeden Sommer eine große Radtour und war in seiner Amtszeit fast nie krank.


Dirk Fischer hat versprochen, dem HFV mit seiner Schaffenskraft erhalten zu bleiben und auch als Ehrenpräsident weiter zum Wohle des HFV und seiner Vereine in und um Hamburg zu wirken. In seiner Abschiedsrede sagte er: „Tschüs heißt in Hamburg auf Wiedersehen!“. Da er selbst anstrebt, 120 Jahre alt zu werden, freuen wir uns auf eine lange weitere Zusammenarbeit!
Carsten Byernetzki