10. LOTTO-Talk des Hamburger Fußball-Verband setzt Impulse für Hamburgs Olympia-Zukunft

Am Montag, den 13. April 2026, luden der Hamburger Fußball-Verband (HFV) und LOTTO Hamburg zum 10. LOTTO-Talk ins Hotel Le Méridien ein. Dabei zeigte sich einmal mehr, welche gesellschaftliche Relevanz der Sport über den Fußball hinaus entfalten kann. Unter dem Titel „Mehr als Spiele: Welche Zukunft können Sommerspiele für Hamburg schaffen?“ diskutierten hochkarätige Gäste über die Chancen und Herausforderungen einer möglichen Olympiabewerbung der Hansestadt.
Auf dem Podium: Fußball-Legende, Olympia-Silber 2016- und Olympia-Bronze 2024-Gewinner Horst Hrubesch, Dilar Kiskyol, die ehem. WIBF-Weltmeisterin im Leichtgewicht, Sozialpädagogin und Integrationsbeauftragte im Hamburger Boxsport, die deutsche Para-Ruderin Jasmina Bier (ausgezeichnet zur Hamburger Sportlerin des Jahres im Februar 2026), Zukunftsforscher und wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen Prof. Dr. Ulrich Reinhardt und HFV-Präsident Christian Okun. Moderiert wurde der Talk von Juliane Möcklinghoff.
Im Mittelpunkt des Talks stand die Frage, welche nachhaltigen Effekte Olympische und Paralympische Spiele für die Stadtentwicklung, den Breitensport und die gesellschaftliche Teilhabe haben können. Dabei wurde deutlich: Die Perspektiven reichen weit über die reine Durchführung eines Großevents hinaus. Vielmehr sehen die Beteiligten in einer möglichen Bewerbung eine Chance, langfristige Impulse für Infrastruktur, Nachwuchsförderung und die Gesellschaft in Hamburg zu setzen.
„Wenn wir nicht in unsere Kinder investieren, in was dann?“
Die Diskussion zeigte durchaus unterschiedliche Blickwinkel – von sportpolitischen Einschätzungen über infrastrukturelle Anforderungen bis hin zu den Erwartungen der Vereine und Verbände – aber alle Gäste einte ihre Überzeugung, die Sommerspiele nach Hamburg holen zu wollen. „Dieses Olympia passt einfach zu Hamburg. Ich habe so viel von Olympia mitgenommen, so viele glückliche Menschen gesehen – nicht nur Sportlerinnen und Sportler. Ich wünsche alle Menschen im Norden, dass sie Olympia erleben“, so Horst Hrubesch.
Laut Para-Ruderin Jasmina Bier könnte schon allein die Paralympics in Hamburg viel bewirken. Durch ihre Präsenz würden mehr Menschen sehen, wie wichtig Barrierefreiheit ist – und das Bewusstsein dafür in der Gesellschaft würde wachsen. Auch die Stärkung des Schulsports sei ein wichtiges Argument, das in der allgemeinen Debatte wenig präsent sei: „Manchen Kindern, mit denen ich arbeite, fehlt die Perspektive. Aber wenn man etwas hat, woran man sich festhält, Vorbilder hat, dann lernt man Ziele zu erreichen. Wenn wir nicht in unsere Kinder investieren, in was dann?“, fragt Dilar Kiskyol, die die Perspektive von Kindern in ihrer Rolle als Sozialpädagogin und Integrationsbeauftragte hautnah miterlebt.
Natürlich kam die Runde auch am Thema Finanzierung nicht vorbei. Prof. Dr. Ulrich Reinhardt argumentierte: „Es geht nicht um die letzte Million – es geht um etwas Langfristiges. Dass wir als Stadt die nächsten 100 Jahre profitieren können, darf man nicht vernachlässigen. Es wäre grundsätzlich kein Problem, sich zu verschulden. Jede Schuldenaufnahme ist eine Investition in die Zukunft. Das Geld kommt aus den unterschiedlichsten Töpfen, da werden wir Bürgerinnen und Bürger nicht drauf sitzen bleiben.“
Wie Hamburgs Amateurfußball konkret von Olympia profitieren würde, hat Christian Okun erkannt – auch hier sei Weitsicht gefragt: „Bei vielen ist das Argument Ich kriege irgendetwas in meinem Verein nicht, deshalb bin ich dagegen. Das ist der falsche Handlungsstrang. Der Umbau, die Weiterentwicklung, diese Diskussion führen wir sowieso. Wir haben eine Herausforderung nicht darin, dass die Stadt Sportflächen baut“, argumentiert er, „Wir haben die Herausforderung einer Nutzungsbegrenzung, dass ich Sportflächen in Schulen umbaue, die im Nachmittagsbereich durch Sportvereine aber nicht genutzt werden können. Und das ist genau das, was ich mir von Olympia verspreche: Wenn ich Flächen umwidme von Grand in Kunstrasen, wenn ich Sporthallen saniere, dann habe ich die Chance, dass sich da etwas tut. Durch Olympia gehen Fördergelder nach Hamburg – und davon profitieren unsere Hamburger Vereine direkt.“
„Wir müssen mutig sein!“
Eine mögliche Olympiabewerbung könne nur dann erfolgreich sein, wenn sie von einer breiten gesellschaftlichen Basis getragen wird – darin sind sich alle einig. Dabei komme jedem einzelnen Bürger und jeder einzelnen Bürgerin eine zentrale Rolle zu, denn „Optimismus ist Pflicht“, meint Zukunftsforscher Prof. Dr. Ulrich Reinhardt. „Wenn wir unsere Stadt gestalten wollen, müssen wir uns einen Ruck geben. Wir müssen mutig sein. Niemand holt die Spiele nach Hamburg, wenn nicht wir. Diese Chance sollten wir – wenn nicht für uns – dann für unsere Kinder ergreifen“, mahnt Reinhardt. Dabei appellierte er vor allem die innere Einstellung der Hamburgerinnen und Hamburger. „Uns im Norden fehlt ein bisschen das Emotionale. Wir Hamburger sind etwas zurückhaltender, das müssen wir durchbrechen. mein Sohn der 20 Jahre alt ist, versteht die Frage nicht: Natürlich wollen wir Olympia, natürlich gehen wir wählen! Wir haben eine Lethargie in diesem Land – die müssen wir durchbrechen!“
Christian Okun bringt es auf den Punkt: „Wir gehen davon aus, dass die Spiele nach Deutschland kommen werden. Warum dann wo anders hin als in meine Heimatstadt? Bei der Selbstverständlichkeit dass die Spiele nach Deutschland kommen, ist das für mich die einzige Schlussfolgerung.“
DER LOTTO-Talk jetzt im Re-Live
Mit dem LOTTO-Talk schafft der Hamburger Fußball-Verband regelmäßig eine Plattform für genau diesen Dialog. Das Format bringt relevante Akteure zusammen, fördert den Austausch und setzt Impulse über den Fußball hinaus – ein Ansatz, der auch bei der zehnten Ausgabe erneut sichtbar wurde.
Wer den Talk verpasst hat oder die Diskussion noch einmal verfolgen möchte, kann den kompletten LOTTO-Talk im Re-Live auf stream-hfv.de abrufen. Bilder vom Talk gibt es hier in der Bildergalerie (Fotos Witters).