09.05.2019

Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

DFB unterstützt Aufruf

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland startet einen Aufruf im Kontext Sport. Der Aufruf richtet sich explizit an Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuellem Missbrauch im Sport ausgesetzt waren. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) unterstützt dieses Vorhaben.

Prof. Dr. Sabine Andresen, die Vorsitzende der Kommission, sagt: "Im Rahmen vertraulicher Anhörungen und schriftlicher Berichte haben einzelne Betroffene gegenüber der Kommission auch von sexuellem Kindesmissbrauch beim Sport berichtet. Diese Zeugnisse und auch Medienberichte aus den vergangenen Jahren weisen darauf hin, dass es hier einer unabhängigen Aufarbeitung bedarf, die in den Strukturen des Freizeit- und Leistungssports bisher noch nicht ausreichend vorgesehen ist. Gleichzeitig wird berichtet, dass es ehemalige Sportlerinnen und Sportler große Überwindung kostet, über sexualisierte Gewalt zu sprechen."

Kommission bietet geschützten Rahmen

Die Kommission möchte wichtige Erkenntnisse gewinnen, damit Kinder und Jugendliche in Zukunft besser geschützt werden können. Darum ruft sie erwachsene Betroffene auf, die in Kindheit und Jugend sexueller Gewalt beim Freizeit-, Breiten- und Leistungssport sowie beim Schulsport ausgesetzt waren, von ihren Erfahrungen zu berichten. Die Kommission bietet dafür einen geschützten Rahmen in Form von vertraulichen Anhörungen oder von schriftlichen Berichten.

Alle Informationen zum Aufruf erhalten Interessierte unter Aufarbeitungskommission.de oder telefonisch unter 0800 40 300 40 (kostenfrei und anonym).

"Wohl der Kinder im Fußballverein ist unser höchstes Gut"

Dr. Stephan Osnabrügge, DFB-Kinderschutzbeauftragter und -Schatzmeister, sagt: "Wir begrüßen das Vorhaben der Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland. Unsere Vereine tragen ganz besonders für die 2,5 Millionen fußballspielenden Kinder eine große Verantwortung. Das Wohl der Kinder im Fußballverein ist unser höchstes Gut. Und Passivität, ein Vermeiden des Themas aus Sorge, man würde Ängste schüren, hilft nur dem*r potenziellen Täter*in."

Seit dem Vorstandsbeschluss und der Münchner Erklärung im Jahr 2010 zählt der Kinderschutz zum Aufgabenkatalog des DFB. Dem Beschluss folgte ein Maßnahmenpaket zur Prävention sexualisierter Gewalt im Fußball, das seitdem im DFB und durch die Regional- und Landesverbände umgesetzt wird. Seit 2015 lädt der Deutsche Fußball-Bund die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mitgliedsverbände jährlich zu einer als Austauschplattform und Schulungsformat strukturierten Fachtagung ein.

Die DFB-Broschüre "Kinderschutz im Verein" unterstützt alle Verantwortlichen in den DFB-Strukturen und insbesondere in den Vereinen dabei, die Risiken einzuschätzen, sich präventiv aufzustellen und im Falle eines Verdachts schnell und dabei auch sorgsam zu handeln. Seit Jahren kooperiert der DFB mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, dem Deutschen Kinderschutzbund und der Deutschen Sportjugend.

[dfb]