9. ODDSET-Talk „Der Verlierer ist der Amateursport“

Unter der Überschrift, „Wetten, … dass der Fußball Schaden nimmt?!“, lud der Hamburger Fußball-Verband (HFV) am 27. Oktober 2014 zur neunten Auflage seiner Gesprächsrunde ODDSET-Talk. Brisantes Thema des Abends: verbotene Sportwetten im Amateurfußball – Werden Spiele verschoben? Welche Maßnahmen können Erfolg bringen und wie stellt sich die Situation im HFV und im DFB dar? In der prall gefüllten Opus-Lounge, der Bar im Hotel Le Meridien, begrüßten die Moderatoren Dieter Matz (Sportredakteur Hamburger Abendblatt) und Carsten Byernetzki (HFV-Pressesprecher) erwiesene Experten: Dr. Rainer Koch (1. Vizepräsident des DFB), Torsten Meinberg (Geschäftsführer LOTTO Hamburg) und Eugen Igel (Trainerikone, Amateurfußball-Experte).

ODDSET-Talk-Runde (v. lks.): Dieter Matz, Eugen Igel, Dr. Rainer Koch, Torsten Meinberg und Carsten Byernetzki – Foto HFV

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Wenige Tage vor der Veranstaltung hatte die Veröffentlichung der dreiteiligen Video-Reportage „Im Sog der Sportwette. Wie sich der deutsche Amateurfußball manipuliert“ hohe Wellen geschlagen. Der investigative Beitrag von ELBKICK.TV thematisiert die grundsätzliche Problematik und die gängige Praxis, dass im Amateurfußball Woche für Woche auf teils eigene Spiele gewettet wird. Der verantwortliche Journalist Matthäus Kosik erläuterte zu Beginn der Debatte den Hintergrund des Berichts: „Als Spieler habe ich viel mitbekommen in der Kabine. Oftmals stehen die Quoten für die Akteure im Vordergrund und nicht der Sport. Dies habe ich zum Anlass genommen, das Thema aufzunehmen.“

Wie es um die rechtliche Situation auf dem Sportwettmarkt in Deutschland bestellt ist, erklärte Dr. Rainer Koch, der auf den Glücksspielvertrag zu sprechen kam. 2014 seien 20 Lizenzen an private Sportwettanbieter ausgegeben worden. Etwaige Firmen, die leer ausgingen, klagten gegen den Beschluss. Die Folge des Schwebezustands: „Aktuell fließen die Gewinne überall hin, nur nicht an die, die den Sport organisieren. Den Landesverbänden entgeht ein enormer Geldbetrag. Der Verlierer ist der Amateursport.“ Als Vertreter des staatlichen Anbieters ODDSET ergänzte Torsten Meinberg. „Wir weisen darauf hin, dass wir Partner des Sports sind. Der Sport muss etwas davon haben.“ Ferner verwies Meinberg darauf, dass die Öffnung des Sportwettmarktes auf einer „Experimentierklausel“ beruhe. Es könne durchaus sein, dass es irgendwann zu einer Rückkehr zum staatlichen Monopol komme.

„Thema nicht von der Platte fegen“

Auf die Frage, weshalb die Vertreter des staatlichen Anbieters nicht mehr Druck auf die Politik ausüben, antwortete Meinberg besonnen. „Wir müssen versuchen, ein Bewusstsein herzustellen.“ Oftmals herrsche verhältnismäßig wenig Kenntnis darüber, dass dem Amateursport Geld verloren geht. Meinberg konstatierte, dass die Umsätze von ODDSET in den letzten Jahren drastisch abgenommen haben.

Wie konkret der Amateurfußball von Manipulation betroffen ist und wie dem Einhalt geboten werden kann, stand als nächste Frage auf der Agenda. Koch warnte davor, dass bei allen Anschuldigungen und Verdachtsmomenten nicht der Eindruck entstehen dürfe, dass jedes zweite Spiel verschoben und mit einer Partie hunderttausend Euro zu verdienen sei. „Das ist verheerend für das Image des Amateurfußballs.“

Konkrete Maßnahmen müssen seiner Meinung nach dennoch getroffen werden: „Wir müssen verhindern, dass das Spiel nicht ehrlich gespielt wird. Bereits Absprachen müssen unter Strafe gestellt werden. Es muss präventiv gearbeitet werden.“ Auch Eugen Igel appellierte daran, aktiv zu werden. „Die kritische Situation müssen wir nutzen und das Thema nicht von der Platte fegen.“ Auch das Nennen von Täternamen sei jetzt erforderlich.

„Das ist reines Zockertum“

Olaf Poschmann, Trainer des Oberligisten SC Vier- und Marschlande, der sich unter den Gästen befand, äußerte sich zu einem Wettverbot für Spieler. „Ob das wirklich Früchte trägt, wage ich zu bezweifeln. Klar, wir müssen betreffende Spieler melden. Aber dann wird halt eine andere Person zum Wetten geschickt. Letztlich muss die Oberliga-Wette komplett aus dem Sortiment genommen werden!“

Meinberg pflichtete Poschmann bei und betonte, dass Oberligaspiele verhältnismäßig einfach zu manipulieren seien. Ein Dorn im Auge sind dem Lotto Hamburg-Geschäftsführer vor allem die Live-Wetten: „Das ist reines Zockertum und hat nichts mehr mit Sport zu tun.“

Eine wichtige Anmerkung hatte Hans Jürgen Stammer. Der Präsident des Oberligisten SV Halstenbek-Rellingen, der sich im Publikum befand, forderte, dass Spieler mit ihrer Unterschrift versichern sollen, nicht auf eigene Amateurbegegnungen zu wetten. Diese Maßnahme habe abschreckenden Effekt. Ebenso sah es Koch in seinem Schlusswort: „Die Unterschriften sind wichtig. So kann sich keiner rausreden. Wir müssen ein Klima schaffen, dass Verstöße keine Lappalien sind.“

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