13.11.2019

Präventionsteams unter sich

Arbeitstagung der Gewaltpräventionsteams der NFV-Landesverbände und Berlin

Am Wochenende 8. bis 10. November 2019 war es endlich nach 2 ½ Jahren, damals ausgerichtet vom Berliner Fußball-Verband in der wunderschönen Sportschule am Wannsee, soweit: Das lange angestrebte Treffen der Gewaltpräventionsteams der norddeutschen Landesverbände sowie Berlin. Nachdem die Finanzierung über den Norddeutschen Fußball-Verband gesichert war, konnten die Einladungen verschickt werden.

Am Freitagabend wurden die bis dato angereisten Teilnehmer*innen in der Sportschule des Hamburger Fußball-Verbandes mit einer kurzweiligen Rede des gastgebenden HFV-Präsidenten Dirk Fischer begrüßt. Es folgte ein Warm-Up- und Kennenlernspiel, welches sich Kerstin Stutte ausgedacht hatte. Vor lauter Tennisbällen, die durch die Gegend geworfen und dazu der Name gerufen werden musste, dabei noch in unterschiedlicher Reihenfolge und mit Platztausch, war viel Schweiß geflossen und sofort das Eis gebrochen. Anschließend ging es zum Abendessen, um sich danach in geselliger Runde auszutauschen. Dieses wurde rege genutzt, um sich einen Überblick zu verschaffen, wie die Präventionsteams in den anderen Landesverbänden aufgestellt sind.

Samstag nach dem Frühstück gab es das nächste Warm-Up-Spiel, gestaltet durch Andy Watzlawczyk vom SHFV. Wilfried Wilkens eröffnete den Morgen mit zwei Videos. Einmal das Video mit dem heftigen Faustschlag an den hessischen Schiedsrichter. Positiv war das andere Video aus Hessen zum Thema FairPlay, wie ein Verein aufgestellt ist und welche Vorgaben den Spieler*innen bezüglich FairPlay mitgegeben wird.

„AuWi“ Winsmann, Sicherheitsbeauftragter der Regionalliga Nord sowie Vizepräsident im Norddeutschen FV, berichtete von Erfahrungen und zeigte Statistiken zum Thema Fans und Gewalt – später auch Thema einer Arbeitsgruppe. Sehr interessante Ausführungen darüber, wie sich die Zuschauerentwicklung, Polizei- und Ordnereinsatz und Vergehen über die letzten Jahre positiv entwickelten.

Die Landesverbände berichten

Danach stellten die Landesverbände ihre Arbeit vor. Aus Niedersachsen gab es im Juniorenbereich einen Spielabbruch, bei dem der Verein das Coaching nicht angenommen hat. Dieses hatte zur Folge, dass die Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet wurde. Schade, so sind diese jungen Spieler vermutlich für den Fußball verloren, was eventuell durch die Einbindung des Präventionsteams hätte verhindert werden können.

In Bremen, vertreten durch Niklas Blome, ist die Arbeit aufgrund der Größe des Fußballverbandes überschaubar und in ehrenamtlichen Händen. Einige Aktivitäten des Verbandes fanden dennoch in der Gruppe viel Gehör. So berichtete Niklas von einem Überfall auf ein Jugendspiel und eine Zusammenkunft zwischen Schiedsrichtern und Trainern, die in seinen Augen sehr fruchtbar für das gegenseitige Verständnis war.

In Berlin geht es derzeit aufgrund der aktuellen Geschehnisse (Schiedsrichterstreik, Anschlag in Halle, Militärgruß), die begleitet von der Presse und Öffentlichkeit an den Fußballverband herangetragen werden, etwas unruhiger zu. Eine große mediale Aufmerksamkeit bindet derzeit viel Energie. Dennoch wurde auch die Initiative „Fußball in Ballungszentren“ präsentiert. Hier ist es aus Sicht der Anwesenden hochgradig sinnvoll, die Präventionsarbeit einfließen zu lassen und eng zu kooperieren.

Hamburg stellte zunächst seine Angebote (Spielabbruch-Coaching, Fit für Fairplay-Tage, Coolnesstage, Ausbildung der Trainer*innen, Ausbildung von Führungsspieler*innen, Demokratiecamp) vor. Beim Spielabbruch-Coaching gibt es zwischen den einzelnen Landesverbänden erhebliche Unterschiede. Lediglich in Hamburg ist dieses in mehrere Einheiten (Gespräch, Spielbeobachtung, Trainingsbeobachtung) aufgeteilt. Die Weiterentwicklung des „Demokratiecamps“ mit einer gemeinsamen verbändeübergreifenden Veranstaltung in 2021 ist hier in den Fokus genommen worden. Hamburg wird sich auch aktiv in die weitere bundesweite Vernetzung der Präventionsarbeit einbringen.

Ein Praxisbeispiel wurde dann durch einen tollen Bericht von Chris Zabel und Andrew Langenbacher vom SV Blankenese gezeigt. Seit 2014 haben beide beim SVB eine Mannschaft, überwiegend bestehend aus Flüchtlingen aufgebaut. Alles entwickelte sich gut, bis ein Spiel kurz vor dem Abbruch stand. Reden der Verantwortlichen half nicht, beide dachten an Aufgabe des Projektes. Aber so einfach wollte sich Andrew nicht geschlagen geben und suchte Hilfe beim Hamburger Fußball-Verband. So haben sich dann Wilfried Wilkens und Christian Henkel vom Gewaltpräventionsteam des HFV auf den Weg gemacht und mit dieser Mannschaft einen Coolnesstag sowie einige Fairplay- und Teambuildingtrainings absolviert. Das war äußerst hilfreich, denn diese Mannschaft stellt heute das Gerüst der erfolgreichen Ligamannschaft vom SVB und ist Aushängeschild des Vereins.


Fotos HFV

Anschließend ging es weiter in vier Arbeitsgruppen mit den Themen „Fans und Gewalt“, „Traumatisierte Menschen auf dem Fußballplatz“, „Ausbildungsmaßnahmen junger Menschen und verbandsübergreifende Kooperation“ und „Coole Schiris – Schiedsrichter schützen und stärken“. In den Arbeitsgruppen wurde ausgiebig diskutiert und am Abend dann die Ergebnisse präsentiert. Nach fast 10 Stunden harter Arbeit waren wir dann so geschafft und hatten uns das Abendessen redlich verdient. Dabei wurde sowohl bei „Mr. Grande“ als auch später in der „Sportsbar der Sportschule“ intensiv und humorvoll weiterdebattiert. Morgens berichtete Harald Berndt über Erfahrungen mit einem Forschungsprojekt zum Thema Vorurteile und Diskriminierung.

Mittags wurde dann die Veranstaltung mit einem Review und der Verteilung eines Aufgabenzettels, welches Projekt bis wann umgesetzt werden soll, beendet. Alle 25 Teilnehmer*innen traten geschafft, aber zufrieden und geballt mit vielen neuen Erfahrungen die Heimreise an.

Gerade in der jetzigen Zeit, wo vielleicht nicht die Anzahl, dafür aber die Heftigkeit an Gewalt zunimmt, wird es immer wichtiger, dass sich die Präventionsteams gut vernetzen und einen regen Austausch betreiben. Dieses war auch ein Wunsch aller Teilnehmer*innen. Hoffen wir, dass das nächste Treffen, dann beim SHFV, nicht wieder 2 ½ Jahre dauert.

Christian Henkel, HFV-Gewaltpräventionsteam